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Rechtsanwalt und Zeitzeuge des NS-Regimes Siegel, Uri

Uri Siegel, der Neffe des FC-Bayern-Präsidenten Kurt Landauer, wanderte 1934 als Zwölfjähriger mit seiner Familie nach Palästina aus. Seit bald sechzig Jahren lebt er als Rechtsanwalt wieder in seiner Geburtsstadt München.

Stand: 16.06.2014 | Archiv

"Anwalt zu sein, ist eh schon ein schwieriger Beruf, aber ich war immer der Meinung, dass der Beruf des Wiedergutmachungsanwalts noch schwieriger ist. Aber eigentlich ist er nur um ungefähr zehn Prozent schlimmer als der Beruf des Scheidungsanwalts und Mietrechtsanwalts. Er hatte aber ein Gutes: Es hat nie an Mandanten gefehlt! Wenn man einigermaßen gut gearbeitet hat, wenn man sich also vor allem für seine Mandanten eingesetzt hat, dann hat es nie an Arbeit gefehlt. Aber diese Arbeit war natürlich schon schwierig, denn die Behörden waren nicht wohltätig und die Richter und Richterinnen waren recht formal. Es kam nur selten vor, dass man mal jemanden getroffen hat, der wirklich gesagt hat, dass es diesen Menschen – ich habe hauptsächlich Ostjuden vertreten – schlecht ergangen ist in der Nazizeit. Auch bei den deutschen Juden war man z. B. bei der Wiedergutmachung der 'Ausbildungsschäden' so unglaublich spitzfindig, um kein Geld zahlen zu müssen, dass es schon wirklich bedauernswert gewesen ist."

Uri Siegel

Zur Person

  • Geboren
  • 2. Dezember 1922 in München
  • Ausbildung
  • 1946-1951 Studium des Englischen Rechts in Jerusalem
  • 1951 Zulassung als Rechtsanwalt
  • 1973 Zulassung als Rechtsanwalt in Deutschland
  • Beruf
  • Rechtsanwalt

Funktionen und Ämter

  • Aktuelle Funktion
  • Rechtsanwalt
  • Lebensstationen
  • 1944-1946 Teilnahme am Zweiten Weltkrieg als Mitglied der Jüdischen Brigade der Königlich Britischen Artillerie
  • 1953 Vertretung einer israelischen Anwaltskanzlei in München
  • 1957 Leitung der Münchener Niederlassung der israelischen Anwaltskanzlei
  • Wiedergutmachungsreferent beim Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern
  • Leiter des israelitischen Kirchensteueramts in München
  • 1971-1990 Geschäftsführer des Landesverbandes Bayern der Israelitischen Kultusgemeinden
  • Seit 1973 selbstständiger Rechtsanwalt in München

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