ARD-alpha - Campus


29

"Martha" von Sophie Averkamp Gottverlassen in der Kirche

Martha wollte sich in der Landkapelle nur ausruhen, ist aber eingeschlafen und vergessen worden. Das Kirchenportal ist verschlossen. Martha ist auf sich gestellt und auf ihren Glauben. Preisgekrönter Kurzfilm von Sophie Averkamp.

Von: Christian Wurzer

Stand: 20.08.2015

Martha mit Kerze | Bild: Copyright: Rebecca Meining

Martha sitzt auf einem Hocker und starrt an die hölzerne Kirchentür. Sie ist vergessen worden – in einer Landkapelle. Nun sitzt sie dort fest. Die schwere Pforte versperrt, Martha in der Kirche - hinter Schloss und Riegel. Nach der langen Wanderung des Tages hat sie Hunger und schlimmer noch, auch Durst. Ihre Brotzeit hatte sie schon längst aufgegessen. Die Wasserflasche ist leer. Die Fenster der Kapelle, sie sind unerreichbar hoch. An ein Herauskommen ohne fremde Hilfe ist nicht zu denken. Sie weiß nicht, wann der Pfarrer wiederkommt, der sie in der abseits gelegenen Landkapelle versehentlich eingesperrt hatte, als sie schlief.

Die Regiearbeit von Sophie Averkamp

Sophie Averkamp führte 2013 Regie für den Kurzfilm "Martha". Er ist ihr erster Film, den sie an der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF) realisierte, also ein sogenannter Film 01. "Martha" erzählt die Geschichte einer 60-jährigen Frau in Einsamkeit, an einem Ort, der für die gläubige Martha aber gar nicht gottverlassen ist. In der Kapelle ist Martha mit sich selbst konfrontiert und mit ihrem Glauben.

"Meine Autorin Anja Scharf und mich hat interessiert, wie sich ein Mensch in einer Extremsituation verhält. Mit der Biografie von Martha kam uns die Idee, die Geschichte in einer Kapelle zu erzählen. Dieser sakrale Ort gab uns die Gelegenheit un/überwindbare Hindernisse für Martha zu schaffen."

Sophie Averkamp

Die Kameraarbeit von Rebecca Meining

Die Kamera führt Rebecca Meining, Filmstudentin an der HFF München. Zusammen mit ihr entwickelt Averkamp eine intensive Filmsprache, inspiriert am markanten Gesicht und dem eindeutigen Spiel von Marie Gruber. Mal erscheint Martha als kluge Herrin der Lage: Sie wägt ab, sucht Wege in die Freiheit. Dann wieder wirkt sie wie eine verschreckte, schwache Frau, dem Schicksal des Verhungerns und Verdurstens ausgeliefert.

"Wichtig war uns auch in der Kameraarbeit Marthas innerliche Hindernisse visuell zu veräußerlichen. Die Kapelle als Ort, in welchem gewisse Verhaltensweisen erwartet werden, bot sich daher an, um die Entwicklung von Martha zu ihrem eigenen Bild des Glaubens wider die konventionellen Erwartungen zu zeigen, mittels der extremen Erfahrung des Eingesperrtseins."

Sophie Averkamp

Die Schauspielerin Marie Gruber

Marie Gruber spielt überzeugend die fromme Frau Martha, die nach einer Nacht in der Kapelle ratlos ist, der nur noch bleibt in Bitten und im Gebet zu versinken. Nach einem Tag und zwei Nächten eingesperrt in der Kapelle führen sie Hunger und Durst an die Grenzen ihrer eigenen Frömmigkeit: Vor Hunger die Hostien aus dem Tabernakel essen und vor Durst das Weihwasser trinken? Was tun? Niemand ist da, nur dieser Gott und draußen hinter der verschlossenen Kirchentür das, was Martha bisher als ihr Leben kannte.

Marie Gruber wurde bekannt mit "Go Trabbi Go" an der Seite von Wolfgang Stumph. Sie spielte in vielen TV-Serien mit, darunter die Kriminalserie "Polizeiruf 110". Die Schauspielerin spielte mit in Kinofilmen wie "Das Leben der Anderen", ausgezeichnet 2006 mit dem Oscar, und der internationalen Produktion "Der Vorleser".

Der Kurzfilm "Martha" wurde 2014 auf dem Internationalen Kurzfilmfestival in Ingolstadt mit dem 20min I max-Preis ausgezeichnet.

Wie der Film "Martha" entstand

Im Gespräch mit Leonie Stade erzählt Sophie Averkamp, wie sie zum Filmstoff für ihren Erstfilm an der HFF fand, die Dramaturgie entwickelte und auf den Drehort, eine einsame Landkapelle, kam. Sie erzählt, wie ihr Film 01 "Martha" entstanden ist.


29