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"Reise zum Mars" von Sebastian Binder Zukunft trifft Vergangenheit

Der Kurzfilm "Reise zum Mars" von Sebastian Binder hat alles: Liebe, Eifersucht und ein Abenteuer in den unendlichen Weiten des Weltraums. Der Science-Fiction-Film ist die Erstverfilmung eines Drehbuches aus den 1920er-Jahren.

Stand: 29.07.2015

Tobias Mindner als Professor in "Reise zum Mars" von Sebastian Binder | Bild: Sebastian Binder

In konzentrierter Form erzählt Sebastian Binder die abenteuerliche Geschichte dreier Reisender zum Mars. Der Pilot des Raumschiffes und der zweite Mann an Bord, der Professor, buhlen um die Liebe zu der mitreisenden Frau. Gemeinsam dringen die drei ein in die fremde Welt der Marsianer, deren Idylle schnell aus dem Gleichgewicht gerät.

Erstverfilmung eines Drehbuches aus den 1920er-Jahren

Sebastian Binders knapp neunminütiger Kurzfilm "Reise zum Mars" basiert auf einem Drehbuch des Bauhaus-Künstlers Walter Dexel. Er schrieb "Mars", so heißt das Drehbuch im Originaltitel, in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Sebastian Binders Film "Reise zum Mars" ist die Erstverfilmung des Drehbuches von Walter Dexel anlässlich des 90-jährigen Bauhaus-Jubiläums 2010.

Filmgespräch

Herr Binder, wie sind Sie für Ihre Masterarbeit auf das Drehbuch von Walter Dexel aus den 1920er-Jahren  gestoßen?

Im Jahr meiner Masterarbeit stand das 90-jährige Bauhaus-Jubiläum vor der Tür. Der Kunstverein Jena plante eine Ausstellung über Walter Dexel und kam auf die Idee, das unverfilmte Drehbuch "Mars" umsetzten zu lassen. Sie wendeten sich an meinen Professor Wolfgang Kissel, der bei einem Science-Fiction Drehbuch mit vielen Spezialeffekten direkt an mich dachte. Bei meinem ersten Treffen mit dem Kunstverein durfte ich nur einen kurzen Blick in das Drehbuch und die Skizzen werfen. Ich sagte zu, ohne das Ende der Story zu kennen.

Was hat Sie am Stoff gereizt?

Mich haben Dexels Entwürfe und Skizzen von der Marsstadt und den Marsianern sehr gereizt. Sie waren eine faszinierende und inspirierende Vorlage für die Umsetzung. Jedoch war das Buch zu lang und zu aufwendig, um es mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu verfilmen. Ich konzentrierte mich deshalb auf die wichtigsten Elemente der Vorlage und wählte eine Mischform zwischen Kurzfilm und Musik-Clip. Es sei erwähnt, dass der Film in der Zeit des Stummfilms geschrieben wurde und das Genre Musik-Clip dem sehr nahe kommt. Ebenso interessant erschien mir die Vorstellung, ein Buch zu verfilmen, das in der Vergangenheit geschrieben wurde, in der Zukunft  spielt und in der Gegenwart verfilmt wird.

Wie kann man sich die Tricks im Film vorstellen? Wie haben Sie die gemacht? Wie real wurde alles gebaut und wie digital ist da gearbeitet worden? Die Schatten in den Bildern, die natürlich auch für den Look notwendig sind, lassen auf viel Bastelarbeit schließen.

Auf der einen Seite sollte der Film einen nostalgischen Look bekommen, doch auf der anderen Seite ließ Walter Dexel  in seinem Drehbuch durchblicken, dass ihm die Benutzung von moderner Technik sehr wichtig war. Dies war für mich der Anlass, den Film nicht nur mit analogen Effekten zu realisieren, sondern auch moderne Digitaltechnik zu benutzen. Die Marsstadt wurde als Model gebaut. Sie war 7x7 Meter groß und die Häuser ein Meter hoch. Die Menschen wurden vor einem Greenscreen aufgenommen. Filmaufnahmen und Fotos von der Modellstadt wurde mit einem 3D-animierten Luftschiff und 3D-animierten Marsianern in After Effects verbunden. Vor den Dreharbeiten habe ich zusammen mit meinem Kameramann Christoph Iwanow, dem 3D-Artist Alexander Schumann und dem Compositer Fabian Grodde verschiedene Look-Tests gemacht. Wir wollten nichts dem Zufall überlassen.

Wie groß war das "Studio-Set", also die Gebäude?  Wie kann man sich die Kameraarbeit vorstellen?

Wir konnten die Marsstadt nach dem Aufbau nicht mehr betreten, um die Struktur im  Sand nicht zu zerstören. Deshalb haben wir mit einem Kamerakran und einer speziellen Optik gearbeitet, die es ermöglichte, dass die Kamera förmlich durch die Stadt schwebte

Haben Sie die Formen für die Marsianer bei Dexel gefunden oder selbst entwickelt?

Die Form der Marsianer ist eine Kombination aus Dexel Vorlagen und einer Weiterentwicklung von mir und meinem Team.

Auf dem Filmset von "Reise zu Mars"

Stab

  • Produktion: Quent Film / Bauhaus Filminstitut
  • Regie: Sebastian Binder
  • Schauspieler: Tobias Mindner, Maren Kessler, Philipp Oehme
  • Kamera: Christoph Iwanow
  • Oberbeleuchter: Martin Neuse
  • Musik: Maren Montauk
  • Postproduktion: Sebastian Binder, Fabian Grodde
  • 3d Animationen: Alexander Schumann

Szenenfotos aus "Reise zum Mars"

Der Film 2009 "Reise zum Mars" ist die Masterarbeit von Sebastian Binder und wurde "sehr gut mit Auszeichnung" benotet. Auf Festivals wurde der Film mehrfach ausgezeichnet. Er erhielt unter anderem folgende Preise: Publikumspreis des Filmforums Halle 2010, Preis der Medien Gestaltung der Bauhaus Universität, Unicato Award des MDR und den Preis der Jury Meilleur Courts Métrages Fiction 2010 des Festivals Courts dans la vallée.

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Reise zum Mars Schnitt Layout | Bild: binder187 (via YouTube)

Reise zum Mars Schnitt Layout


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