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Digitale Welten erschaffen Das Animationsinstitut der Filmakademie Baden-Württemberg

Mal computeranimiert, mal handgezeichnet. In 2D, 3D und auch in der virtuellen Realität. Projekte, die uns als Zuschauer oder als aktiv Steuernde mit allen Sinnen eintauchen lassen. Ein Flugzeug fliegen, in den Weltraum düsen, oder mal Superheld spielen. Am Animationsinstitut der Filmakademie Baden-Württemberg studieren kreative Köpfe, die ganze Welten erschaffen.

Von: Florian Kummert

Stand: 11.07.2020 | Archiv

Genau davon war Nina Schwarz fasziniert, ehe sie sich für den Diplomstudiengang bewarb und für den Schwerpunkt „Animation/Effects Producing“ genommen wurde.

"Ich saß da wie so ein kleines Kind im Süßigkeitenladen in den Vorträgen und dachte mir so, wow, ok, das kann man hier alles machen, alles lernen. Ich hatte am Anfang Angst, wenn man das alles selber macht, dass die Filme ein bisschen die Magie verlieren, die sie haben, aber genau das Gegenteil ist passiert. Ich finde es jetzt noch viel, viel faszinierender, wie die Sachen gemacht wurden."

(Nina Schwarz)

Nina Schwarz und ihre Kommilitonin Nadine Schwenk schließen das Studium mit dem gut siebeneinhalbminütigen 3D-Animationsfilm „Evangeline“ ab. Die Titelheldin, ein kleines Mädchen mit großem Cowboy-Hut, lebt in den Sümpfen von Louisiana und zieht - ohne dass ihr Papa es weiß - einen Alligator groß, mit gefährlichen Konsequenzen. Schwarz produziert, Schwenk führt Regie, schrieb das Drehbuch und die Südstaaten-Musik und ist Teil des Animationsteams. 2016 begann die Arbeit an dem Film. Drei Jahre Arbeit für 7,5 Minuten Film.

"Ich glaub für gewisse Aspekte braucht man sehr, sehr viel Geduld, und sehr viel Liebe zum Detail. Die meisten Leute sind so drauf, dass sie immer versuchen sich zu verbessern."

(Nadine Schwenk)

Wer in der Animationsbranche arbeiten will, braucht Ausdauer, muss ein Tüftler, ein Bastler sein, und vor allem teamfähig. Dies bestätigt auch Professor Andreas Hykade, seit 2015 Leiter des Animationsinstituts und selbst Animationsfilmer („Tom und das Erdbeermarmeladebrot mit Honig“)

"Der Animationsfilmer oder die Animationsfilmerin ist ein spezieller Typ, das ist eine Art von Marathonläufer. So wie Sie beim Dokumentarfilm Filmemacher und Filmemacherinnen brauchen, die direkt im hier und jetzt sind und die sehr spontan, sehr schnell sind, so ist es auch im Animationsfilm oft so, dass zum Beispiel ein fünfminütiger Film drei bis vier Jahre Produktionszeit benötigen kann. Und deshalb brauchen Sie einen ganz langen Atem, sie müssen über ganz lange Zeit auch die Energie halten."

(Prof. Andreas Hykade)

Auf dem denkmalgeschützten Gelände einer ehemaligen Kaserne liegt das Animationsinstitut, das 2002 als Teil der Filmakademie Baden-Württemberg gegründet wurde. Seither hat es sich zu einer der erfolgreichsten und national wie international angesehensten Ausbildungsstätten für Animation, VFX und Interaktive Medien entwickelt.

Gut 300 Studenten bewerben sich jährlich am Animationsinstitut für den Diplomstudiengang, aber es gibt nur 30 Plätze. Neben dem Nachweis der Hochschulreife müssen mindestens 12 Monate praktische Erfahrung im Medienbereich nachgewiesen werden, sowie eine Arbeitsprobe. Dreimal kann man sich insgesamt am Animationsinstitut bewerben. (Hier geht's zur Bewerbung)

"Das ist relativ schwer, hier genommen zu werden. Man bewirbt sich mit einem Film, wird dann eingeladen und hat eine Möglichkeit, eine 72-Stunden-Aufgabe zu realisieren, das heißt, man macht einen Film in 72 Stunden, den präsentiert man dann einer Jury und am Ende wird eine Entscheidung gefällt."

(Prof. Andreas Hykade)

Die eigene künstlerische Entwicklung der Studenten steht für Hykade im Mittelpunkt - nur so sei kommerzielle Arbeit erfolgreich. Lust haben, neue Technologien auszuprobieren, auch das gehört zu den Studienanforderungen. In den Studiohallen des Animationsinstituts testen Schauspieler und Studenten das Motion Capture-Verfahren. Kameras in der Halle erfassen die Sensoren an den Ganzkörperanzügen und übertragen die Daten auf die Rechner - Daten, die später bei der Animation von Bewegungen die Arbeit erheblich beschleunigen können. Erste Tests macht damit das Team um Ramon Schauer. Der Student mit Schwerpunkt „Technical Directing“ arbeitet gerade an dem Musikvideo-Projekt „Neoshin“.

"Das ganze wird als ein 3D-Animationsfilm umgesetzt, wo wir relativ viele Techniken verwenden, vor allem Motion Capture, damit scannen wir unsere Hauptdarsteller. Das hilft uns, den ganzen Film schon mal in einer groben Version umzusetzen und darauf können wir auf den Figuren unsere Motion Capture Daten, also die Bewegungen übertragen, und dann im Nachhinein unsere ganzen Kamerawinkel bestimmen und dann so setzen, wie wir uns das vorstellen. Das ist noch sehr roh und unfertig, aber gibt schon einen ersten guten Eindruck, wie dann am Ende der Film aussehen kann."

(Ramon Schauer, Student Technical Directing)

Die Studierenden der unterschiedlichen Vertiefungen arbeiten abteilungs- und hochschulübergreifend zusammen und realisieren praxisnah Projekte in Teamarbeit. Alle Produktionstechniken stehen dabei zur Verfügung: Computeranimation, Zeichentrick, Stopptrick, Echtzeit-Animation, Realfilm und interaktive Anwendungen. 

Im Projektstudium werden im Schwerpunkt Animation folgende Vertiefungen angeboten:

  • Animation Artist
  • Effects Artist
  • Animation/Effects Producer
  • Technical Director

Zudem gibt es den Bereich Interaktive Medien. Dort entwickeln die Studierenden Games, Expomedien, mobile und web-basierte Anwendungen oder VR-Erfahrungen, die auf Festivals weltweit Anerkennung finden. Der Studienschwerpunkt ist mit der Lehre am Animationsinstitut und der Filmakademie eng verzahnt. Die Studierenden können folgende Spezialisierungen wählen:

  • Transmedia/Games Director (inhaltliche Konzeption und künstlerische Leitung)
  • Transmedia/Games Artist (audiovisuelle und technische Gestaltung)
  • Transmedia/Games Producer (Produktion und Veröffentlichung)

"Das Animationsinstitut zeichnet sich dadurch aus, dass wirklich die neuesten Technologien im Bereich Animation gelehrt werden, in allen unterschiedlichen Bereichen, also in Animation, VFX, Technical Directing, Interaktive Medien und Producing, und hier wirklich das gelehrt wird, was dann bei Disney und bei Pixar auch umgesetzt wird."

(Prof. Lilian Klages, Leitende Dozentin Animation/Effects Producing )

Oder in der milliardenschweren Computerspiel-Branche. Mit den Games wird mittlerweile mehr Geld umgesetzt als in Hollywood. Entsprechend groß ist der Markt und der Bedarf an jungen, kreativen Talenten. So wird am Animationsinstitut auch das Programmieren und Designen von Spielen und interaktiven Apps gelehrt. VR Now heißt die Talentförderinitiative des Landes Baden-Württemberg, in der auch Studenten und Alumni an Gelder kommen, um ihre Prototypen weiterzuentwickeln. Den Deutschen Computerspielpreis 2019 als „Beste Newcomer“ hat das vierköpfige Team um Dominik Schön für das PC-Plattformspiel „A Juggler’s Tale“ gewonnen, das derzeit in der Entwicklungsphase steckt. Solche Preise sind ein wichtiges Startkapital für die spätere Karriere, wobei der Begriff „Newcomer“ hier relativ ist:

"Ich habe bei den Praktikas auch schon in Spielestudios in Deutschland als Game Designer gearbeitet und habe vorher in der Schule kleine Apps und Mobile Games entwickelt, auch im Informatikunterricht. Ich habe dann dadurch auch die Möglichkeit bekommen, Praktikas zu machen und hier an der Filmakademie dann angenommen zu werden."

(Dominik Schön, Student Interaktive Medien)

Ende 2020 soll das Spiel erscheinen, dann geht es für die Designer hinaus in die freie Wirtschaft.

"Die Jobaussichten sind sehr gut, der Animationsfilm floriert in allen Ländern. Man muss aber die Bereitschaft mitbringen, auch ein nomadisches Leben zu führen. Man geht dorthin, wo die Arbeit ist und die Talentiertesten wandern dorthin, wo die interessantesten Stoffe für sie liegen."

(Prof. Andreas Hykade)

Das kann Hollywood sein, oder aber auch Ludwigsburg und Umgebung, wo sich einige Firmen angesiedelt haben und Animationsprojekte produzieren, die nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit Absatz finden. Die hiesige Branche gilt derzeit als „Animation Powerhouse“, wie der Hollywood Report kürzlich titelte.

Motion-Capture-Verfahren für realistische Mimik von Figuren.

Großen Anteil an dem „Powerhouse“-Status haben auch das Animationsinstitut der Filmakademie Baden-Württemberg und ihre Absolventen. Sie können einzelne Berühmtheiten wie Einstein wieder zum Leben erwecken oder komplette Städte, Länder oder gar Galaxien bauen. Die Werkzeuge am Animationsinstitut mögen sich ändern, die Lust am Geschichtenerzählen aber bleibt ungebrochen.

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Showreel Animationsinstitut 2019 | Animation, VFX & Interactive Media Projects | Bild: Filmakademie Baden-Württemberg GmbH (via YouTube)

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