ARD-alpha - Campus


17

"Renate" von Lukas Baier Mein Leben ohne mich

Darf man über Demenzkranke lachen? Ja, findet HFF-Student Lukas Baier – aber nur, wenn gewisse Regeln beachtet werden. In seinem Kurzfilm "Renate" hat er diese Prämisse befolgt – und ein schweres Thema leichter greifbar gemacht.

Stand: 15.02.2016

Szene aus dem Kurzfilm "Renate" von Lukas Baier | Bild: Paul Krehan

Renate (Theater- und Fernsehschaupielerin Christine Ostermayer) ist irritiert. Gerade noch saß sie in fröhlicher Runde mit ihren Freunden bei Kaffee und Kuchen zusammen. Doch plötzlich passieren seltsame Dinge. Ihre Bekannten verändern ihr Aussehen und verhalten sich komisch, aus dem Nichts tauchen fremde Menschen auf. Die Erklärungen, die sie erhält, helfen ihr nicht wirklich weiter. Renate hat nur einen Wunsch: Sie will weg hier, und zwar schnell. Ihr Sohn soll sie an einen sicheren Ort bringen. Aber dafür müsste er erst mal auftauchen.

Persönliche Erfahrungen fließen mit ein

HFF-Student Lukas Baier beschäftigt sich in seinem Kurzfilm "Renate" mit einem Thema, das auf den ersten Blick wenig mit der Lebenswelt eines Studenten gemeinsam hat: Der 30-Jährige skizziert den Alltag einer Demenzpatientin und betrachtet die Welt zunächst aus ihrer Perspektive. Ihr Paralleluniversum ist geprägt von fortschreitendem Realitätsverlust und Hilflosigkeit. Denn niemand sieht, was sie sieht und niemand kann ihr die Fragen beantworten, die sie umtreiben.

Für Lukas ist die Auseinandersetzung mit der Krankheit nichts Neues. Seine Großmutter war dement, das Grundverständnis für die Erkrankten und den Umgang mit ihnen hatte er also. Als Vorbereitung für seinen Kurzfilm half er zudem in einem Altenheim aus. Er unterstützte die Pfleger bei ihrer Arbeit, sammelte dabei Drehbuchideen, gewann aber auch immer mehr Verständnis für die Situation der Patienten und der Betreuer. Dazu gehört das Wissen, dass sich die Patienten nicht krank fühlen und dass man sie ernst nehmen sollte, damit sie nicht aggressiv werden oder in eine Depression abrutschen. Und so traurig das Schicksal der dementen Menschen auch sein mag – manchmal passieren dermaßen absurde Dinge, dass man auch mal kurz lachen darf. Eine Erkenntnis, die Lukas auch in die Anfangssequenz seines Film hat einfließen lassen. Dabei hat er sich aber penibel und mit viel Feingefühl an eine Grundregel gehalten: Der Respekt für die Demenzkranken darf nie verloren gehen. Und das ist ihm definitiv gelungen.

Über Lukas Baier

Das Filmemachen liegt Lukas Baier im Blut. Sein Vater Jo ist ein vielbeschäftigter Regisseur und Drehbuchautor (u.a. "Stauffenberg" mit Sebastian Koch, "Liesl Karlstadt und Karl Valentin"). Schon im Teenageralter machte Lukas sein erstes Praktikum am Set des Fernsehfilms "Wambo". In der 11. Klasse drehte er seinen ersten eigenen Film und bekam es prompt mit der Polizei zu tun. Eine leicht unangenehme, aber durchaus lehrreiche Erfahrung, wie er CAMPUS CINEMA-Moderatorin Leonie Stade im Interview erzählt. Nach zahlreichen Filmpraktika, eigenen Kurzfilmen und einem abgeschlossenen Studium der Kommunikationswissenschaften in Salzburg kehrte Lukas in seine Heimatstadt München zurück. Dort studiert er seit 2012 an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF). "Renate" ist sein erster Hochschulfilm, er wurde unter anderem mit dem Starter-Filmpreis der Stadt München und mit dem Sprungbrett-Preis des Landshuter Kurzfilm Festivals ausgezeichnet. Mit "Visch" hat Lukas mittlerweile seinen zweiten HFF-Kurzfilm fertiggestellt.


17