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Filmkünstlerin Alina Cyranek

Alina Cyranek überschreitet mit ihren Arbeiten die Grenzen zwischen Film und gestaltender Kunst. So sind ihre Filme auch auf Kunstaustellungen zu sehen.

Von: Christian Wurzer

Stand: 22.02.2015

Alina Cyranek, Filmemacherin, Künstlerin, Portrait | Bild: Alina Cyranek

Alina Cyranek ist in Polen geboren und lebt seit 1989 in Deutschland. Sie studierte von 2002 bis 2008 britische Kultur an der TU Dresden. Schon damals produzierte sie erste Dokumentar- und Experimentalfilme. Es folgte ein Jahr an der polnischen Filmhochschule in Lodz. Von 2008 bis 2010 absolvierte sie das Doppelstudium Medienkunst/Mediengestaltung an der Bauhaus-Universität Weimar und der Tongji University Shanghai mit dem Schwerpunkt Dokumentarfilm.

INTERVIEW

Frau Cyranek, Sie haben mit ihren Filmen schon einige Preise gewonnen. Was bedeutet Filmemachen für Sie? Was wollen sie mit Ihren Filmen erreichen?

"Es ist einfach der beste Beruf der Welt! Nicht der einfachste, aber für mich der erfüllendste. Ich möchte Geschichten von einfachen Menschen erzählen, die ihr Schicksal mit mir und dann mit dem Zuschauer teilen. Mich berühren diese Geschichten am meisten, und das möchte ich auch erreichen: Andere mit meinen Filmen berühren."

Warum haben Sie sich für die Studienrichtung Medienkunst/Mediengestaltung entschieden und das gleich in drei verschiedenen Ländern?

Alina Cyranek - Drehabreiten zu TelH78

"In ganz jungen Jahren hatte ich vor Kunst zu studieren, entschied mich jedoch für ein Studium der Geisteswissenschaften. Später kam der Wunsch nach dem Kunstschaffen wieder auf – vor allem im Zusammenhang mit dem Bewegtbild. Der Studiengang Medienkunst/Mediengestaltung an der Bauhaus-Universität Weimar bietet genau die Schnittstelle, an der ich interessiert war: Kunst und Medien. Und da ich schon vorher ein Gaststudium an der polnischen Filmhochschule in Lodz mit großer Begeisterung absolviert hatte, entschied ich mich für den Doppel-Master an der Bauhaus-Universität und der Tongji University Shanghai, das mir durch ein DAAD-Stipendium ermöglicht wurde."

In Ihren Filmen spielt immer wieder Alter und Vergänglichkeit eine Rolle. Was reizt Sie an diesem Thema?

Alina Cyranek, Videokünstlerin und Filmemacherin

"Gerade arbeite ich an meinem ersten abendfüllenden Dokumentarfilm über alte Frauen und ihre Sicht auf die Liebe in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Sie konfrontieren sich dabei mit den schönen Erinnerungen wie mit den schmerzlichen. Sie lassen die Freuden ihres zurückliegenden Lebens, aber auch Krieg, Krankheit und Tod Revue passieren. Und in der Gegenwart gehören sie keineswegs zum alten Eisen. Sie verlieben sich, lassen sich scheiden oder heiraten erneut. Ihre Lebens- und Liebesgeschichten berühren mich immer wieder aufs Neue."

Was machen Ihre Filme auf Kunstausstellungen?

Bei den Dreharbeiten zu "Fading" von Alina Cyranek

"Einige meiner Filme bewegen sich an der Grenze zu Videokunst, obwohl ich da ungern einen Unterschied mache. Mittlerweile ist der Kurzfilm in der Galerie und der Experimentalfilm im Kino angekommen. Unsere Sehgewohnheiten haben sich verändert, wir schauen Filme und Serien auf Tablets und Laptops. Warum nicht also andere Plattformen für den Kurzfilm nutzen?"

Sehen sie sich als Filmemacherin oder eher Künstlerin?

"Ich finde es schade, dass in der Hinsicht ein Unterschied gemacht wird. Der Film ist eine der komplexesten Kunstformen überhaupt: Der Regisseur führt Bild, Ton, Schnitt, Farben, Kostüme und Musik zusammen zu einem großen Ganzen. Wenn das keine Kunst ist!" Frau Cyranek, danke für das Gespräch.

Die Filme von Alina sind erfolgreich auf internationalen Filmfestivals und bei Kunstausstellungen. Sie arbeitet mit verschiedenen Medienformaten und Gestaltungselementen. Alina Cyranek lebt und arbeitet in Leipzig.   

Filme Auswahl

  • 2014 Fading
  • 2014 Szenen eines Abschieds
  • 2013 Familienessen
  • 2012 fractured
  • 2011 TelH78
  • 2010 Intrusion
  • 2009 Oddźwięk / Resonances
  • 2008 Brachycera

Auszeichnungen

  • 2015 Jurypreis bei den Bamberger Kurzfilmtagen für Szenen eines Abschieds
  • 2014 Jurypreis beim Bundesfestival Video für Familienessen
  • 2013 Publikumspreis bei den Schmalfilmtagen Dresden für TelH78
  • 2012 Jurypreis und Publikumspreis beim Filmforum Selbstgedrehtes für fractured
  • 2010 Förderpreis vom Bauhaus Frauenförderfonds für Lucky Punch
  • 2010 Förderpreis vom Bauhaus Film Institut für Lucky Punch
  • 2010 Jurypreis beim Procinema Festival in Lodz (Polen) für Oddzwiek / Resonances
  • 2009 Grand Award The Golden Beggar bei den 15. International Festival of Local Televisions (Slovakia) für Oddzwiek / Resonances
  • 2008 DAAD-Stipendium an der Bauhaus Universität Weimar und der Tongji University Shanghai
  • 2008 Filmfest Dresden Förderpreis für das Filmkonzept Rendezvous
  • 2007 wellenreiter – Förderpreis (Filmfest Dresden, Europäisches Zentrum der Künste Hellerau, saek) für Brachycera

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