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Gemeinschaft auf Zeit Leben im Studentenwohnheim

Studentenwohnheim – ist das was für mich? Günstig wohnen in super Lage, und das in einer beliebten Unistadt wie München. Klingt nach Jackpot! Doch was bedeutet es eigentlich, im Wohnheim zu leben? Campus Magazin geht dieser Frage nach und begleitet Martin in das Roncalli-Kolleg, einem besonderen Wohnheim in München.

Von: Martin Hardung

Stand: 08.07.2019

Das Roncalli Kolleg – benannt nach einem Papst

Das Roncalli-Kolleg, ein Wohnheim mit 124 Zimmer, organisiert in 12er WG’s mitten in München - auf den ersten Blick ein normales Studentenwohnheim: die Studierenden teilen sich bis aufs Zimmer fast alles - von den Duschen bis zum Kühlschrank, vom Billardtisch bis zu den Musikinstrumenten. Das Besondere hier sind aber die vielen Arbeitskreise und das vielseitige Engagement der Studierenden: zum Beispiel für Internet, Fitness, Radl-Werkstatt, Slackline, Platteln, Bierbrauen, Band und sogar Surfen im Eisbach an der Isar – alles selbst organisiert. Es wurde 1970 für die damals neu gegründete Hochschule München gebaut und ist Mitglied im Bundesverband Katholischer Studentenwohnheime e.V.. Seinen Namen erhielt das Kolleg zum Gedenken an Papst Johannes XXIII, der mit bürgerlichem Namen Angelo Giuseppe Roncalli hieß – der Papst, der das reformreiche II. Vatikanische Konzil 1962 einberufen hatte. Worauf kommt es hier an, damit alles gemeinschaftlich so gut funktioniert?

Leben im Studentenwohnheim = Chaos?

Zwölf Leute, eine Küche, ein Bad. Wie funktioniert das? Wer in einem Wohnheim ein Zimmer ergattern kann, der lernt sich einzuschränken: Die Zimmer sind klein und oft hellhörig, Menschen mit unterschiedlichen Schmerzgrenzen im Blick auf Ordnung, Sauberkeit und Lärm leben unter einem Dach und die Wohnheimleitung bestimmt, mit wem man zusammenlebt. Sind da die Konflikte nicht programmiert?

Martin und sein Mitbewohner Pooya beim gemeinsamen Küchendienst

Laut einer Umfrage des Studentenwerks München zur Wohnzufriedenheit wird tatsächlich die Sauberkeit in vielen Wohnheimen bemängelt, besonders in den Gemeinschaftsräumen und teilweise auch in den gesamten Wohnanlagen. Es ist der Punkt, der die Studierenden am meisten nervt.

Im Roncalli-Kolleg, einem Wohnheim mit 12er WGs, versucht man, das Problem pragmatisch anzugehen und zwar mit Küchenplänen, die die Studierenden selbst aufstellen. Für Martin nicht nur lästige Pflicht, sondern auch eine gute Gelegenheit, mit einem Mitbewohner ausgiebig zu quatschen.

"Es sind immer zwei Leute pro Woche im Küchen-Dienst und die sollten zumindest schauen, dass der Mülleimer ausgeleert ist und sollten ein bisschen auf das Geschirr achten, dass man nicht darin ertrinkt. Das ist aber nicht das Wahnsinns-Ding."

(Martin)

Leben im Studentenwohnheim = Community?   

Martin probt im „Arbeitskreis Band“ mit anderen Bewohnern für das Sommerfest

Doch das Wohnheim-Leben besteht ja zum Glück nicht nur aus Küchenplänen und Mülldienst. Und der Austausch passiert nicht nur beim Küchendienst. Beim Roncalli-Kolleg gehört das Gemeinschaftsleben zum Grundkonzept: Gemeinsame Interessen und Hobbies, zusammen aktiv sein, das verbindet. Aus diesem Verständnis heraus wird hier die Tradition von „Arbeitskreisen“ gepflegt. Arbeitskreise? In der Freizeit? Was eher anstrengend klingt, sind hier coole Freizeitangebote. Nicht von Externen, sondern von den Bewohnern selbst organisiert: Martin zum Beispiel hat Erfahrung mit einer eigenen Band, also organisiert er den Arbeitskreis (AK) Band, ein passionierter Surfer kümmert sich um den AK Surfen, dasselbe gilt für Arbeitskreise wie Tanzen, Billard, Klettern, Fußball, Boxen und Selbstverteidigung und weitere Sportarten und Freizeitbeschäftigungen von Bierbrauen bis zum Schuhplatteln.

Durch das große Angebot wird es hier garantiert niemandem langweilig, und Alleinsein muss hier auch niemand, einmal pro Woche lässt sich sogar am Abend noch gemeinsam in der hauseigenen Bar abhängen. „Für - im Rahmen des Aufenthalts entstandene – gesundheitliche Defizite am Folgetag wird keine Haftung übernommen“, so steht es im Roncalli-Semesterheft.

Leben im Studentenwohnheim = Ablenkung vom Studium?

Doch bleibt bei so viel Engagement und Freizeitangebot überhaupt noch Zeit fürs Studium? Die Bewohner des Roncalli-Kollegs besuchen zwar verschiedene Hochschulen und Universitäten, der Semesterzyklus ist aber bei allen ähnlich. In der Prüfungsphase müssen alle lernen. Auch das bestärkt das Gemeinschaftsgefühl: Wir sitzen alle im selben Boot.

"Man tut schon mehr, wenn man in einer eigenen Wohnung allein wohnt, aber ich finde, deswegen studiert man ja, dass man Leute kennen lernt. Also das ist eigentlich total schön. Ich bin froh, dass ich hier wohnen kann."

(Theresa)

Wer Ruhe braucht, kann sich auch im quirligen Studentenwohnheim zurückziehen - in einen der Gemeinschaftsräume, in dem abends Veranstaltungen stattfinden und der tagsüber zur Bib wird.

"Das hat den supergroßen Vorteil, dass man nicht so abgelenkt ist, wenn man sieht, dass die anderen auch etwas tun, das motiviert einen dann vielleicht auch."

(Martin)

Leben im Studentenwohnheim = eine Option für mich?

Den Alltag bestreiten und Gemeinsames erleben. So ein Wohnheim ist wie ein Übungsfeld für das spätere Leben und erweitert den eigenen Horizont, denn hier leben Menschen mit unterschiedlichen sozialen Backgrounds unter einem Dach und gemeinsam.

Wie bekomme ich ein Zimmer im Wohnheim? Kriterien, Fristen, Connections

Die Wartezeiten für ein Zimmer oder ein Appartement in einem Wohnheim haben es in sich. In München sind das meist 2 bis 3 Semester. Bei Wohnheimen in besonders guter Lage kann es sogar sein, dass man bis zu 5 Semester warten muss, bis man ein Zimmer bekommt.

Wichtig: Die Wartezeit beginnt ab dem Zeitpunkt der Anfrage. In der Regel können sich Studierende direkt vor Ort beim jeweiligen Studentenwerk bewerben, wobei alle wichtigen Formulare meist auch online abrufbar sind. Achtung: Bewerbungsfristen nicht verpassen! Auf den Homepages der Studentenwerke oder der privaten Wohnheime lassen sich die meisten Infos ganz einfach abrufen. Dort erfährst du auch, wer sich überhaupt bewerben darf. Denn Kriterien, wie Einkommenshöchstgrenzen, welche Hochschule bzw. Universität man besucht, ob man ausländischer Studierender ist oder nicht, sind entscheidend, einen Platz zu bekommen.

Ganz wichtig: Es ist möglich, sich bereits vor der Studienplatzzusage bei Wohnheimen zu bewerben. Damit lässt sich die Wartezeit quasi verkürzen. Denn die Studienplatzzusage muss erst semesterbezogen zu bestimmten Stichtagen vorliegen, also noch nicht bei der Bewerbung um einen Wohnheimplatz.

Gut zu wissen: Mehrfachbewerbungen sind oft möglich. Doch Vorsicht, es kann hier eine Höchstgrenze geben. Wer sich auf der Warteliste befindet, sollte jedoch nicht vergessen, regelmäßig seine aktuelle Immatrikulationsbescheinigung beim zuständigen Studentenwerk hochzuladen, sonst heißt es, erneut bewerben und die Wartezeit beginnt von vorn.

Da das Roncalli-Kolleg von einem privaten Träger geführt wird, lief es für Martin ein bisschen anders. Ein Bewerbungsverfahren gab es zwar schon, beim Bewerbungsgespräch sind jedoch Empfehlungen und der persönliche Eindruck ausschlaggebend, um einen Platz zu bekommen. Martin hat die Wohnheimleitung davon überzeugt, dass er gut hineinpassen würde. Außerdem kannte er schon eine Mitbewohnerin. Das hat geholfen.

Studentenwohnheim – gut und günstig?

918 Euro - so viel haben Studierende monatlich laut Statistik zur Verfügung. In München kostet ein WG-Zimmer rund 560 Euro. Wie soll das gehen? Das fragen sich wohl die meisten, die in beliebten Unistädten ein Studium aufnehmen wollen. Eine Option wäre: Studentenwohnheim. Neben einem Zimmer im Elternhaus meist die günstigste Wohnform Daher ist die Nachfrage unverändert groß. Bundesweit bieten die Studentenwerke rund 194.000 Wohnplätze an.

Deutschlandweit beträgt die durchschnittliche Bruttowarmmiete in Wohnheimen 246,13 Euro im Monat und liegt somit sogar im errechneten BAföG-Satz. Martins Zimmerpreis liegt mit 220 Euro sogar noch darunter. Für ihn eine super Möglichkeit, Geld zu sparen.

Links

Wohnzufriedenheit: 2700 Studierende nahmen 2018 an einer Befragung durch das Studentenwerk München zur Wohnzufriedenheit teil. Um festzustellen, was sie über ihr Wohnheim denken, wurden den Bewohnern 15 Fragen gestellt. Hier geht’s zu dem Bericht: https://www.studentenwerk-muenchen.de/wohnen/wohnzufriedenheit-2018/

Wer Lust bekommen hat, mehr über das Roncalli-Kolleg zu erfahren, kann sich das Wohnheim direkt auf der Homepage ansehen, unter folgendem Link: https://www.roncalli-kolleg.de/bewerbung/

Wer sich für ein Wohnheim des Studentenwerks in München bewerben möchte, kann das hier: https://www.studentenwerke.de/de/content/bewerbung-um-einen-wohnheimplatz-0

Hier kannst du dich beim Deutschen Studentenwerk zu Themen rund ums Studium und das Studierendenleben informieren. Punkte wie Wohnraum, Mensen und Hochschulpolitik sind nur ein paar davon:
https://www.studentenwerke.de
https://www.studis-online.de/StudInfo/Studienfinanzierung/wg-zimmer-mietspiegel.php
https://www.bafoeg-aktuell.de/bafoeg/bedarf.html
https://www.studentenwerke.de/de/content/ausstattung-und-miete-von-wohnheimplätzen-0


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