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Historiker, Geschichte der DDR Kowalczuk, Ilko-Sascha

Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk verbrachte seine Jugend in der DDR und studierte nach der Wende Geschichte. Heute ist er Projektleiter bei der Stasi-Unterlagen-Behörde. Er veröffentliche zahlreiche Bücher zur DDR-Geschichte, darunter "Endspiel. Die Revolution von 1989 in der DDR" und "Die 101 wichtigsten Fragen - DDR".

Stand: 19.04.2017 | Archiv

"Natürlich kann man sagen, dass die DDR eine Verfassung hatte. Es gab sogar ein paar Hundert Rechtsanwälte in der DDR. Am Ende der DDR gab es im ganzen Land so viele Rechtsanwälte wie in einer mittleren bundesdeutschen Stadt. Es gab Gerichte und vieles andere mehr. Nur, was hat einem das genützt? Wenn es der SED genehm war, dann wurde jedes Recht in der DDR gebeugt, selbst das Verkehrsrecht, auch das oft gepriesene Familienrecht, worüber es sogar eine ganze Reihe von Witzen gegeben hat. Das alles war den Menschen vor 1989 auch durchaus bewusst. Das Recht in der DDR war willkürlich und selbst dann, wenn man mal Recht bekam, war das willkürlich, weil es nicht demokratisch legitimiert war: Der gesamte Justizapparat, die ganze Rechtsprechung war der kommunistischen Partei angepasst und unterstellt. Immer noch das wichtigste und schlagendste Argument, warum die DDR ein Unrechtsstaat gewesen ist, ist für mich: Ein System, das ein riesengroßes Gefängnis errichtet, das seine Menschen einsperrt hinter Mauer und Stacheldraht und das diejenigen kaltblütig abknallt, die dieses Land flüchtend verlassen wollen, ist ein Unrechtsstaat."

Ilko-Sascha Kowalczuk

Zur Person

  • Geboren
  • 1967 in Berlin
  • Ausbildung
  • Ausbildung als Baufacharbeiter
  • Geschichtsstudium an der Humboldt-Universität zu Berlin
  • 2002 Promotion an der Universität Potsdam
  • Beruf
  • Historiker

Funktionen und Ämter

  • Aktuelle Funktion
  • Projektleiter/Fachkoordinator im Fachbereich 1 der Abteilung Bildung und Forschung der Stasi-Unterlagen-Behörde
  • Ämter/berufliche Stationen
  • Seit 1990 Mitglied des Unabhängigen Historiker-Verbandes
  • 1995–1998 ehrenamtliches sachverständiges Mitglied in der Enquête-Kommission "Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur" des deutschen Bundestages
  • 1998–2000 wissenschaftlicher Referent in der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
  • Seit 2001 wissenschaftlicher Mitarbeiter mit Leitungsfunktionen in der Abteilung Bildung und Forschung der Stasi-Unterlagen-Behörde, zudem assoziierter Forscher bei der Robert-Havemann-Gesellschaft Berlin

Veröffentlichungen

  • Stasi konkret. Überwachung und Repression in der DDR, München: Beck, 2013.
  • 17. Juni 1953, München: Beck, 2013.
  • Die 101 wichtigsten Fragen - DDR, München: Beck, 2009.
  • Endspiel. Die Revolution von 1989 in der DDR, München: Beck, 2009.
  • (Hrsg.) Für ein freies Land mit freien Menschen, Berlin: Robert-Havemann-Gesellschaft, 2006.
  • Die verdrängte Revolution (zusammen mit Bernd Eisenfeld und Ehrhart Neubert), Bremen: Temmen, 2004.
  • Das bewegte Jahrzehnt, Bonn: Bpb, 2003.
  • Geist im Dienste der Macht, Berlin: Links, 2003.
  • (Hrsg.) Freiheit und Öffentlichkeit, Berlin: Robert-Havemann-Gesellschaft, 2002.
  • Roter Stern über Deutschland, Berlin: Links, 2001.

Erstsendung: 5.11.2009


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