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"Skateistan" von Orlando von Einsiedel Leben und skaten in Kabul

Kabul, Afghanistan. Jugendliche, die Skateboard fahren, durch eine von Krieg gezeichnete Stadt. Für die jungen Afghanen ist Skaten mehr als ein cooler Sport: Ausdruck persönlicher Freiheit und Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Von: Friederike Kühn

Stand: 08.02.2016

Jungs mit Skateboards | Bild: Orlando von Einsiedel

2007 reisten zwei australische Skateboarder, Oliver Percovich und Sharna Nolan, mit drei Skateboards nach Kabul. Sie waren überrascht, wie sehr sich die afghanischen Kinder für den Straßensport interessierten. Das inspirierte sie dazu, Afghanistans erste Skateboardhalle zu bauen.

Daraus entwickelte sich ein international preisgekröntes Entwicklungshilfeprojekt: "Skateistan" betreibt heute Skateboardschulen in Afghanistan und Kambodscha. Das Konzept: Das Skateboard als Vehikel für persönliche Veränderung und sozialen Fortschritt. So sind fast 40 Prozent der Schüler in Kabul Mädchen, denen es etwa aus religiösen Gründen verboten ist, Fahrrad zu fahren. Hier skaten und lernen sie mit den Jungs zusammen! Über das Skateboarden finden afghanische Jugendliche aus allen sozialen und ethnischen Schichten zusammen und erhalten darüber hinaus Unterricht und Zugang zu Bildung. Über 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler sind Kinder, die auf der Straße arbeiten.

Skateistan: To Live and Skate Kabul

Skateistan ist mehr als eine Schule: Ein Zufluchtsort vor Krieg, Gewalt, Armut und Zerstörung, vor all dem also, was das Leben der jungen Afghanen bislang bestimmt hat. "Skateistan: To Live and Skate Kabul" erzählt, wie die Skateboardschule das Leben von Murza, einem 17-jährigen Jungen, und Fazilla, einem zwölf Jahre alten Mädchen, verändert hat. Im Westen ist Skaten einfach cool und macht Spaß. In Afghanistan mag es ein Weg sein, in die Köpfe der Kinder und Jugendlichen das Konzept einer besseren Welt zu implantieren.

Über das Skateboarden lernen sie, die zeitlebens fast nur Krieg kannten, wieder zu vertrauen - in sich und die Zukunft und üben gleichzeitig die Gleichstellung der Geschlechter, wenn Murza und Fazilla gemeinsam durch Kabul skaten.

Dokumentarfilmer Orlando von Einsiedel, ein ehemaliger professioneller Snowboarder, hat ihre Hoffnung auf die Leinwand gebracht - vor dem Hintergrund der vom Krieg erschütterten Stadt...

"Ich bin sehr froh, dass eine Leidenschaft von mir, Sport und soziale Gerechtigkeit, zusammen kommen konnten, um so eine inspirierende Geschichte zu erzählen."

(Orlando von Einsiedel)

Stills aus "To Live and Skate Kabul"

Skateistan: Das Projekt

Skateistan ist eine Non-Profit-Organisation, die Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 18 Jahren durch Skateboarden an Bildung heranführt.

Derzeitige Projekte:
- Skateistan Kabul (seit 2007)
- Skateistan Pakistan (seit 2010, Unterricht auf der Straße)
- Skateistan Kambodscha (zwei Einrichtungen seit 2011)
- Skateistan Mazar-e-Sharif (seit 2013)


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