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Studium, Job, Leben Das Campus Magazin in einem Clip

Innovatives Storytelling in einer Plansequenz! Zusammen mit Mediengestalter-Auszubildenden des BR entstand für Campus Magazin ein Werbe Clip der besonderen Art: Ein Film komplett ohne Schnitt realisiert zeigt das ganze multimediale Angebot des Hochschulmagazins - im TV, Radio, auf FB, Twitter, Online und in unserem YouTube Channel.

Von: Konstantin Höhne und Campus Magazin

Stand: 30.04.2019

Eine Plansequenz, also einen Film ganz ohne Schnitte zu produzieren, war die Aufgabe der zehnköpfigen Crew unter der Leitung von Filmeditorin Anja Caninenberg. Das Ziel: Passend zum Semesterstart das Programmangebot des multimedialen Campus Magazins in einer fortlaufenden Sequenz abzubilden und dabei eine Geschichte zu erzählen. Dazu wurden die verschiedenen Studienphasen in Kulissen aufgebaut, durch die ein imaginärer Student schreitet – er trifft auf Herausforderungen und findet Orientierung und Hilfe durch Campus Magazin. Eine Message, die in nur zweieinhalb Minuten gestalterisch anspruchsvoll und rein visuell, ganz ohne Kommentar umgesetzt werden sollte. Ein durchgehender Handlungsstrang, der den Weg eines Abiturienten bis zum Studienabschluss zeichnet – die ganze Uni Welt in einem Clip.

Was im ersten Moment wie ein Widerspruch klingt - eine Filmeditorin leitet eine Filmproduktion ohne anschließende Montage – wird plausibel, wenn man sich etwas genauer mit der Kunstform Plansequenz auseinandersetzt.

Plansequenz, was ist das?

Vom französischen "plan séquence" stammend, bedeutet das Wort nichts anderes, als eine „in einer Einstellung realisierte Szene“. Betrachtet man die reine Wortbedeutung, hat die Plansequenz also vordergründig nichts mit Planung zu tun, was man dem Wortlaut nach vielleicht vermuten könnte.

Großer Produktionsaufwand

Weiß man um den Produktionsaufwand, der nötig ist, um so einen gut zwei-minütigen Film zu produzieren, erkennt man sehr schnell, dass ohne gute Planung hier nichts zu erreichen ist. Eine Plansequenz lebt vom perfekten Zusammenspiel der unterschiedlichen Departments einer Filmproduktion, angefangen von der Regie, über Kamera und Ton, in Interaktion mit den Schauspielern, bis hin zu Kostüm, Szenenbild und Requisite.

"In einer Plansequenz wechseln Bilder ohne Schnitt. Rhythmus und Tempo sind bestimmt durch die Kamera und ziehen den Zuschauer in einen visuellen Sog. Komplexe Kamerabewegungen zeigen einen kontinuierlichen Handlungsablauf mittels innerer Montage. Der Raum wird  zum Erlebnis."

Anja Caninenberg

Ein gutes Storyboard ist das A und O

Im Vorfeld der Produktion muss exakt herausgearbeitet werden, wie die Handlung im Film umgesetzt werden kann. Wann wird welche Einstellungsgröße eingesetzt und in welcher Reihenfolge, um die Handlung schlüssig und erlebbar aufzulösen, wann welche Bewegung der Kamera. Viele dieser Entscheidungen fallen bei einer herkömmlichen Produktion mit Dreh und Schnitt erst in der Montage des Films. Da sich diese für eine Plansequenz jedoch selbstredend verbietet, muss all dies bereits in der Planung erdacht, entschieden und im Storyboard detailliert festgehalten werden. Hier kommen besonders die Kompetenzen eines Filmeditors zum Tragen.

"Mit der Produktion von Plansequenzen lernen die Azubis die Einstellungsgrößen vorher zu überlegen und dann gezielt an bestimmten Stellen einzusetzen, um die Bildgestaltung und Dramaturgie zu unterstützen. Das ist wie Schneiden im Kopf und eben nicht in der Postproduktion. Die Kontinuität von Zeit und Raum bleibt gewahrt und das ist das Reizvollen an den Plansequenzen."

Anja Caninenberg

Große technische Herausforderung

Parallel dazu läuft die technische Planung. Die größte Herausforderung besteht hier im Wesen der Plansequenz selbst: die Kamera macht den „Schnitt“. Durch ihre Bewegung entstehen unterschiedliche Einstellungsgrößen und Handlungsabschnitte. Es muss also ein Kamerasystem gefunden werden, das den hohen Qualitätsansprüchen einer aufwendigen Produktion genügt, gleichzeitig aber tragbar ist. Dazu muss dieses die schnellen Bewegungen den Kameramanns ausgleichen und so ein ruhiges Bild liefern.

Ohne Requisite und Bühnenbau geht gar nichts

Zu Beginn der Produktionswoche galt es als Erstes geeignete Hintergründe, Requisiten und Kostüme zu finden, um den theoretisch erdachten Inhalt mit Leben zu füllen. Der Umbau des leeren Fernsehstudios in eine bunte Landschaft aus verschiedenen Szenerien – außen vor der Uni, Raum der Möglichkeiten, Lernzimmer des Studenten, einem Weg und dem Platz der Professoren – verschlang die ersten drei Tage. Zum Aufbau gehörten aber auch schon erste Kameraproben und die aufwendige Konstruktion einer Vorrichtung, um die Kamera von der Studiodecke herabzulassen, was für die erste Einstellung nötig war. Gebaut werden mussten auch allerlei Holzrahmen für die Hintergründe und schwarze Wände, die die Kamerawege so abdecken, dass nicht versehentlich technische Gerätschaften oder Crew-Mitglieder ins Bild kommen. Es mussten Hintergrundtücher in mühsamer Kleinarbeit festgetackert und nach und nach jede Menge Scheinwerfer eingerichtet und eingeleuchtet werden, um die Szenerie ins richtige Licht zu setzen.

"Das Tolle an dem Projekt war der Wunsch der Redaktion und die Freiheit der Umsetzung. Hier konnten wir mit neuen Techniken arbeiten und lernen."

Nicolas Rasor, Mediengestalter Azubi

Proben, Drehen, Postproduktion

Mit Tag vier der Produktion begannen die intensiven Proben, zusammen mit den Schauspielern und Komparsen. Die gesamte Sequenz wurde zuerst in einzelnen Abschnitten geprobt, um so die Laufwege aller Beteiligten zu erarbeiten. So entstand nach einiger Zeit der gesamte Ablauf, der nötig ist, um mehr als zwei Minuten ohne Schnitt mit flüssiger Handlung zu füllen. Tag fünf stand ganz im Zeichen des eigentlichen Drehs und nach 23 kompletten Durchläufen der Sequenz war der finale und perfekte Take im Kasten.

"Bei der Plansequenz haben wirklich alle perfekt zusammengearbeitet! Für mich als Kameramann war das sehr wichtig für den perfekten Take. Meine Laufwege wurden freigehalten, ich wurde durch das Set geschoben bei der Kamerafahrt und auch die Zusammenarbeit mit Licht und Regie hat super geklappt!"

Konrad Heiwolt, Kameramann der Plansequenz, Mediengestalter Azubi

"Aus Plansequenzen sind unter anderem die Grundlagen für Reportagen und auch in der aktuellen Berichterstattung durchaus zu verwenden. Man denke an Mobile Reporting. Von daher werden die Azubis ihnen, in der ein oder anderen Form auch später sicherlich begegnen."

Anja Caninenberg

Für den größten Teil der Crew war damit die Arbeit erledigt, aber um die Plansequenz lebendig zu gestalten, war noch eine aufwendige Postproduktion nötig, in der die komplette Tonspur der Plansequenz erstellt und gemischt, sowie alle grafischen Einblendungen und Effekte in kleinteiliger Handarbeit gebaut werden mussten.

"Für mich war es nun schon die zweite Plansequenz und es war toll zu sehen, wie unter völlig anderen Voraussetzungen als bei der letzten Produktion, zwar das gleiche Ziel verfolgt wurde, aber doch ein komplett andersartiger und wirklich gelungener Film entstanden ist."

Konstantin Höhn, Mediengestalter, FG Multimedia Operating

Insgesamt ein spannendes und aufregendes Unterfangen, bei dem alle Beteiligten mit großer Freude, sowie vollem Engagement dabei waren.

"Die Azubis imponieren mir, da sie unglaublich professionell arbeiten. Jeder hat seine Aufgabe, hilft aber auch anderen. Sie leisten echte Teamarbeit und begeistern mich durch ihre Kompetenz, Flexibilität und Kreativität."

Anja Caninenberg

Sie die Campus Magazin Plansequenz entstand


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