ARD-alpha - Campus


4

Forschung in Afrika Ein Kontinent holt auf

Wissenschaftler aus Afrika haben international nach wie vor einen schweren Stand. Aber immerhin 1,5 Prozent der weltweiten Forschungsarbeiten kommen inzwischen von dort - die Nobelpreisträgertagung in Lindau machte Afrikas Wissenschaft zum Schwerpunktthema.

Von: Jeanne Turczynski

Stand: 02.07.2015

Afrika | Bild: flickr / Christian Flemming/Lindau Nobel Laureate Meetings

Serge Fobofou ist ein bedächtiger junger Mann. Geboren in Kamerun, lebt und arbeitet er momentan in Halle – am Leibniz Institut für Pflanzenbiochemie. Bei einer Podiumsdiskussion wird er gefragt, was er denn von einer neuen internationalen Initiative zur Forschungsförderung in Afrika halte. Er bringt es auf den Punkt:

"Diese Allianz ist für ganz Afrika – Afrika allerdings ist komplex. Es ist kein Land, sondern ein Kontinent."

Serge Fobofou, Wissenschaftler aus Kamerun

Die angesprochene Allianz, die exzellente Forschung in Afrika fördern soll, startete kürzlich und wird unter anderem von der britischen Regierung und der Bill & Melinda Gates Stiftung finanziert – sie ist ausgestattet mit 4,5 Millionen Dollar. Auf den ersten Blick viel Geld, aber es könnte angesichts der Größe des Kontinents trotzdem versanden. Serge Fobofou plädiert dafür, nach Regionen unterschiedlich zu verfahren, denn jedes Land hat eigene Bedürfnisse:

"In meinem Land, Kamerun, haben wir verschiedene Prioritäten.  Wichtig ist vor allem, dass wir ausreichend Nahrungsmittel und eine gut entwickelte Landwirtschaft haben. Aber wir brauchen auch gute Medizin, die wir selber produzieren. Also ist medizinische Forschung wichtig. Denn: Es gibt Krankheiten, die wir selbst behandeln könnten."

Serge Fobofou, Wissenschaftler aus Kamerun

Damit ist er bei seinem eigenen Forschungsgebiet – er untersucht Wirkstoffe in Heilpflanzen. Doch auch beim Thema Landwirtschaft bekommt er Zustimmung  –   von Savanna Nuagava. Sie stammt  aus Uganda, studiert aber in Südafrika. Ihr Land leidet am meisten darunter, dass die reichhaltigen Bodenschätze und die Ernten  nicht richtig genutzt und konserviert werden können.

"Eines der Hauptthemen ist Nahrungssicherheit. Schaut man sich Uganda an. Wir haben ein fruchtbares Land und wir produzieren Lebensmittel. Aber dann haben wir trotzdem immer wieder Hungersnöte. Dieses Jahr verlieren wir 35 Prozent der Früchte. Wir sind aber abhängig von frischen Früchten. Wir haben keine Möglichkeit der Konservierung. Jetzt warten wir auf die nächste Saison. Wir brauchen Nahrungsmittelsicherheit und Planungssicherheit mit den Ressourcen, die wir haben."

Savanna Nuagava, Studentin aus Südafrika

Sagt eine junge Frau, die selbst Mathematik studiert, was in ihrer Heimat Uganda nicht möglich gewesen wäre. Ähnliches erzählt Prosper Ngabonziza. Er lebt seit über drei Jahren in den Niederlanden, wo er an der Universität in Twente gerade an seiner Promotion arbeitet – in Experimentalphysik. Nun ist experimentelle Physik nicht gerade das Fachgebiet, an das man bei afrikanischen Ländern als erstes denkt. Er findet es wichtig, dass Forschung und Bildung insgesamt einen anderen Stellenwert in seinem Land bekommen:

"Wir müssen unsere Studenten fördern mit Stipendien, damit sie ihr Studium abschließen und im Land bleiben, damit wir auch dort gute Forscher haben."

Prosper Ngabonziza, Experimentalphysiker

Für Forschung in Afrika engagiert sich eine prominente Wissenschaftlerin: Die französische Medizin-Nobelpreisträgerin Françoise Barré-Sinoussi. Die Entdeckerin des HI-Virus hat Kontakte zu afrikanischen Ländern geknüpft, als sie dort über Aids forschte – eine besondere Bindung hat sie zur Zentralafrikanischen Republik. Dass dort eher klinische Forschung gefragt ist, liegt für sie auf der Hand.

"Es ist klar, dass es in diesen Ländern keine pure Grundlagenforschung braucht und keine Gentherapie, für mich hat das keine Priorität. Wichtig ist die Betreuung von Patienten, eine gute Diagnose und praktische medizinische Forschung."

Françoise Barré-Sinoussi, Medizin-Nobelpreisträgerin aus Frankreich

Aus ihrer Sicht geht es vor allem darum, junge Forscher dazu zu bringen, nach dem Studium wieder in ihre Heimat zu gehen, denn dort werden sie gebraucht.

"Sie dürfen nicht gehen, ihre Länder brauchen sie. Es müsste dazu auch mehr Forschungskooperationen unter den afrikanischen Ländern geben, vor allem mit Südafrika, wo hervorragend geforscht wird.  Und es müssen mehr Menschen mit Verantwortung ausgebildet werden. Für mich hat die gute Klinische Forschung in afrikanischen Ländern genauso eine Bedeutung wie die Forschung in den reichen Ländern."

Françoise Barré-Sinoussi, Medizin-Nobelpreisträgerin aus Frankreich

Es braucht  berühmte Forscher wie die französische HIV-Spezialistin – aber es braucht auch die jungen engagierten Wissenschaftler, die ihren Kontinent voran bringen wollen. Und trotzdem ist bei allem guten Willen nicht sicher, ob Serge Fobofou und Prosper Ngabonziza tatsächlich nach Kamerun oder Uganda zurück gehen werden:

"Wenn ich die Möglichkeit habe, gehe ich zurück nach Kamerun. Ich weiß es noch nicht. Weil die Regierung keine Politik macht, um uns zurückzuholen."

Serge Fobofou, Wissenschaftler aus Kamerun

"Ich wünsche mir, wenn ich fertig bin, dass ich dann zurückgehe. Momentan arbeite ich mit vielen Forschern aus unterschiedlichen Ländern. Ich hoffe, dass ich diese Zusammenarbeit auch in meiner Heimat beibehalten und dann meine Versuche dort machen könnte."

Prosper Ngabonziza, Experimentalphysiker


4