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Studierende aus dem Südsudan in Äthopien Hoffnung auf eine Zukunft in Europa

Viele junge Menschen im Südsudan, die auf der Flucht sind, träumen von einem Leben in Deutschland. Manche aber suchen ihr Glück im Nachbarland Äthiopien, statt nur dem Wunsch Europa nachzuhängen.

Von: Johannes Reichart

Stand: 28.11.2018

John Deng kommt aus dem Südsudan. Wie viele andere aus dem Bürgerkriegsland würde er gern in Deutschland studieren, doch dieser Wunsch bleibt vielen unerfüllt. Darum ging John nach Äthiopien. Das Nachbarland ist genauso bitterarm, aber hier sind die Unis noch geöffnet. John und 69 andere Südsudanesen können sich das Studium nur dank eines Stipendiums der katholischen Kirche finanzieren. In Äthiopien dürfen sie nach Studienabschluss nicht arbeiten, darum hoffen manche, mit dem Studium es doch noch nach Europa zu schaffen.

Der Südsudan – ein langer Weg vom Krieg zum Frieden

John aus dem Südsudan studiert Elektrotechnik in Äthopien

Seit Juli 2011 ist der Südsudan offiziell vom Norden des Landes unabhängig und ein souveräner Staat. Doch dann entfachte 2013 ein Bürgerkrieg innerhalb des jungen Staates, der der Bevölkerung jahrelang das Leben zur Hölle gemacht hat. Insgesamt haben über 2,5 Millionen Südsudanesen in den Nachbarländern Uganda, Kenia, Sudan, Äthiopien, in der Demokratischen Republik Kongo und der Zentralafrikanischen Republik Schutz gesucht. Dazu leben zwei Millionen Südsudanesen als Vertriebene im eigenen Land. Insgesamt haben also über 4,5 Millionen Menschen ihr Zuhause verloren, ein Drittel der sudanesischen Bevölkerung ist auf der Flucht. Für John war klar, dass er nur weiterkommt in seinem Leben, wenn er im Ausland studiert.

"Jeder hier von uns hat den Traum, in Europa zu studieren. Denn dort sind die Universitäten so viel besser als hier, die ganze Technologie und so..."

John Student aus dem Südsudan

Aber dieser Plan hat bei ihm nicht funktioniert. Darum ist er nach Äthiopien gegangen und studiert dort Elektrotechnik. Ein Studium im Südsudan, das sei schlichtweg nicht möglich.

"Im Südsudan wird das Semester dauernd unterbrochen: einmal ist Streik an der Uni, weil die Angestellten kein Gehalt bekommen, dann kommen die Lehrpläne des Ministeriums nicht rechtzeitig."

John Student aus dem Südsudan

Hoffen auf das neue Friedensabkommen im Südsudan

Studierende aus Südsudan in Äthopien.  | Bild: BR

Studierende in Addis Abeba

Johns Plan: nach dem Studium für eine Weiterbildung nach Europa. Falls das nicht klappen sollte, will er zurück in sein Heimatland gehen. Seine Hoffnung: das neue Friedensabkommen im Südsudan zwischen der Regierung und den Rebellen: Ein Papier, das in Taten umgesetzt werden muss. Am 6. August 2018 haben sich die beiden Kriegsparteien auf ein endgültiges Friedensabkommen geeinigt.

"Meine Regierung und ich wissen, dass der Konflikt im Südsudan eine finanzielle und politische Last für die Regierung, die Region und den Kontinent hervorgebracht hat."

Präsident Salva Kiir, Südsudan

Der frühere Vize-Präsident Riek Machar, der mittlerweile die wichtigste Rebellengruppe anführt, sagte nach der Unterzeichnung, es gebe keine Option außer Frieden. Es wird sich zeigen, ob aus diesen Worten und den unterschriebenen Papieren auch Taten folgen. Das Friedensabkommen beinhaltet auch eine Vereinbarung zur Teilung der Macht zwischen den Konfliktparteien.

Ob das Land tatsächlich zum Frieden kommt, da ist sich John trotz der aktuellen Ausgangslage nicht sicher. „Es gab früher auch schon Friedensabkommen, die nicht gehalten haben“, sagt John und zuckt mit den Schultern. Tatsächlich hat ein Friedensabkommen 2015 nicht zum Frieden geführt. Die Kämpfe, Vergewaltigungen und Vertreibungen ganzer Bevölkerungsteile gingen weiter. Sogar UN-Flüchtlingslager wurden von Regierungstruppen überfallen. John will nun erstmal sein Studium in Addis Abeba beenden. Er hat die Hoffnung auf eine bessere Zukunft seines Landes noch nicht aufgegeben.

Weiterführende Links:

Hintergrundinfos zum Südsudan:

Zahlen zu aktueller Asylpolitik:

Hintergrundinfos zu äthiopischen Flüchtlingen:


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