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Digital Lehren und Lernen Uni Regensburg im digitalen Sommersemester

Wie geht es weiter? Wann geht es weiter? Und geht es überhaupt weiter? Der akademische Betrieb in Deutschland steht Kopf. Doch viele probieren jetzt neue digitale Tools und Lehrformen aus - Campus Magazin hat mit Thomas Stahl über die digitalen Bemühungen des Zentrums für Sprache und Kommunikation an der Universität Regensburg gesprochen.

Von: Mariia Fedorova

Stand: 01.04.2020

Uni Regensburg Campus Biologiegebäude | Bild: Universität Regensburg Fotograf: Matthias Weich

Dr. Thomas Stahl, Leiter des Zentrums für Sprache und Kommunikation, Universität Regensburg

Es gibt noch keine endgültigen Antworten auf die Fragen, wie Hochschulen und Universitäten mit der Corona-Pandemie am besten umgehen können. So macht sich auch Dr. Thomas Stahl, Leiter des Zentrums für Sprache und Kommunikation an der Universität Regensburg seine Gedanken.

"Die Folgen der Corona-Krise sind jetzt schon für den Lehrbetrieb gravierend."

Dr. Thomas Stahl, Leiter des Zentrums für Sprache und Kommunikation an der Universität Regensburg

Viele Kurse mussten unterbrochen werden, viele internationale Studierende können aufgrund der Reisebeschränkungen nicht anreisen. Der aktuelle Einbruch der Zahlen bei Austauschstudierenden wird erst nach und nach überwunden werden können. Genau wie das Angebot an Seminaren - und damit die Verdienstmöglichkeiten für freiberufliche Lehrkräfte. Gleichzeitig kann die Corona-Krise vielleicht das Bildungssystem nachhaltig positiv verändern - wenn wir die richtigen Learnings aus der Krise mitnehmen.

Jetzt haben alle akademischen Institutionen mit vielen Problemen zu kämpfen. Was ist das Besondere an der Situation am Zentrum für Sprache und Kommunikation Ihrer Uni? Was sind die größten Herausforderungen?

Internetseite mit Newsraum in der Corona-Krise

Die besonderen Herausforderungen hängen alle mit der Frage zusammen: Wie geht es eigentlich weiter? Gibt es Präsenzveranstaltungen oder wird es ein reines Online-Semester sein? All das ist noch nicht geklärt. Natürlich kann man sich jetzt vorstellen, dass es gerade für ein Sprachenzentrum, für eine Institution wie dem Zentrum für Sprache und Kommunikation schwierig ist, wo es sehr viel um die Mündlichkeit geht und nicht alles, was wir anbieten, in Onlineform angeboten werden kann. 

Dabei haben Sie einen Vorteil, die E-Learning-Plattform der Universität spielt auch im normalen Lehrbetrieb Ihres Zentrums eine wichtige Rolle. Wie haben die Online-Lehrangebote bisher funktioniert?

Ja, wir haben schon viele Erfahrungen mit Online-Lehr- und Lernangeboten, wir arbeiten aktiv mit der Virtuellen Hochschule Bayern zusammen, haben in Kooperation mit der vhb schon viele Online-Sprachkurse entwickelt. Auch bislang konnten Studierende solche Kurse über die vhb absolvieren. Zum Teil haben wir auch interne Kurse entwickelt, die als Elemente des Blended Learning die bisherigen Präsenzveranstaltungen ergänzt haben. Auf diese Konzepte und auf dieses Material können wir jetzt natürlich zurückgreifen. Aber nicht alle unsere Lehrkräfte haben diese Erfahrungen mit digitalem Unterricht. Und vor allem geht es bei unseren Online-Kursen meist um Kurse, die bestimmte Fertigkeiten oder spezifische Kompetenzen betonen, die aber nicht ein komplettes Sprachkursprogramm anbieten.

Was lässt sich auf diese Plattform übertragen? Wie sieht es mit der Technik und den Kapazitäten aus?

Student mit der E-Learning Plattform arbeitend

Unsere E-Learning Plattform wäre sicherlich schnell überlastet, wenn die ganze Universität, mehr als 20.000 Studierende, sie benutzen soll. Außerdem sind bestimmte Programme und bestimmte Software für eine adäquate Sprachlehre nötig. Es ist sicherlich so, dass nicht alles auf die Schnelle funktioniert und nicht alle Lizenzen auf die Schnelle vorhanden sind. 

Es existiert bereits eine Art Konsortium von verschiedenen Sprachenzentren und 'Deutsch als Fremdsprache'-Abteilungen. Inwiefern ist diese Zusammenarbeit in der Corona-Krise relevant?

Wir arbeiten bei der Entwicklung von Online-Kursen, die dann über die Virtuelle Hochschule Bayern angeboten werden, immer wieder mit verschiedenen Hochschulen und Universitäten zusammen. Das sind vor allem drei andere Hochschulen, neben der Universität Regensburg: die Universität Würzburg, die Universität Erlangen-Nürnberg und die Technische Hochschule Nürnberg. Wir beraten uns gegenseitig bei der Entwicklung von E-Learning-Angeboten.

Im März haben nahezu alle Unis internationale Studierende erwartet und aufgenommen, die in Intensivkursen sprachlich auf das Sommersemester vorbereitet werden sollten. In der aktuellen Situation mussten dann alle Hochschulen diese Kurse entweder absagen oder abbrechen. Um den Studierenden eine Kompensationsmöglichkeit zu geben - damit sie Deutsch lernen und die nötigen Leistungspunkte erwerben können - haben wir uns, also die Sprachenzentren der genannten vier Hochschulen, zusammengetan und gesagt: wir können in dieser akuten Situation die Online-Kurse, die wir als semesterbegleitende Kurse schon haben, als Blockkursangebote öffnen. Damit können die Studierende sie jetzt schon nutzen und nicht erst mit dem Beginn des Semesters. Alle beteiligten Kolleginnen und Kollegen an den unterschiedlichen Hochschulen waren schnell bereit, die Kurse entsprechend umzustrukturieren und für die Studierenden möglich zu machen.

Welche Learnings soll das deutsche Bildungssystem aus dieser Krise mitnehmen? 

Ich glaube tatsächlich, dass viele der Überlegungen und der aus der Not geborenen Lösungen die Krise überleben werden. Und das wird den akademischen Betrieb in Deutschland zukünftig auch bestimmen oder mitbeeinflussen. So etwas, wie das kooperative Zusammenarbeiten online, die Erkenntnis, dass man über Videokonferenzen bestimmte Dinge schneller lösen kann. Auch die akademische Lehre wird sich sicherlich verändern. Dozentinnen und Dozenten, Professorinnen und Professoren setzen sich jetzt intensiv mit E-Learning und digitaler Lehre auseinander. Die gewonnenen Kompetenzen, die Vorteile werden sicherlich nachwirken.


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