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37. Filmschoolfest Munich-Eröffnung Watch me if you can

Treffpunkt für die Regie-Stars von morgen. Das Internationale Festival der Filmhochschulen in München gehört zu den wichtigsten Nachwuchsfestivals. Vom 19. - 25. November haben junge Regietalente aus der ganzen Welt die Möglichkeit, ihre Werke zu zeigen.

Von: Friederike Kühn

Stand: 26.11.2017

FilmSchoolFest Munich | Bild: FilmSchoolFest Munich

44 Kurzfilme von Filmhochschülern aus 17 Ländern aus den Bereichen Spielfilm, Dokumentarfilm, Animation- und Experimentalfilm hat die Jury dieses Jahr ausgewählt. Erstlingswerke der Stars von morgen. International bekannte Filmemacher haben beim Filmschoolfest Munich in der Vergangenheit auf sich aufmerksam gemacht: Florian Henckel von Donnersmarck, Lars von Tier, Thomas Vinterberg, Charlotte Link oder auch Susanne Bier. Viele der Filmemacher werden anwesend sein, um sich mit dem Publikum und untereinander über ihre Arbeit auszutauschen. Die Atmosphäre ist persönlicher als auf dem Filmfest, dem „Großen Bruder“ des Filmhochschulfestivals, so Organisatorin Diana Iljine, die auch das Münchner Filmfest leitet.

"Ganz viel Herz von mir geht in dieses Studentenfestival. Viele zeigen zum ersten Mal einen Film von sich vor großem Publikum. Diese Aufregung und Begeisterung der jungen Filmemacher, die ist toll. Da springt der Funke über."

Diane Iljine, Leiterin des Filmschoolfests Munich und des Münchner Filmfests

Am Sonntag (19.11.) findet die Eröffnung in der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) vor ausgewähltem Publikum statt. „Campus Cinema“ stellt Euch die Eröffnungsfilme vor:

ERÖFFNUNGSFILME

Auch die HFF München ist natürlich beim Festival vertreten, mit zwei Arbeiten. „Pan“, einem Spielfilm, und „Find Fix Finish“, einem Dokumentarfilm, der Einblicke in die Arbeit amerikanischer Drohnenpiloten gibt.

Find Fix Finish


Regie: Sylvain Cruiziat, Mila Zhlutenko, Dokumentarfilm, HFF München, Deutschland 2017

Wie ist es, das Leben der anderen aus der Vogelperspektive zu beobachten, jeden Tag, weit weg und doch so nah? Von ihrer beruflichen Routine, ihrem Alltag, erzählen drei US-Drohnenpiloten, während die Kamera aus Drohnen-Perspektive auf breite Cinemascope-Szenarien blickt.

Leben, das jederzeit ausgelöscht werden kann. „Man hört auf, die Menschen auf dem Bildschirm als Menschen wahrzunehmen. Anders würde man es nicht verkraften“, beschreibt eine der Pilotinnnen die Art, mit diesem Job fertig zu werden. Denn irgendwann kommt der Befehl zum Töten: Find, Fix, Finish! Anonym, per Knopfdruck und meilenweit vom Tatort entfernt.

Nicht nur Themen wie Krieg, Gewalt, Flucht oder Migration stehen dieses Jahr im Zentrum des Festivals. Viele Filmemacher erzählen Familiengeschichten – von der Auseinandersetzung zwischen Verwandten, Vätern, Müttern und ihren Söhnen und Töchtern wie der Spielfilm des brasilianischen Filmstudenten Lucas Piloto.

WELCOME!


Regie: Lucas Piloto, Spielfilm, School of Communication and Arts, University of São Paulo, Brasilien 2017

Es ist Muttertag. Eine Großfamilie trifft sich zum festlichen Mittagessen. João, das sechs Monate alte Baby und jüngste Familienmitglied, verweigert das Essen. Kein Wunder: Bei den Konflikten, die unter der Oberfläche brodeln und sich langsam oder ganz abrupt Bahn brechen, kann einem der Appetit schon mal vergehen. Lucas Piloto erzählt seine Geschichte konsequent aus der Perspektive des Babys. Der Blick des unschuldigen Kindes entlarvt die Abgründe, die sich zwischen den Erwachsenen auftun.

Auch außerhalb der Familie kann in einem festen sozialen Gefüge schnell zum Außenseiter werden, wer aus der Reihe tanzt, wenn auch nur scheinbar. Davon handelt der Spielfilm des Niederländers Joren Molters.

GREETINGS FROM KROPSDAM


Regie: Joren Molter, Spielfilm, Netherlands Film Academy (NFA), Niederlande 2016

Lammert würde keiner Fliege was zuleide tun. Er lebt mit seinen Tauben glücklich im Dorf Kropsdam. Sein friedliches Leben endet, als er verdächtigt wird, einen Deal mit dem Energiekonzern Green Now geschlossen zu haben, der Windräder in Kropsdam aufstellen will. Für die Dorfbewohner eine Verschandelung ihrer Landschaft. Lammert ignoriert die Anfeindungen der Dorfgemeinschaft, bis sie umschlägt in rohe Gewalt.

Meet the Filmmakers: GREETINGS FROM KROPSDAM
Regisseur Joren Molter im Vorab-Interview

In der Kategorie Animationsfilm entführt ein Beitrag der Filmuniversität Babelsberg die Zuschauer in die Welt von Tausend und einer Nacht:

BABA & SOHN - IM HAMAM
Regie: Deniz Zagli, Animationsfilm, Filmuniversität Babelsberg, Deutschland 2016

Erotisches Erwachen: Der Sohn beginnt sich fürs andere Geschlecht zu interessieren. Zu früh, findet der Vater. Und weil das Internet sowieso ein ganz schlechter Lehrmeister in Sachen Sinnlichkeit ist, nimmt er seinen Spross mit ins türkische Bad, um ihn auf andere Gedanken zu bringen. Im Hamam kümmern sich die Männer eher unerotisch um ihr leibliches Wohlergehen. Kein Wunder, dass Blick und Fantasie des Sohns aus einem Fenster wandern, in Richtung eines anderen, verführerisch lockenden Badetrakts, wo die Farben warm, die Musik süß und die nackten Körper weiblich sind.

Das komplette Programm :

Was läuft wann?

FILM SCHOOL LECTURES

Beim Studentenfilmfestival kommt man schnell miteinander ins Gespräch. So entstehen oft wertvolle Kontakte. Auch etablierte Filmemacher und Produzenten sind vor Ort. Gelegenheit zum Austausch bieten auch die „Film School Lectures“ – an vier Vormittagen jeweils um 11 Uhr in der HFF München, Bernd-Eichinger-Platz 1. Eintritt frei.

21.11: 50 Jahre HFF München.

Die Hochschule für Fernsehen und Film München präsentiert sich mit einem Rückblick auf die vergangenen 50 Jahre.

22.11: „Student Oscar – and what now?“
Diskussion über die Zukunftsperspektiven für Filmstudenten mit den Studenten-Oscar-Gewinnern Florian Gallenberger („Quiero ser“, 2001) und Axel Schaad („Invention of Trust“, 2016), den Produzenten Martin Moszkowicz (Constantin Film) und Max Wiedemann (Wiedemann & Berg Film, u.a. Oscar für „Das Leben der Anderen“) u.a.

23.11: Trixter-Gründer und HFF-Professor Michael Coldeway und seine Gäste geben Einblicke in VFX, Visual Effects.

24.11: Meet the Jury: Gelegenheit den Schauspieler und Jurypräsidenten Götz Otto und die Festivaljury näher kennenzulernen. Götz Otto ist bekannt für Filme wie DER UNTERGANG, IRON SKY oder JAMES BOND 007 - DER MORGEN STRIBT NIE. Er spielte und spielt in zahlreichen deutschen und internationalen Film- und Fernsehproduktionen.

PREISE/AWARDS

Am Ende werden die besten Filme von der fünfköpfigen Jury prämiert. Für die jungen Filmemacher nicht nur eine Ehre, sondern auch eine finanzielle Unterstützung, die sie gut gebrauchen können. Ganze 70.000 Euro sind dieses Jahr im Topf. Prämiert wird in unterschiedlichen Kategorien wie bester Film, bester Dokumentarfilm, bestes Drehbuch, beste Animation. Es gibt auch einen Publikumspreis.

Magazin zum Filmschoolfest München 2017 Format: PDF Größe: 2,8 MB

25.11. Die Preisträger stehen nun fest.

Der Hauptpreis geht an Sinje Köhler für ihren Film "Freibadsinfonie". Der Film war in diesem Jahr auch für den Studenten-Oscar nominiert. Sinje Köhler studiert an der Filmakademie Baden-Württemberg und arbeitet gerade an ihrem Abschlussfilm.

Preisverleihung | Bild: Friederike Kühn/ARD-alpha zum Artikel 37. Filmschoolfest Munich The Winner is...

Am Samstag Abend fand die Preisverleihung in der HFF, der Hochschule für Fernsehen und Film statt. Vergeben wurden Preise in 13 Kategorien. Der Hauptpreis ging an den deutschen Film „Freibadsinfonie“ von Sinje Köhler, Studentin der Filmakademie Baden-Württemberg. [mehr]

Mehr dazu am Donnerstag um 19h im Campus Magazin. Wir sprechen mit Sinje Köhler, die mit „Freibadsinfonie“ in diesem Jahr den Hauptpreis beim Filmschoolfest Munich gewonnen hat. "Freibadsinfonie" war auch für den Studenten-Oscar 2017 nominiert. Campus Cinema spricht mit ihr über Erfolg und Misserfolg beim Filmemachen. Wir fragen Jurymitglied Anna Cazenave Cambet, die 2016 mit ihrem Kurzfilm "Gabber Lover" auf dem Filmschoolfest den "Young Talent Award" gewonnen hat, was sich seit dem Preis für sie verändert hat. Außerdem treffen wir Regisseurin Tini Tüllmann. Trotz etlicher Publikumspreise für ihr Spielfilmdebüt, den Thriller "Freddy/Eddy", hat sie noch immer keinen Verleih gefunden. Wir fragen nach: Gibt es ein Rezept für den Erfolg im Filmbusiness?


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