ARD-alpha - Campus


5

Universität München Leibniz-Preisträgerin Prof. Dr. Erika von Mutius

Asthma und Allergien bei Kindern, das sind ihre Themen. Erika von Mutius, Oberärztin an der Haunerschen Kinderklinik in München, erhielt 2013 für ihre Forschungen den Leibniz-Preis.

Von: Friederike Kühn

Stand: 26.04.2014

Warum Asthma- und Allergieerkrankungen in den letzten 20 Jahren zugenommen haben, ist nicht eindeutig geklärt. Bekannt ist jedoch, dass bei Asthma genetische Faktoren und die Umwelt eine Rolle spielen. Bislang gibt es nur Hypothesen über die Ursachen. Erika von Mutius hat wichtige Erkenntnisse dazu geliefert.

Prof. Dr. med. Erika von Mutius

Dabei war ihr Weg in die Wissenschaft nicht vorgezeichnet. Der Einstieg: Eine Studie zu Pseudokrupp und Luftverschmutzung, danach will sie hinschmeißen – zu mühsam und uninteressant erscheint ihr die wissenschaftliche Laufbahn. Ihr damaliger Chef ist anderer Ansicht: Es folgen eine erste Studie zu Asthma und ein Forschungsaufenthalt in den USA. Dort erst findet sie zur Wissenschaft und ihrem Fach Medizin. Wieder zu Hause in München vertieft sie sich in ihr Thema: Asthma und Allergien bei Kindern.

Als sie in den 1980er Jahren anfängt zu forschen, ist man noch der Auffassung, schuld an Allergien und Asthma sei die Luftverschmutzung. Das kann Erika von Mutius mit einer Studie widerlegen. Dort, wo die Luftverschmutzung am größten ist – in den neuen Bundesländern -, gibt es weniger Allergien und Asthma! Von Mutius beschließt, die so genannte „Hygienehypothese“ zu verfolgen: Je mehr Geschwister Kinder haben desto weniger leiden sie an Allergien und Asthma, gerade weil sie in einem nicht so hygienischen Umfeld aufwachsen. Für Ostdeutschland ist diese Annahme plausibel, weil dort Kinderkrippen – anders als in Westdeutschland Anfang der 90er Jahre – weit verbreitet sind.

Ein Schweizer Kollege beobachtet weniger Heuschnupfen bei Kindern, die auf dem Bauernhof aufwachsen. Dass auch das bäuerliche Umfeld ein Schutz ist, kann Erika von Mutius mit groß angelegten Studien an der Bevölkerung belegen. Mikroben, Bakterien und Viren im Stall trainieren das Immunsystem, so dass es erkennt, dass das, was in der Umwelt vorkommt, normal ist. Asthma und Allergien sind eine Überreaktionen des Immunsystems auf Gräser, Pollen oder Katzenhaare, die eigentlich für den menschlichen Organismus ungefährlich sind.

Heute leitet Erika von Mutius eine interdisziplinäre Forschungsgruppe an der Ludwigs-Maximilians-Universität München. Durch ihre Erkenntnisse könnte ein medizinischer Schutz vor Asthma und Allergien für Kinder gefunden werden. In Zusammenarbeit mit Pharmaunternehmen entwickelt Erika von Mutius Medikamente, deren Wirksamkeit beim Menschen sich allerdings noch erweisen muss.

Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis

Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis ist der wichtigste Forschungsförderpreis in Deutschland. Ziel des Leibniz-Programms, das 1985 eingerichtet wurde, ist es, die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verbessern, ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern, sie von administrativem Arbeitsaufwand zu entlasten und ihnen die Beschäftigung besonders qualifizierter jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu erleichtern. Der Preis ist mit bis zu 2,5 Millionen Euro dotiert. Die Förderung wird nur auf Vorschlag Dritter gewährt.


5