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Liebe im Hörsaal Technische Studiengänge ohne Flirtchance?

Trotz MINT-Offensive gilt: "100 Männer eine Frau - ich studier' Maschinenbau". Nur wenige Frauen studieren technische oder naturwissenschaftliche Fächer. Herrscht deshalb an technischen Hochschulen und Unis Beziehungsnotstand?

Von: Monika Haas

Stand: 02.11.2015

Die Uni als Partnerbörse?

Umfragen bei Akademikern zeigen: Die meisten Paare haben sich während ihrer Studienzeit kennengelernt. Klingt romantisch, aber immerhin 40 Prozent der heute Studierenden geben an, gerade Single zu sein. Viele leiden unter einem Studium mit gut 40 Wochenstunden - nahezu ohne Kontakt zum anderen Geschlecht. Woran liegt das?

Studieren war bis in die 1950er-Jahre Männersache

Die wenigen Studentinnen an den Hochschulen konzentrierten sich früher bei ihrer Studienwahl überwiegend auf die „klassischen“ Frauenbereiche: Erziehung und Lehramt, Sprach- und Kulturwissenschaften und Gesundheit/Soziales. Und heute? Im Wintersemester 2014/2015 hat sich das Verhältnis der Geschlechter an den Unis erstmals umgekehrt: Mit 250.665 Studienanfängerinnen lagen die Frauen knapp vor den Männern mit 250.001 Studienanfängern. Aber damit ist vielen partnersuchenden Studierenden nicht wirklich geholfen. Tatsächlich hat sich das Verhältnis Männer/Frauen in den Studiengängen nur wenig geändert.

Wer wählt welchen Studiengang?

Keine Geschlechter-Parität im Hörsaal

Studieren in einer Männerwelt ist statistisch gesehen endgültig Vergangenheit – und im Bereich der Wirtschaftswissenschaften herrscht nahezu Gleichgewicht der Geschlechter an deutschen Unis. Aber die große Mehrheit der Frauen meidet ingenieurwissenschaftliche und  naturwissenschaftliche Fächer und Informatik. Allen MINT Förderprogrammen zum Trotz: Die wenigsten Frauen studieren technische oder naturwissenschaftliche Fächer. Das beklagen Wirtschaft und vor allem die Männer an technischen Hochschulen. Nur langsam, etwa in Mathematik, Physik und Chemie, wandelt sich das Bild. Weil sich die Männer an typischen Berufen wie Ingenieurwesen orientieren, ist eines unausweichlich:  

Das Flirt-Potenzial hält sich in Grenzen

So verteilt sich das Flirtpotenzial an Unis - statistisch gesehen.

In einigen Fachbereichen, wie dem Klassiker Maschinenbau oder Informatik, herrscht an den technischen Hochschulen nahezu konstant eine Quote von nur zehn Prozent Studentinnen. In  Medizin oder Pharmazie studieren dagegen immer weniger Männer. In Grundschul-Lehramtsstudiengängen sind Männer nahezu verschwunden. Obwohl sie sich tendenziell für besserbezahlte Berufsfelder interessieren, ist immer öfter auch der hohe Numerus Clausus für Abiturienten ein Hemmnis. So beklagt der Berufsverband der Zahnmediziner aktuell, dass zum Wintersemester 2015/16 in einigen Fakultäten kein einziger Student mehr eingeschrieben ist.

Die Studienwahl - eine Imagefrage

Die Hauptursache für die selbstgewählte „Geschlechtertrennung“ sehen Bildungsforscher in klassischen Rollenbildern: Wer sich für ein geschlechtsuntypisches Fachgebiet entscheidet, muss sich im Freundes- oder Familienkreis eher rechtfertigen und braucht eine gesunde Portion Selbstbewusstsein.

Vorlesung als Flirt-Raum? An der RWTH Aachen wohl eher nicht.

Das gilt auch für die Wahl der Hochschule. Gerade die exzellenten und großen Technischen Universitäten sind für Frauen wenig attraktiv und gelten als Männerdomäne. Ob große Technische Universitäten wie die TU München und die TU  Berlin oder kleine Hochschulen wie die Hochschule Niederrhein oder die TU Freiberg: Die Frauenquote liegt durchschnittlich bei 30 Prozent. Neben der RWTH Aachen gelten als „Männerhochburgen“ auch die TU Darmstadt, das KIT in Karlsruhe und die dortige Hochschule für Technik und Wirtschaft.

Die gute Nachricht

Single-Börse für Single-Frauen, Erstsemesterparty an der RWTH Aachen

Es gibt aber eine Trendumkehr, es steigt auch an diesen Unis und Hochschulen der Frauenanteil, nicht zuletzt aufgrund der MINT-Programme, die gezielt Frauen ansprechen. Auch die neuen Bachelorstudiengänge im „Wirtschaftsingenieurwesen“ wirken: Hier liegt der Frauenanteil bereits  bei gut 40 Prozent. Deshalb bauen technische Hochschulen wie die RWTH Aachen ihre Angebote wie Philosophie oder Kommunikationswissenschaften/Medien aus. Diese sprechen Frauen traditionell mehr an. Derselben Tendenz folgen naturwissenschaftlich-technische Studienbereiche, die auf  Umweltthemen wie Wasseraufbereitung oder saubere Energien setzen. Die Vorstellung an einer besseren Zukunft in Konzernen und mithilfe neuer Technologien mitzuarbeiten, kommt bei Frauen offenbar an. Vergleichbare inhaltliche Neuausrichtungen für Männer in den typischen „weiblichen“ Fachgebieten allerdings - Fehlanzeige.

Selber aktiv werden!

Wer nicht solange warten will, bis sich der Anteil des anderen Geschlechts im eigenen Fachbereich irgendwann erhöht, muss selbst aktiv werden. In Fachschaften oder im Hochschulsport zum Beispiel. Und er kann neuerdings auch neben Hochschulpartys und den Studentenkneipen der Stadt ganz bequem die neuen Flirt-Apps für Studenten nutzen.  

Partner suchen kann man an Unis und Hochschulen und auch im Netz. Hier zwei Beispiele.

Die Studenten der RWTH spielen selbst längst mit dem Klischee, das ihren Fachbereichen anhängt. Seit Jahrzehnten kursieren Witze über den Frauenmangel an der RWTH Aachen. Die Aachener Studenten organisieren Uni-interne „Speed-Dating“ oder Karohemdenpartys.

Über das Problem, potenzielle Freundinnen zu treffen, äußern sie sich lieber anonym in Chatrooms. Allerdings stimmt auch: Gerade in Aachen hätten suchende Singles durchaus Chancen beim anderen Geschlecht. Neben der Uni ist hier auch die FH Aachen und die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen angesiedelt – und da studieren deutlich mehr Frauen. :-)


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