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Der Weg zum Filmfestival Tipps für Nachwuchsfilmemacher

Du bist junger Filmemacher und möchtest auf den ganz großen Filmfestivals deine Filme zeigen. Campus Cinema zeigt, wie es geht. Kathrin Metzner, Presse-Referentin beim Filmfest München und dem Filmschoolfest Munich gibt Tipps:

Von: Christian Wurzer fragt Kathrin Metzner vom Filmschoolfest Munich

Stand: 20.08.2016

Filmschoolfest  | Bild: © Felix Hörhager

1) Welches Festival passt zu meinem Film?

Es gibt unzählige Festivals. Wo du einreichst, hängt natürlich stark vom Film ab. Du solltest dich als Erstes kundig machen, worauf ein Festival spezialisiert ist und nicht einfach nach dem Gießkannenprinzip einreichen. Es kommt bei Festivals sehr schlecht an, wenn sie einen Film bekommen, der nicht den Vorgaben entspricht. Je mehr du die Intention der Festivalveranstalter triffst, desto wahrscheinlicher ist es, dass du genommen wirst. Das fängt bei der Unterscheidung zwischen Lang- und Kurzfilm an und geht bis zum Genre- oder Dokumentarfilm, Comedy, bis hin zum Splatter. Du glaubst gar nicht, für wie viele Nischen es Festivals gibt. Regularien spielen für die Einreichung eines Films bei einem Festival eine wichtige Rolle. Format, Untertitel, Länge, Produktionsjahr, Premierenstatus, all das sollte genau beachtet werden.

2) Kann ich gleich auch auf große Festivals gehen, oder muss ich mir erst einen Namen machen?

Logo von reelport | Bild: reelport.com zum Artikel Filme einreichen und scouten Wie bringe ich meinen Film auf Festivals?

Seinen Film bei jedem Festival einzeln einzureichen, kostet Zeit. Gut, dass es Portale gibt, bei denen man seinen Film hochladen und gleichzeitig auf vielen Festivals einreichen kann. Inklusive der Chance von Profis entdeckt zu werden. [mehr]

Hast du deinen ersten Kurzfilm gedreht und möchtest dich erst einmal ausprobieren, sind vielleicht zunächst kleinere Festivals wie zum Beispiel die bayerische JUFINALE (http://www.jufinale.de/startseite.html ) das Richtige für dich. Da geht es um Kurzfilme aus Bayern von jungen Filmemachern. Bist du schon Filmstudent kommen auch Festivals wie Sehsüchte in Potsdam (http://2016.sehsuechte.de/festival-2017/ ) oder das Filmschoolfest (http://www.filmschoolfest-munich.de/en ) in München in Frage, die sich auf Studentenfilme spezialisiert haben. Das Dok.fest München (https://www.dokfest-muenchen.de/ )  hat auch eine eigene Reihe dafür. Oft haben die Filmschulen eine Abteilung, die ihre Studenten bei der Entscheidung und Einreichung unterstützt. Es gibt Agenturen, wie Aug&Ohr (http://augohr.de/ ), die sich darauf spezialisiert haben. Die Recherche dahingehend kann wirklich zeitaufwändig und schwierig sein, ist aber das Allerwichtigste. Erfüllt ein Film alle Voraussetzungen, sollte man sich auch nicht scheuen, bei größeren Festivals einzureichen. Es gibt immer wieder Entdeckungen zu machen.

Eine Übersicht zum Beispiel der bayerischen Filmfestivals findet ihr hier:

http://www.filmfestivals-bayern.de/. Im Verband der Bayerischen Filmfestivals sind 19 Filmfestivals aus ganz Bayern zusammengeschlossen.

3) Helfen offizielle Empfehlungen, um auf ein Filmfest zu kommen oder besser Vitamin B? Wer ist für mich die beste Kontaktperson?

Es ist natürlich nie verkehrt zu wissen, wer der Ansprechpartner ist und wer die Filme für das Festival und die entsprechende Sektion aussucht. Manche Kuratoren schätzen den direkten Kontakt zu den Filmemachern. Letztendlich ist aber entscheidend, ob der Film den Regularien des Festivals entspricht und ob er in die Auswahl des jeweiligen Jahres passt. Bei manchen Filmpreisen und Festivals gibt es aber auch andere Dinge, die einen Einfluss haben können. Für den Student Academy Award (http://www.oscars.org/saa) z.B. gibt es eine Liste von Festivals; hat man da einen Preis gewonnen, steigen die Chancen für den „Studentenoscar“ in Frage zu kommen.

4) Wie vermarkte ich meinen Film: schon auf dem Festival oder erst hinterher?

Festivalgäste bei einer Filmbesprechung

Vor Ort sein und netzwerken! Wenn du auf einem Festival bist, solltest du alle Möglichkeiten, die es dir bietet, nutzen. Das heißt auf jeden Fall bei den Screenings vor Ort sein – es ist immer interessant zu sehen, wie das Publikum in verschiedenen Ländern reagiert. Oftmals gibt es Q&As nach dem Film oder im Publikum sitzt eine Person, der der Film gefallen hat und die danach auf einen zukommt.

5) Wo und wie kann ich auf dem Festival am besten Kontakte knüpfen: bei der Präsentation oder auf der Party hinterher, wenn es um Vermarktung geht?

ARRI-Workshop

Du solltest bei möglichst vielen Veranstaltungen teilnehmen – gibt es Workshops, Networking-Treffen oder auch Partys? Nicht schüchtern sein – deinen Film zu promoten,  bedeutet auch dich selbst zu promoten! Lerne die anderen Filmemacher, das Publikum, die Vertreter der Presse und der Branche, die vor Ort sind, lerne die Festivalmacher kennen. Auch bei uns beim Filmschoolfest wurden schon Filme verkauft oder es entstanden Freundschaften zwischen Filmemachern, die neue Projekte hervorbrachten. Und die Festivals selbst behalten gern ihre ‚Ehemaligen‘ im Blick, empfehlen die Filme für andere Festivals und laden die neuen Filme der Filmemacher ein.

6) Was ist relevant für die Pressearbeit rund um meinen Film und welches Material sollte ich zur Verfügung stellen?

Gute Stimmung im Kino

Es ist ganz einfach – umso mehr und besseres Material die Pressestelle zur Verfügung hat, umso einfacher ist es für sie einen Film in den Medien zu platzieren. Festivals und auch wir als Filmschoolfest schicken normalerweise sehr detaillierte Informationen darüber, was benötigt wird. Sie umfassen Fotomaterial, Bewegtbildmaterial und Texte. Man sollte beim Lesen der Texte sofort verstehen, um was es geht. Die Bilder und Filmausschnitte sollen Lust auf den Film - sollen neugierig machen. Es soll den Zuschauer helfen, sich zu entscheiden ein Ticket für deinen Film zu kaufen.

7) Brauche ich eine Pressemappe für meinen Film und wenn ja, was gehört hinein?

Stell dir vor, da drinnen läuft dein Film …

Neben kurzer und langer Inhaltsangabe vom Film fragen wir auch eine Kurzbiographie und eine Filmographie vom Regisseur an. Natürlich sollten alle Texte in einem korrekten Englisch vorliegen. Wichtig sind vollständige und korrekte Credits! Es ist wirklich zeitraubend, wenn man die erst noch recherchieren muss, und ärgerlich, wenn man feststellt, dass ein Name falschgeschrieben ist. Gut ist, wenn der Film neben dem Originaltitel auch einen internationalen (englischen) Titel hat.

Generell musst du kein Presseheft haben, aber wenn Zusatzinfos wie Produktionsnotizen, Regiestatement, eventuelle Altersfreigaben etc. vorliegen, kann das keinesfalls schaden.

8) Was ist bei der Bildauswahl zu beachten? Wie viele Fotos, welches  Bewegtbildmaterial reiche ich ein?

Ein Minimum an drei Fotos ist toll. Sie müssen ordentlich aufgelöst sein, nicht zu dunkel, nicht zu verpixelt. Schick außergewöhnliche, auch verrückte Motive, solche, an denen der Blick hängen bleibt. Bilder, die nur dein Film hat. Auch das Bewegtbildmaterial sollte hochaufgelöst sein. Wenn wir Berichterstattung im TV generieren, brauchen die oftmals schnell gutes Material und da wird genommen, was bereits vorliegt.

9) Brauch ich einen fertigen Trailer?

Wenn noch kein Trailer vorliegt, ist das ok. Allerdings: Wir binden Trailer zu Promotionszwecken auf der Website und in Sozialen Medien ein und zeigen sie auf der Pressekonferenz. Auch ein Teaser oder ein kurzer geeigneter Ausschnitt können einen Eindruck hinterlassen.

10) Stichwort Social Media und eigene Homepage …

Preisträger 2015

Das Thema Online ist für jedes Festival sehr wichtig. Du musst nicht für jeden Kurzfilm eigene Websites oder Social Media Kanäle einrichten. Ich empfehle Filmemachern vielmehr eine eigene Website oder einen Blog zu haben - dort kann man sich selbst mit Foto, Biographie und Filmographie präsentieren. Hier kann man für jeden Film eine eigene Unterseite mit ausführlichen Infos bestücken. Das macht es uns als Festival einfach, kompakt an Informationen zu kommen.

11) Gibt es Internet-Plattformen, die ich bedienen muss?

In Sachen Social Media ist Facebook derzeit Pflicht. Auch hier kann es die Seite von Regisseur und/oder Produktionsfirma sein. Weitere Kanäle schaden nicht, vorausgesetzt sie werden regelmäßig bestückt und gepflegt.

Transmedia Workshop

Schick uns am besten eine Linkliste! Auf welchen Websites ist der Film ausführlich dargestellt? Das kann auch der Onlinekatalog der Filmschule oder eines Filminstituts sein. Steht der Trailer auf Youtube oder Vimeo? Von diesen Kanälen ist es am einfachsten Trailer einzubinden. Was sind die Social Media Kanäle von Film, Produktionsfirma, Filmemacher…? Gibt es ein @ und offiziellen # können wir schon wieder ganz anders kommunizieren und den Film einbinden.

Andersherum ist es natürlich auch für dich als Filmemacher gut zu wissen, auf welchen Kanälen das Festival unterwegs ist und welche Hashtags es nutzt. Als wichtigste Kanäle nutzen wir Facebook und twitter, sind aber auch auf instagram und youtube. Jedes Festival ist dankbar, wenn Teilnehmer über ihren Aufenthalt berichten und retweetet, teilt, und liket es gern. Auch das erzeugt Aufmerksamkeit und Reichweite.

12) Wie promote ich meinen Film auf dem Festival? Flyer…

Komm mit Leuten ins Gespräch. Hab den Film auf DVD oder auf einem USB Stick dabei - so kannst du ihn schnell an einen Pressevertreter, der den Film verpasst hat oder an einen interessierten Redakteur weitergeben. Oder ein TV-Team kann doch noch kurzfristig Ausschnitte für die Berichterstattung clippen. Leg Visitenkarten oder Flyer mit Kontaktinfos aus und bring gern Poster für die Kinos und fürs Festivalzentrum mit.

BR-Fernsehinterview

Steh für alle eventuellen Anfragen zur Verfügung. Wir verschicken zum Beispiel schon vorm Festival einen kurzen Fragenkatalog an unsere Teilnehmer und eine Bitte um Behind-the-scenes-Material, um Film und Filmemacher auch online zu portraitieren und vorzustellen. Wer nichts schickt, kommt nicht online.

Sei nicht schüchtern gegenüber Interviewanfragen! Als Regisseur stehst du früher oder später im Licht der Öffentlichkeit und das Festivalteam hilft bei Unsicherheiten gern weiter.

13) Ein letzter Tipp?

Filmhochschule München

Kenn deine Unique Selling Points! Auf Festivals stehst du nicht nur in Konkurrenz um Preise, sondern auch um Aufmerksamkeit. Sei dir daher deiner Stärken und die deines Films bewusst und stell sie heraus. So ist es auch für ein Festival einfacher einen Film zu kommunizieren. Hat der Film bereits Auszeichnungen erhalten? Spielen bekannte Darsteller mit? Behandelt er ein aktuelles Thema, was gerade in den Medien ist? Gibt es regionale Anbindungen zum Festival, wo der Film präsentiert wird? Aber vergiss nicht - es geht nicht um Protzen, sondern um Verkaufen!

Danke für das Gespräch

Kathrin Metzner

ist Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für das Internationale Filmfest München und das Filmschoolfest Munich. Zuvor studierte sie Theaterwissenschaft, Germanistik und Amerikanistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München und arbeitete frei für verschiedene Filmproduktionen, Theater und Festivals.

Übrigens: Das 36. Filmschoolfest Munich läuft vom 13.11. bis 19.11.2016.


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