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Campus Cinema // "Haul" von Oliwia Strazewski Zu Besuch bei Bloggerin Sara Bow

Sara Bow ist ein Internetphänomen. Seit sie 13 Jahre alt ist, bloggt die Münchnerin über alles, was ihr gefällt. Jetzt, mit Anfang 20, hat sie fünf Mitarbeiter und ein lukratives Unternehmen. HFF-Studentin Oliwia Strazewski hat die Bloggerin besucht.

Von: Bettina Dunkel

Stand: 10.10.2016

Szene aus "Haul" von Oliwia Strazewski | Bild: Oliwia Strazewski

Es passiert immer mal wieder, dass Sara Bow auf der Straße erkannt wird. Dann wird sie von ihren meist noch recht jungen weiblichen Fans angestarrt, als stünde ein Hollywoodstar vor ihnen. Oft wird die 22-jährige Bloggerin um Autogramme gebeten. Und manchmal soll sie Bücher signieren, die sie zwar nicht geschrieben, aber im Netz empfohlen hat. Denn Sara Bow ist professionelle Bloggerin.

Ihre Themen sind Mode, Beauty und Bücher, ihre Youtube-Channels haben mehrere zehntausend Abonnenten. Angefangen hat sie mit 13 Jahren. Seitdem hat sie kontinuierlich ihre Netzpräsenz aufgebaut. Ihre Videos laufen so gut, dass sie jetzt, mit Anfang 20, fünf Mitarbeiter beschäftigt. Diese Erfolgsgeschichte hat HFF-Studentin Oliwia Strazewski zu ihrem Kurzfilm "Haul" inspiriert:

"Ich finde diese Welt kurios, aber auch wahnsinnig interessant. Diese Haul-Videos kommen ja aus der Mode- und Beautyszene, die sind für mich die kurioseste Ausgeburt der Welt, weil die an sich keinen qualitativen Wert haben. Meistens sind das ja nicht mal Kritiken zu den Produkten, sondern nur: Ich hab mir das gekauft. Ich habe nicht verstanden, was der Reiz an diesen Videos ist, konnte aber gleichzeitig nicht wegsehen."

(Oliwia über die Entstehungsgeschichte ihres Kurzfilms 'Haul')

So wie Oliwia geht es vielen. Vor allem, wenn sie ein gewisses Alter überschritten haben. Denn die sogenannten Hauls (aus dem Englischen für "Fang", "Fischzug") richten sich primär an Teenager. In ihren Youtube-Videos halten die Blogger ihre neueste Shoppingbeute in die Kamera und erzählen, was sie daran so toll finden. Meistens handelt es sich dabei um Kosmetik oder Mode. Am Ende erfährt man, wo man die Sachen kaufen kann, den Link gibt es dazu – praktisch für die Fans, lukrativ für den Youtuber.

Willkommen im Paralleluniversum

Aber um das Geschäftsmodell geht es gar nicht in Oliwias Film. Was sie fasziniert, ist die Begeisterung, die Leute wie Sara an den Tag legen. Im Interview mit Campus Cinema-Moderator Florian Kummert sagt sie einmal: "Ich wünschte, ich könnte mich so über ein Puder freuen wie Sara Bow das macht." Und das meint Oliwia auch vollkommen ironiefrei, denn:

"Ich hatte nie vor, Sara schlecht dastehen zu lassen. Ich wollte die Liebe zur Schönheit zeigen, deshalb sieht der Film so glossy aus, so edel, so hochwertig. Und dass meine Protagonistin nicht als Depp rüberkommt. Das wär leicht gewesen, weil viele, die das sehen, erstmal mit den Augen rollen. Ich wollte eher zeigen: Nein, da steckt Liebe dahinter. Die machen sich auch Gedanken, das ist Business, das ist ernst gemeint."

(Oliwia über 'Haul')

Dass es überhaupt geklappt hat ihrem Film über Sara, hat laut Oliwia fast mehr mit Glück als Verstand zu tun. Als es an die Umsetzung ihres ersten HFF-Films ging, hat Oliwia mit einem Aufruf auf Facebook nach einer Protagonistin gesucht. Sara war ihre Wunschkandidatin - und tatsächlich meldete sie sich als erste auf den Aufruf.

Danach gab es keine Hürden mehr für Oliwia. Dass sie gemäß den Vorgaben der Filmschule nur drei Drehtage hatte? Egal. Dass der Kurzfilm schwarz-weiß und auf 16mm-Filmrollen gedreht werden sollte? Kein Problem. Oliwias Ziel war, dass ihr Film kurzweilig und bloß keine schwere Kost wird. Und das ist ihr definitiv gelungen.

Über Oliwia Strazewski

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Oliwia Strazewski mit Randerscheinungen des Modebusiness auseinandersetzt. Lange bevor die 30-Jährige für die HFF ihren Kurzfilm "Haul" gedreht hat, hat sie selbst einen erfolgreichen Modeblog namens derkarl.net betrieben. Der war allerdings satirisch aufgezogen und kritisierte die oft recht hirnlosen Blogs vieler Fashionistas. Durch diverse Jobs als Texterin und Redakteurin im Bereich Lifestyle, Reisen, Mode und Beauty hat Oliwia ihre eigene Faszination für die Modewelt während ihres Erststudiums ausgelebt. Denn bevor sich Oliwia 2014 an der Hochschule für Fernsehen und Film beworben hat, hat sie in München ein Amerikanistikstudium abgeschlossen.

Oliwia bezeichnet sich selbst als Serienfreak und würde deswegen am liebsten eines Tages Netflix mit ihren eigenen Comedy- oder Dramedy-Projekten erobern. Klassisches Kino wäre aber auch ok. Deswegen schreibt sie aktuell parallel an einem Spielfilm und einem Webserien-Projekt.


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