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Campus Cinema // "Rhythmus" von Sebastian Husak Wohlstandskind auf Abwegen

Sebastian Husak arbeitet seit seiner Kindheit als Schauspieler. Für den Kurzspielfilm „Rhythmus“ hat er die Seiten gewechselt und Regie geführt. Es ist sein Erstlingswerk an der Hochschule für Fernsehen und Film in München und bereits preisgekrönt.

Stand: 28.03.2016

„Rhythmus“ erzählt die Geschichte von Aaron. Er steht kurz vor seinem Abitur und hat scheinbar alles, was er braucht. Er lebt mit seinen Eltern in einer Villa, erhält Klavierunterricht. Dennoch belastet ihn das Gefühl, von den Menschen um ihn herum, die sich scheinbar nur oberflächlich für ihn und seine Probleme interessieren, fremdbestimmt zu sein. Aber Aaron hat ein Ventil gefunden, um mit diesem Mangel an wirklichem Interesse und Aufmerksamkeit umzugehen – er geht an öffentliche Orte und beklaut fremde Leute. Er hat das Gefühl, dass er so endlich Einfluss nehmen kann. Auf einem seiner abendlichen Beutezüge am Bahnhof wird er von Nina aufgehalten. Nina ist eine Ausreißerin, die auf „Deutschland-Tournee“ mit ihrem Akkordeon von Stadt zu Stadt zieht. Das freche Mädchen fasziniert Aaron und bald steht er vor der Entscheidung, ob er für Nina sein altes Leben aufgeben soll.

Strenge Auflagen für die Erstlingsfilme an der HFF

Ganz in schwarz-weiß gedreht, eine Grundbedingung der Erstlingsfilme an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF), hat Regisseur Sebastian Husak einen einfühlsamen Film über das Erwachsenwerden geschaffen. Doch bis dahin war es ein weiter Weg. Einen Erstlingsfilm an der HFF zu machen, bedeutet: Drehbuch schreiben, Schauspieler casten und engagieren, Drehorte finden und dafür nicht mehr als 900 Euro auszugeben. Die HFF stellt den Studierenden die technische Ausstattung und die Produktionsräume zur Verfügung, was darüber hinausbenötigt wird, geht vom Film-Budget ab.

Crowd-Founding für die Filmproduktion

Zum Beispiel das Geld für die Schauspieler. Die hat Sebastian Husak in ganz Deutschland gesucht. Vor Ort und per E-Casting, das heißt via Skype oder potenzielle Kandidaten haben Szenen aus seinem Drehbuch nachgestellt und ihm per Video geschickt. Über solche Videos hat er schließlich zwei Hauptdarsteller für die Rollen von Aaron und Nina gefunden. Die zwei sind aus Hamburg angereist – und damit war ein großer Teil des 900-Euro-Budgets auch schon weg. Bei den Schauspielern wollte Sebastian Husak aber nicht sparen, Kompromisse kamen für ihn nicht in Frage.

Knappes Film-Budget erfordert kreative Ideen

Dafür hat dem jungen Filmemacher das Geld an anderer Stelle gefehlt: Im Film wohnt Aaron mit seinen Eltern in einer Villa. Doch eine Villa als Drehort zu mieten, war im Budget nicht mehr drin. Davon hat sich Regisseur Sebastian aber nicht entmutigen lassen. Er hat es auf Umwegen versucht: Er ist durch die Villenviertel Münchens gefahren und hat nach passenden Häusern gesucht. Wenn ihm eines gefallen hat, hat er Schreiben in den Briefkasten geworfen, insgesamt rund 50 Stück. Ein Hausbesitzer hat sich gemeldet und zugesagt – und dann kurz vor Drehbeginn wieder abgesagt. Alles auf Anfang. Sebastian musste nochmal los. Diesmal hat er bei seinen Favoriten direkt geklingelt und nachgefragt, mit Erfolg. Die Besitzer, ein junges Pärchen, haben das Haus für die Dreharbeiten kostenlos zur Verfügung gestellt.

Film 01 Produktionsbedingungen

Die nächste Herausforderung: Erstlingsfilme an der HFF werden noch auf Filmrollen gedreht. Jeder Student hat für seinen Erstlingsfilm - den sog. 01 Film - nur vier davon zur Verfügung. Sebastian ist damit nicht ausgekommen. Er musste weitere dazu kaufen. Bei den vielen Ausgaben kann man schon mal den Überblick verlieren. Sebastian dachte immer, das geht schon noch, das muss im Budget drin sein. Bei der Abrechnung war die Überraschung dann groß: Das Team hat das Budget um 600 Euro überschritten. Aber das sei für den ersten Film schon in Ordnung, meint er. Und es hat sich gelohnt: „Rhythmus“ war beim Up-And-Coming International Film Festival Hannover 2015 für den deutschen Nachwuchsfilmpreis nominiert und er gewann den Kurzfilm-Nachwuchspreis beim Filmfest Schleswig-Holstein 2016. Die dreiköpfige Jury überzeugte der Film durch die hohe Professionalität aller Gewerke und eine reduzierte, intensive Bildsprache.

In Campus Cinema gibt Sebastian Husak Einblicke in die Medienausbildung an der HFF und in die Themenfindung, das Konzept, die Dramaturgie sowie die Drehbedingungen seines Studienarbeits-Films. Kriterien für das Filmemachen und die filmische Ästhetik vermitteln sich dabei besonders praxisnah.

Über Sebastian Husak

Sebastian Husak wurde 1993 in Hamburg geboren. Er stand schon als Kind selbst vor der Kamera, hat unter anderem in der Serie „Die Pirateninsel – Familie über Bord“ mitgespielt. Nun hat er die Seiten gewechselt und gibt als Jung-Regisseur hinter der Kamera seine Anweisungen. Zurzeit studiert Sebastian Filmregie im zweiten Semester an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Er hat schon vor seinem Studium eigene Filme gedreht, die er privat von seinem eigenen Geld finanziert hat. „Rhythmus“ ist der erste Film, den er an der HFF gedreht hat.


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