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Campus Cinema // "Gruppenfoto" von Mareille Klein Wann ist man eigentlich wirklich erwachsen?

Verantwortung für die Eltern übernehmen: Manche Kinder müssen das früher als andere. So wie die gerade mal zehn Jahre alte Clara. Campus Cinema zeigt einen außergewöhnlichen Kurzfilm von HFF-Absolventin Mareille Klein.

Stand: 22.08.2017

Filmszene aus "Gruppenfoto" | Bild: BR/Mareille Klein/HFF

Erwachsenwerden ist keine leichte Aufgabe. Für Kinder nicht - und manchmal auch für die Eltern nicht. Clara (Felicitas Schurig) muss das schon sehr früh lernen. Denn ihr Vater (Peter Schneider) ist Alkoholiker. Und allmählich begreift die Zehnjährige, dass auch andere sein seltsames Verhalten bemerken. Als er sie zu einem Schulkonzert begleitet, möchte Clara die Veranstaltung so schnell wie möglich hinter sich bringen. Ihr Vater hingegen möchte, dass Clara ihren großen Moment genießt, auch wenn er alles andere als reibungslos verläuft. Langsam aber sicher kippt die Situation – und Clara merkt, dass sie nicht die einzige ist, die sich hilflos fühlt.

"Ich hatte im weiteren Familienkreis eine alkoholkranke Person, die die Geschichte inspiriert hat. Es war mir auch wichtig, dass man die Figur des Vaters mag, dass er nicht einfach nur ein Antagonist ist oder nur unsympathisch. Der Zuschauer soll verstehen, das Klara ihn als Tochter auch liebt."

(Mareille Klein über ihr Spielfilmdebüt ‚Gruppenfoto‘)

"Gruppenfoto" ist der erste Kurzfilm von Mareille Klein. In dem 20-minütigen Drama beschreibt die Absolventin der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film eine Geschichte, die sich so oder ähnlich fast überall abspielen könnte. Ohne anzuklagen oder für eine Person Partei zu ergreifen nähert sie sich dem schwierigen Thema Alkoholsucht behutsam an und legt das angespannte Familienverhältnis Schritt für Schritt offen. 2013 hat Mareille Klein für "Gruppenfoto" den renommierten Max Ophüls Preis in der Kategorie 'Bester Kurzfilm' gewonnen. Das Goethe Institut bietet Unterrichtsmaterial zu dem 2012 entstandenen Kurzfilm an.

Im Gespräch mit Campus Cinema-Moderator Florian Kummert erzählt Mareille Klein von den Drehbedingungen, von der Suche der idealen Darsteller und den Besonderheiten der Schauspielführung. Außerdem erzählt sie von der Herausforderung, mit einem Kind in der Hauptrolle zu drehen.

Über Mareille Klein

Mareille Klein kommt eigentlich aus dem Dokumentarfilmbereich. Bevor sie 2004 an der Münchner HFF das Studium Dokumentarfilm/Regie begonnen hat, arbeitete die gebürtige Kölnerin als Autorin und Regisseurin in Berlin. Für die ARD realisierte sie in dieser Zeit die beiden Dokufeatures "Tod vor der Geburt" (2002) und "Liebe tut weh" (2004). Parallel studierte sie an der Freien Universität Berlin Soziologie und Ethnologie.

Mit Beginn ihres Studiums in München machte Klein zunehmend Erfahrungen im Bereich Spielfilm. Dennoch dauerte es ein paar Jahre, bis sie 2012 mit "Gruppenfoto" ihren ersten fiktiven Kurzfilm realisierte. Zuvor drehte sie gemeinsam mit HFF-Kommilitonin Julie Kreuzer die 45-minütige Doku "Der Cousin" (2008) und die dokumentarische Provinzposse "Auf Teufel komm raus" (2010).

Aber egal, ob Doku oder Spielfilm: Was man Kleins Arbeiten anmerkt, ist die aufrichtige Suche nach etwas Realem. Das macht ihre Filme nicht nur greifbar, sondern auch besonders intensiv. Mit ihrem ersten abendfüllenden Spielfilm "Dinky Sinky" hat sie dieses außergewöhnliche Talent wieder aufs Neue bewiesen. Das Drama handelt von einer Frau Mitte 30, die ihren Kinderwunsch unbedingt erfüllen will. Beim Filmfest München 2016 wurde der Film gleich zweimal ausgezeichnet: mit dem Förderpreis Neues Deutsches Kino in der Kategorie Drehbuch sowie dem Fipresci Preis vom internationalen Verband der Filmkritik.


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