ARD-alpha - Campus


10

"Brachycera" von Alina Cyranek Die Bedrohung in unseren Köpfen

In einer kleinen Hütte bastelt ein Mädchen an Flügeln für ihr Engelskostüm. Draußen nähert sich jedoch mit einem Getöse etwas Geheimnisvolles und Bedrohliches.

Von: Christian Wurzer

Stand: 13.08.2015

Sophia Richter in "Brachycera" | Bild: Alina Ceranek

Der mehrfach ausgezeichnete Kurzfilm von Alina Cyranek ist voller Kontraste. Über sechs Minuten scheinen Sounddesign und Visualisierung miteinander zu verschmelzen. Der Film manipuliert den Zuschauer.

FILMGESPRÄCH

Frau Cyranek, wie ist der Film "Brachycera" entstanden und unter welchen Vorgaben?

Vor einigen Jahren gab es den "Wellenreiter" - Förderpreis für den kreativen Umgang mit Sound im Kurzfilm, ausgeschrieben vom Europäischen Zentrum der Künste Hellerau, dem Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanal Dresden (SAEK) und dem Filmfest Dresden. 2007 habe ich ihn für das Konzept von BRACHYCERA bekommen. Der Preis beinhaltete u.a. eine fachliche Betreuung und Beratung bei der Produktion, insbesondere der Audioproduktion.

Wie sind Sie auf dieses Thema gekommen? Ein Kind in einem Film, in dem Sie eigentlich so etwas wie Schrecken zeigen wollten?

Sophia Richter in "Brachycera"

Ich schaue einfach gerne alte Krimis, wo Schatten und Musik noch eine große Rolle spielten. Durch die Vorgabe der Ausschreibung, dass das Sounddesign im Fokus stehen sollte, wollte ich zwar keinen Krimi erzählen, aber den Sound so einsetzen, dass beim Zuschauer das Kopfkino einsetzt. Wir fühlen etwas, was gar nicht zu sehen ist. Der Sound und der Schnitt suggerieren eine Bedrohung, etwas Unheimliches, das aber eigentlich nur in unseren Köpfen geschafften wird.

Warum heißt der Film "Brachycera" und nicht einfach "Fliege"?

Ach, das ist die Schwierigkeit mit der Titelfindung. Das ist mitunter das Schwierigste am Filmemachen. Ich fand, dass "Fliege" das Ende schon vorhersagen würde, "Brachycera" dagegen bleibt mysteriös. Und veranlasst vielleicht den einen oder den anderen, sein Kleines Latinum hervorzukramen.

Wie entsteht "Horror", "Unheimliches" für Sie in einem Film? Nur durch Geräusche?

Der Horror kann viele Formen annehmen, und es gibt viele Möglichkeiten, Unheimliches künstlerisch umzusetzen: Licht und Schatten, lange Einstellungen, besondere Kameraperspektiven, völlige Stille oder hörbares Atmen.

Wie ist es, mit Kindern als Schauspieler im Film zu arbeiten?

Mit Sophia hatten wir unheimliches Glück. Sie konnte sich von Anfang an gut in die Rolle einfühlen und war immer auf den Punkt bereit. Es half natürlich, dass sie schon etwas Bühnenerfahrung durchs Tanzen und Singen hatte. Für ihre zehn Jahre war sie sehr professionell und es war äußerst angenehm mit ihr zu arbeiten. Bei den Pausen haben wir allerdings auch immer versucht, sie glücklich zu machen: mit Pizza, Softdrinks und Süßigkeiten. Hat prima geklappt.

Frau Cyranek, danke für das Gespräch.

Cast

  • Engel: Sophia Richter
  • Produced and directed by Alina Cyranek
  • Cinematography by Bernhard Rostoski
  • Written by Alina Cyranek and Hans Bauer
  • Edited and Sound Design by Hans Bauer

Festivals/ Präsentationen Auswahl

  • 2007 - ‚wellenreiter’ – Sponsorship Award for the film concept ‚Brachycera’
  • 2008 - Filmfest Dresden, European Centre of Arts Hellerau, saek
  • 2008 - 2. Jury Award at the Klotzsche Film Autumn
  • 2009 -  part of the exhibition She’s Vision - 2009 International Contemporary Female Artists Exhibition in Chongqing, China
  • 2010 - part of the exhibition 100206 Artists' Exhibition at the Don Gallery in Shanghai, China
  • 2010 - currently a part of the exhibition International Women Artists Exhibition in Chengdu, China

Szenen- und Setfotos aus "Brachycera"


10