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Campus CINEMA // "Jam Session" von Izabela Plucinska Es ist nie zu spät für die Liebe

Teresa und Viktor sind seit vielen Jahren verheiratet. Ihre Ehe ist ziemlich eingeschlafen. Sie selbst leiden aber an Schlafstörungen. Wie sie wieder zueinander finden, erzählt Izabela Plucinska in ihrem Kurzfilm "Jam Session".

Von: Bettina Dunkel

Stand: 28.02.2016

Szene aus "Jam Session" | Bild: Izabela Plucinska

Sie zählt Schäfchen, er raucht wie ein Schlot: Teresa und Viktor liegen zwar im gleichen Bett, aber das einzige, was sie miteinander teilen, ist die Unfähigkeit einzuschlafen. Es ist kurz vor Mitternacht und in der Kneipe unter ihrer Wohnung tobt das Leben. Ein Zustand, der ein Stockwerk weiter oben nur noch graue Erinnerung ist. Um das Beste aus der Schlaflosigkeit zu machen, schaut Viktor nach dem tropfenden Wasserhahn. Und Teresa kocht Tee. Doch als in der Kneipe plötzlich eine Band zu spielen beginnt, wackeln auch bei dem alten Ehepaar die Wände. Und vollkommen unerwartet kommen sich die beiden wieder näher.

Eine einzigartige Technik führt zu einzigartigen Filmen

Filme wie "Jam Session" sind eine Seltenheit. Denn Regisseurin, Drehbuchautorin und Kamerafrau Izabela Plucinska wendet eine Technik an, die extrem zeitaufwändig ist und ein gewisses künstlerisches Geschick verlangt: Sie macht Knetanimationen oder auch Claymation-Filme (Hybridwort aus dem englischen clay (Ton, Lehm) und animation). Sie selbst sagt, dass man sehr viel Geduld haben muss, um aus einer Idee einen fertigen Film zu machen. Dafür fühlt man sich danach geradezu gottgleich, da man eine komplette Welt geschaffen hat.

Animation ist für sie wie Magie, denn jede Phantasie kann Wirklichkeit werden, Figuren, Gegenstände und sogar abstrakte Formen werden zum Leben erweckt. Hinzu kommt, so Placinska, dass Animation eine Kunstform ist, die Elemente der unterschiedlichsten Richtungen verbindet: Kunst, Malerei, Bildhauerei, Theater, Musik und Literatur. Beim Aufnahmeprozess kommen zudem Fotografie und Lichtdramaturgie ins Spiel.

Placinska zum Beispiel arbeitet bevorzugt mit Seitenlicht, um die Oberflächen besser herauszuarbeiten und das Metaphernhafte, das jeder einzelnen Skulptur innewohnt, zu intensivieren. Das ihr Konzept aufgeht, sieht man nicht nur an den zahlreichen Preisen, die sie gewonnen hat. Es ist auch die Detailverliebtheit, die ihre Filme ausmacht. Und die zeugt von einer unbedingten Leidenschaft für ihre Kunst.

Über Izabela Plucinska

Izabela Plucinska wurde 1974 im polnischen Kosza geboren. Bis zum Jahr 2000 studierte sie an der Kunsthochschule und an der Filmhochschule in Lódz. 2003 begann sie ein Studium an der Filmhochschule Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg. Ein Jahr später beendete sie das Studium mit ihrem Abschlussfilm "Jam Session", der beim Kurzfilmwettbewerb der Berlinale 2005 mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde - was nur einer von vielen weiteren Preisen werden sollte.
In Berlin gründete Plucinska ihre eigene Produktionsfirma "Clay Traces". 2009 hat sie ihr bislang größtes Projekt abgeschlossen, eine 25-minütige Adaption des beliebten deutschen Bilderbuchs "Esterhazy" von Irene Dische und Hans-Magnus Enzensberger. Ihr letzter animierter Knetfilm mit dem Titel "Josette und ihr Daddy“ ist eine Adaption von Eugène Ionesco. Im Moment arbeitet Plucinska in Berlin an einem Projekt mit dem Titel "Sex für Lustlose“. 


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