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Chinesen an deutschen Unis Zwischen Deutschland-Hype und Heimweh

Chinesen erhoffen sich viel von einem Studium in Deutschland: Insgesamt 30.000 Chinesen büffeln zur Zeit an den Unis in der gesamten Bundesrepublik. Sie sind damit die größte Gruppe der ausländischen Studierenden im Land. Deutsches Know-How und der Lebensstil hier ziehen sie an, doch nach dem Studium wollen viele wieder zurück nach China. Was bringen die vielen Chinesen unseren Unis? Sind das nur Streber, die in der ersten Reihe sitzen und unser Wissen abgreifen wollen?

Von: Julia Mumelter

Stand: 22.11.2017

Anfang Oktober, während viele andere Studierende noch im Urlaub sind, sitzen rund 60 ausländische Studierende der TU München schon im Studienvorbereitungskurs und lernen deutsch. In diesem Jahr gibt es in der Bundesrepublik so viele ausländische Studierende wie noch nie zuvor. In der Regel haben sie viel dafür getan, dass sie es bis an die deutschen Unis geschafft haben und jetzt sind sie hier und hochmotiviert, das Beste aus ihrem Studium in Deutschland zu machen.

Xiao Lin Gong ist eine von ihnen. Sie ist 23 Jahre alt und kommt aus China. Für ihr englischsprachiges Studium zu Transportsystemen an der TU München ist sie zum ersten Mal so weit von zu Hause weg. Daheim in China sind ihre Familie und ihre Freunde stolz, dass sie es so weit gebracht hat. Hier in München stößt sie im Deutschkurs erst mal an ihre Grenzen.

"Ich weiß auch nicht. Normalerweise lerne ich alles sehr schnell und es fällt mir leicht, aber mit Deutsch habe ich große Schwierigkeiten."

Xiao Lin Gong, Studentin für Transportsysteme an der TU München

Der Leistungsdruck ist in China besonders groß. In einem Land mit über einer Milliarde Einwohner muss jeder schauen, wo er bleibt, erklärt Chiu Lin Tseng. Sie kommt ursprünglich aus Taiwan, lebt seit 14 Jahren schon in Deutschland und koordiniert an der TU München die Studienvorbereitungskurse für ausländische Studierende.

"Die Konkurrenz in China ist sehr stark. Jeder möchte das Beste leisten. Vor der Familie, vor dem Staat möchte man immer das Beste leisten und was schaffen."

Chiu Lin Tseng (lebt seit 14 Jahren in Deutschland und koordiniert die Studienvorbereitungskurse)

Wenn Xiao Lin nicht lernt, verbringt sie ihre Zeit mit Freunden. Noch kennt sie nicht so viele Deutsche, deswegen ist sie viel mit ihren chinesischen Freunden unterwegs. Das gemeinsame Kochen hilft, das Heimweh zu vergessen. Aus China hat sie ihren Reiskocher mitgebracht. Der darf in ihrem Haushalt auch hier in Deutschland nicht fehlen.

Doch Xiao Lin vermisst nicht alles an China. Der Lebensstil in München gefällt ihr sehr gut und es fällt ihr nicht schwer, sich daran zu gewöhnen.

"Daheim in China zählt jede Minute. Es ist alles so hektisch. Hier in München genießen die Leute das Leben, hier haben sie irgendwie weniger Druck." Xiao Lin Gong, Studentin für Transportsysteme an der TU München

Trotzdem denkt Xiao Lin nach ihren ersten Wochen im Ausland daran, irgendwann wieder zurück nach China zu gehen. Ihre Familie ist dort und die hat für sie einen großen Stellenwert. So wie sie sehen das auch viele ihrer chinesischen Kommilitonen. Mit einem deutschen Studienabschluss sind sie außerdem auf dem chinesischen Arbeitsmarkt sehr begehrt.

Für den deutschen Staat, den das Studium viel kostet, wäre es besser, sie würden bleiben. Laut einer Studie des DAAD, müssten 30 Prozent der ausländischen Absolventen mindestens fünf Jahre lang im Land bleiben, damit sich die Investition für den deutschen Staat rechnet.

Für die Gruppe der chinesischen Studierenden gibt es keine genauen Zahlen. Aber: Von allen ausländischen Studierenden bleibt momentan nur jeder vierte. Damit es mehr werden, müssten Politik, Wissenschaft und Wirtschaft die Rahmenbedingungen attraktiver gestalten.

Doch auch wenn sich die Kosten im Moment noch nicht ausgleichen, bringen die ausländischen Studierenden auch jetzt schon einen akademischen Mehrwert für die Unis. Zudem machen sie die deutsche Unilandschaft internationaler und sie sind nach ihrer Rückkehr in ihre Heimatländer Botschafter für deutsche Werte und deutsches Wissen.

"Wenn ein Chinese, der mal in Deutschland gelebt hat, wieder nach China zurück geht, wird er immer sagen, dass Deutschland viele Vorzüge hat. Er wird die positiven Sachen mitnehmen. Ich denke, dass das sehr positiv für den Austausch zwischen China und Deutschland sein sollte."

Jingyao Su, 24, Student der Raumfahrttechnik, TU München


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