ARD-alpha - Campus


14

Campus CINEMA // "Alles wird gut" von Patrick Vollrath Ein oscarwürdiges Familiendrama

Eine Oscar-Nominierung, der Studenten-Oscar in Bronze und unzählige andere Preise: Mit seinem Abschlussfilm "Alles wird gut" an der Filmakademie Wien hat Patrick Vollrath alles richtig gemacht. Kein Wunder: Er hat ja auch von einem der ganz Großen gelernt.

Stand: 28.03.2016

Szene aus "Alles wird gut" | Bild: Patrick Vollrath / Filmakademie Wien

Michael (Simon Schwarz) steht vor einem Haus. Er klingelt. Niemand macht ihm auf. Er klingelt wieder. Energischer. Nichts. Dann auf einmal kommt die achtjährige Lea (Julia Pointner) aus dem Haus. Ihre Mutter begleitet sie. Lea springt Michael freudig rufend in die Arme: "Papa!" Er drückt sie fest an sich. Die Mutter würdigt er keines Blickes. Dann fahren die beiden los. Es ist eigentlich alles wie jedes zweite Wochenende. Doch nach und nach bekommt Lea das Gefühl, dass diesmal irgendwas nicht stimmt.

Vom Zeitungsartikel zum oscar-nominierten Kurzfilm

Patrick Vollraths Abschlussfilm an der Filmakademie Wien wurde für den diesjährigen Oscar als "Bester Kurzfilm" nominiert und war in München auf dem Filmschoolfest zu sehen. Es geht um eine dramatische Kindesentführung, die in bewegenden Bildern die Zerrissenheit eines Vaters zeigt, der alles tut, um sein Kind für sich zu haben. Die Idee zu dem Film kam Patrick Vollrath beim Zeitungslesen. Dort wurde in großem Rahmen von einer Kindesentführung berichtet. Vollrath setzte sich ans Drehbuch und merkte bald, dass nicht der Vater, sondern das Kind die zentrale Figur der Geschichte ist. Denn das kleine Mädchen steht zwischen seinen Eltern und wird zum Spielball der Bedürfnisse.

Ein wichtiger Satz kam von Oscarpreisträger Michael Haneke, Vollraths Lehrer an der Filmakademie Wien. Als die beiden über das Drehbuch redeten, sagte Haneke: "Der Vater muss glauben, dass er das Kind wirklich liebt." Und genau darum geht es: Der Vater glaubt, dass er das richtige macht und vergisst dabei, was wirklich gut ist für sein Kind. Das versetzt auch das Publikum in einen Konflikt: Einerseits wird das Handeln des Vaters verurteilt, andererseits kann man ihn zu gewissen Teilen verstehen.

Große Emotionen und ganz großes Kino

Ein unglaublich emotionales Thema also, das von den Darstellern einiges abverlangt. Insbesondere, weil Vollrath beim Verfassen seiner Drehbücher weniger auf Dialoge setzt, sondern auf die Improvisationskunst seiner Darsteller. Vollrath beschreibt die Handlung und die einzelnen Szenen sehr genau, den Rest überlässt er den Schauspielern. Das gibt ihnen einerseits viele Freiheiten, birgt auf der anderen Seite aber auch gewisse Risiken, vor allem bei der Arbeit mit Kindern.

Julia Pointner, die Darstellerin der achtjährigen Lea, entpuppte sich allerdings als wahrer Glücksgriff. Vollrath hatte knapp zwei Wochen für das Casting, weitere sechs Tage für die Dreharbeiten. Im Castingprozess musste Vollrath also herausfinden, ob das Kind fähig sein würde, sich eine knappe Woche lang voll und ganz in die Rolle hineinzuversetzen – denn auch Proben waren nicht vorgesehen, um die natürliche Entwicklung des Films nicht zu unterbrechen.

Wie gut Vollraths Wahl beim Casting letztendlich war, zeigen nicht nur die vielen Preise und Nominierungen, sondern insbesondere die Intensität des Films. Die 30 Minuten von "Alles wird gut" sind gleichermaßen spannend und berührend – von der ersten bis zur letzten Sekunde.

Über Patrick Vollrath

Regisseur Patrick Vollrath wurde 1985 in Eisdorf am Harz geboren. Er absolvierte in München eine Ausbildung zum Film- und Videoeditor und arbeitete im Anschluss als Cutter. Ab 2008 studiert er Regie an der Wiener Filmakademie in der Klasse des Oscarpreisträgers und zweimaligen Palme-D‘Or-Gewinners Michael Haneke ("Liebe", "Das Weiße Band"). 2015 schloss er sein Filmstudium mit Auszeichnung ab. Mit seinen filmischen Arbeiten gewann er zahlreiche Preise und war auf Kurzfilmfestivals in aller Welt vertreten. Sein Abschlussfilm "Alles wird gut" wurde beim Filmfestival in Cannes im Rahmen des Kurzfilm-Wettbewerbs gezeigt und wurde unter anderem mit dem Studenten-Oscar in Bronze ausgezeichnet.

Preise und Nominierungen (Auswahl)

  • Oscar-Nominierung 2016 in der Kategorie "Best Live Action Short Film"
  • Studenten-Oscar in Bronze 2015 für den besten nicht-englischsprachigen Film
  • Rail d'Or Award bei der 54. Semaine de la Critique in Cannes 2015
  • Bester mittellanger Film beim 36. Filmfestival Max Ophüls-Preis
  • Alberto Sánchez Special Award beim 43. Huesca International Film Festival
  • Bester Kurzfilm beim 9. Wendland Shorts Kurzfilmfestival
  • Best Fiction Short beim 11. Fest New Directors / New Films Festival
  • Bester Regisseur beim 18. Studio Hamburg Nachwuchspreis
  • Nominierung für den besten Hauptdarsteller beim 5. Figari Film Fest
  • Beste Hauptdarstellerin und Bester Kurzfilm beim Manchester International Film Festival 2015
  • Bester Kurzfilm beim Yerevan International Film Festival 2015
  • Bester Kurzfilm beim Melbourne International Film Festival 2015
  • Beste Hauptdarstellerin beim 8. International Short Film Festival in Bueu
  • Bester internationaler Film beim 20. Portobello Film Festival
  • Publikumspreis beim 20. Milano Film Festival
  • Bester mittellanger Film beim First Steps Award 2015
  • Advancement Award beim Filmfestival Münster 2015


*eine komplette Liste aller Festivals gibt es auf der Homepage von Patrick Vollrath: http://www.patrickvollrath.com/#!awgdeutsch/c1peq

 


14