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"Bauchladen" von Ozan Mermer Auch Drogendealer sind nur Menschen

Jackie ist hochschwanger, muss aber trotzdem arbeiten. Und das bedeutet: Drogen dealen. HFF-Student Ozan Mermer thematisiert in seinem Kurzfilm ein brisantes Thema - die Moralkeule lässt er dabei aber stecken.

Von: Bettina Dunkel

Stand: 28.02.2016

Szene aus dem Kurzfilm "Bauchladen" | Bild: Moritz Tessendorf

Jackie und Maik werden bald Eltern und müssen noch jede Menge Besorgungen machen. Insofern passt es Jackie überhaupt nicht, dass Maik ausgerechnet am letzten Schultag kränkelnd im Bett liegt. Denn da läuft ihr kleines Drogengeschäft erfahrungsgemäß besonders gut. Also muss die Hochschwangere selbst losziehen, damit genügend Geld in der Haushaltskasse ist. Bock hat sie darauf eigentlich keinen. Aber als sie in ihrem Revier auf einen unfairen Konkurrenten trifft, erwacht ihr Geschäftssinn.

Nonkonform und extrem unterhaltsam

Eine Schwangere, die Drogen dealt - politisch korrekt geht anders. Aber Ozan Mermer sieht das nicht so eng. Einer der ersten Filme, die den HFF-Studenten beeinflusst haben, war "Pulp Fiction". Und von Quentin Tarantino ist man durchaus gewohnt, dass gesellschaftliche Normen weit überschritten werden. Man denke nur an Uma Thurman als hochschwangere und blutüberströmte Braut in "Kill Bill". Dagegen ist eine dealende Schwangere quasi gar nichts.

HFF-Student Ozan Mermer

Das Drehbuch für "Bauchladen" hat Mermer selbst geschrieben. Entstanden ist es in einem Regieseminar von der Uni. Die Aufgabe lautete, eine Szene zu schreiben und sie innerhalb eines Tages zu drehen. Aber Mermer schrieb immer weiter und hatte am Ende einen kompletten Kurzfilm mit ausgefeilten Charakteren parat. Da ist zum einen die herumfluchende Jackie, die auf pinke Joggingklamotten und überdimensionierte Goldkreolen steht und ihre ganz eigene Theorie vom Kinderbuchklassiker "Winnie Puh" aufgestellt hat. Da ist zum anderen ihr bräsiger Freund, der ziemlich neben der Spur ist. Ob krankheitsbedingt oder weil er sein bester Kunde ist - man weiß es nicht. Und dann ist da noch dieser andere Dealer mit seinem zweifelhaften Moralkodex.

Schauspieler für die männlichen Rollen waren schnell gefunden, Mermer kannte sie schon im Vorfeld und hatte mit einem der beiden bereits zusammengearbeitet. Der Kontakt zu seiner Hauptdarstellerin kam über die HFF zustande - und hat sich als wahrer Glücksgriff erwiesen. Denn den Dialogwitz aus Mermers Skript transportiert sie mühelos und mit extrem unterhaltsamer Leichtigkeit. Es ist geradezu schade, dass "Bauchladen" nur ein Kurzfilm ist, denn das Vergnügen ist viel zu schnell vorbei. Aber Mermer hat ja noch weit mehr Filmideen. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis sein nächstes Drehbuch umgesetzt wird.

Über Ozan Mermer

Ozan Mermer ist 1987 in Berlin geboren und in München aufgewachsen. Seine Vater ist gebürtigerTürke und arbeitet als Ingenieur, seine Mutter ist eine französische Literaturwissenschaftlerin. Sie war es auch, die seine Kulturerziehung in die Hand genommen hat. Pro Woche musste er vier Bücher lesen, Fernsehen hingegen war auf eine Stunde begrenzt. Wenn aber ein sehenswerter Film im Kino lief, brachte seine Mutter ihm ungefragt Tickets mit. Mermers Kinobesuche erfolgten anfangs also nicht immer freiwillig. Später arbeitete er dann als Filmvorführer und lernte, dass man auch aus schlechten Filmen wertvolles Wissen ziehen kann. Bevor Mermer an der Hochschule für Fernsehen und Film angenommen wurde, machte er seinen Bachelor in "Digital Film Making" an der School of Audio Engineering in München. Seit 2012 studiert er an der HFF Szenische Regie. Sein Kurzfilm "Fremdkörper" wurde 2014 beim Durban International Film Festival in der Kategorie "Best Short" ausgezeichnet.


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