ARD-alpha - Campus


27

"Bruder" von Jarek Duda "Vom Hamburger Kiez in die ganze Welt"

Regisseur Jarek Duda ist in Hamburg aufgewachsen und weiß, worauf es bei Filmen über den Kiez ankommt: Authentizität. In seinem Film "Bruder" erzeugt er die vor allem mit der richtigen Sprache, gefunden im echten Leben. Campus Cinema zeigt den Abschlussfilm in voller Länge und spricht mit dem Jung-Regisseur über seine Ausbildung an der Internationalen Filmschule Köln.

Von: Campus Cinema

Stand: 27.02.2017

Bruder | Bild: Jarek Duda

"Chill mal Digger, chill mal!"- so klingt Lukasz, die Hauptfigur im Film "Bruder". Lukasz ist 24 Jahre alt und sehnt sich nach Loyalität, Liebe und Akzeptanz. Deswegen fängt er an, als Schläger für einen Hamburger Kiezboss zu arbeiten. Sein Aufstieg in der Szene beginnt, aber plötzlich steht sein kleiner Bruder Kamil vor seiner Tür. Nach dem Tod der Mutter und jahrelanger Funkstille sucht der 13-Jährige wieder den Kontakt zum großen Bruder. Erst will Lukasz nichts mit seinem kleinen Bruder zu tun haben. Aber am Ende muss er sich zwischen Kiez und Familie entscheiden.

Jarek Duda hat an der Internationalen Filmschule Köln (ifs) studiert, "Bruder" ist sein Abschlussfilm. Die Idee dazu entstand während eines Auslandsemesters in der Türkei, zusammen mit seinem Kommilitonen und Kameramann Felix. Dort lernten sie ein ehemaliges Bandenmitglied kennen, dessen Lebensgeschichte inspirierte die beiden.

Vom echten Leben ins Drehbuch

Jarek wollte den Film so authentisch wie möglich gestalten, um die "Faszination Kiez" einzufangen. Dabei war ihm vor allem die Sprache der Charaktere besonders wichtig. Und die stammt aus dem echten Leben. Als das Drehbuch fertig war, haben die Schauspieler nämlich die einzelnen Szenen geprobt und in ihren eigenen Worten nachgesprochen. Deren Worte hat Jarek Duda dann widerrum ins Drehbuch aufgenommen. "Digger" oder "Alter" fallen mindestens einmal pro Satz. Gemischt mit einem "Chill mal" hier und da und einem "yo" zur Begrüßung, klingen die Schauspieler extrem authentisch.

Minderjährige am Set sind eine Herausforderung

Während der Dreharbeiten standen Jarek und sein Team immer wieder vor Herausforderungen. Eine davon war die Zusammenarbeit mit dem Darsteller des jüngeren Bruders Kamil. Der Schauspieler war zum Zeitpunkt des Drehs erst 14 Jahre alt und durfte deswegen maximal drei Stunden drehen. Nach 22 Uhr gar nicht mehr. Einige Szenen, wie zum Beispiel die Außenaufnahme vor der Lagerhalle in der Nacht, musste Jarek deswegen sehr schnell abdrehen.

Aber die Mühe hat sich gelohnt: "Bruder" war für verschiedene internationale Filmpreise nominiert und hat bei den Independent Film Awards in Warschau sogar den Preis für das beste Drehbuch bekommen. Außerdem wurde der Film nicht nur auf Filmfestivals in Deutschland, sondern auch in Israel, Nepal, Polen, Kosovo, Niederlande, Italien, Russland und den USA gezeigt. Die Geschichte von den zwei Brüdern ging so vom Kiez in die ganze Welt.

Über Jarek Duda

Jarek Duda wurde 1981 in Polen geboren. Bevor er sich für die Filmbranche entschied, war er Musiker. Er spielte Schlagzeug in verschiedenen Bands und hat nach dem Abitur sogar ein Musiklabel gegründet. Zwei Jahre später hat er dann begonnen, Werbefilme zu produzieren. Schließlich studierte er Film an der Internationalen Filmschule Köln. Sein Abschlussfilm "Bruder" lief auf Filmfestivals in der ganzen Welt. Aktuell macht Jarek einen MBA an der Hamburg Media School.

Preise und Nominierungen

  • Grand OFF World Independent Film Awards, Warsaw, Poland 12/2015: Auszeichnung in der Kategorie Bestes Drehbuch und Nominierung in der Kategorie Bester Schauspieler für Adrian Saidi (Lukasz)
  • 5. Figari Film Fest, Golfo Aranci, Italien 07/2015: Nominierung in den Kategorien Beste Kamera und Bester Schauspieler
  • First Steps Award, Berlin, 08/2014: Nominierung in der Kategorie Mittellanger Film

 


27