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München leuchtet für die Wissenschaft - Berühmte Forscher und Gelehrte Georg Simon Ohm - Vortrag

Er war zunächst "nur" Mathematiklehrer, doch mit seinen Entdeckungen ging er in die Geschichte der Naturwissenschaften ein. Seine Erkenntnisse sind bis heute gültig und bilden die Grundlage der Elektrophysik.

Von: Anette Kolb

Stand: 14.03.2014

Georg Simon Ohm | Bild: picture-alliance/dpa

Georg Simon Ohm wurde 1789 in Erlangen als Sohn eines Schlossers geboren. Die Familie lebte in ärmlichen Verhältnissen. Ohms Vater hatte ein - für einen Schlosser - außergewöhnliches Hobby: Er eignete sich autodidaktisch Kenntnisse in Mathematik an und vermittelte diese seinen drei Kindern. So erhielt Georg Simon schon früh eine profunde mathematische Ausbildung. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte Georg Simon Ohm zunächst drei Semester Mathematik, Physik und Philosophie in Erlangen und erlernte von seinem Vater das Schlosserhandwerk. Die nächsten Jahrzehnte verdiente er seinen Lebensunterhalt als Mathematik- und Physiklehrer in der Schweiz, in Bamberg und in Köln.

Während seiner Lehrertätigkeit betrieb Ohm intensive Studien und Experimente auf dem Gebiet der Physik. Mit den Ergebnissen seiner Forschungen, die er an der Universität Erlangen einreichte, wurde er dort promoviert. Das Ohm'sche Gesetz, das er 1826 formulierte und das ihn als Physiker in die Geschichte eingehen ließ, blieb zu seiner Zeit jedoch noch weitgehend unbeachtet. Physikalische Vorgänge mathematisch präzise zu beschreiben, wie Ohm dies tat, war experimentell arbeitenden Wissenschaftlern fremd. Erst 1833, im Alter von 44 Jahren, wurden Ohms Leistungen als Wissenschaftler angemessen gewürdigt: Er erhielt eine Professur für Physik in Nürnberg.

Internationale Anerkennung erfuhr er 1841, als ihm die Copley-Medaille in London verliehen wurde – eine Auszeichnung, die dem heutigen Nobelpreis entspricht. Sehr spät, als Ohm 63 Jahre alt war, erfüllte sich sein Lebenstraum: Er wurde zum Professor für Mathematik und Physik an die Universität München berufen. Sein Wunsch, nach München zu gehen, war lange unerfüllt geblieben. König Max II. berief ihn schließlich zum Leiter der naturwissenschaftlichen Sammlung. Drei Jahre später wurde er Ordinarius für Physik. Doch diese berufliche Erfüllung war ihm nur kurze Zeit vergönnt. Mit 65 Jahren starb Georg Simon Ohm 1854. Die größte Ehrung wurde ihm Jahrzehnte nach seinem Tod zuteil: 1893 wurde das "Ohm" international als Einheit des elektrischen Widerstandes eingeführt und ist es bis heute geblieben.

Georg Simon Ohm erkannte mit den von ihm verfeinerten Messinstrumenten und sehr genauen Experimenten empirisch den Zusammenhang zwischen Spannung, Strom und Widerstand. Außerdem gelang es ihm, diesen Zusammenhang mathematisch abzuleiten. Diese Erkenntnisse sind bis heute gültig und Grundlage jeglicher Elektrophysik.

Ohm'scher Widerstand

Ein Ohm'scher Widerstand weist immer einen linearen Zusammenhang zwischen Spannung und Strom auf: Bei gleichbleibendem Widerstand und steigender Spannung erhöht sich der Strom linear mit der Spannung.

Das Ohm'sche Gesetz

Das Ohm'sche Gesetz beschreibt den Zusammenhang von Strom, Widerstand und Spannung und beinhaltet Formeln zur deren Berechnung. Sind zwei der drei Grundgrößen bekannt, kann die dritte berechnet werden. Dieses elementare Gesetz der Elektrotechnik ist heute weder aus der Starkstromtechnik noch aus der Mikroelektronik wegzudenken.

Die Lehre von der Akustik

Georg Simon Ohm führte auch wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der Akustik durch und begründete mit seinem Werk "Über die Definition des Tones" die Lehre von der Akustik. Ohm erkannte den Unterschied zwischen Ton und Klang: Einfache Töne begriff er als sinusförmige Schwingungen. Die Klangfarben erklärte er als ein Gemisch aus einem Grundton mit Obertönen. Für diese Erkenntnisse erhielt Ohm kaum Anerkennung, weil er - wie zuvor mit seinen Arbeiten zum elektrischen Widerstand - seiner Zeit weit voraus war.

Die Sendung aus dem Jahr 2007 gibt einen Vortrag von Prof. Dr. Bianca A. Hermann wieder.

Informationen zur Reihe

Die Reihe „München leuchtet für die Wissenschaft - Berühmte Forscher und Gelehrte“ vereinigt Vorlesungsaufzeichnungen und Dokumentationen aus den Jahren 2005 bis 2008 über herausragende Denker und Wissenschaftler. Dabei werden Leben und Schaffen berühmter Persönlichkeiten beleuchtet, deren Leistungen in besonderer Weise Wirkung entfalteten und bis in die Gegenwart hinein spürbar sind.

Die Bayerische Akademie der Wissenschaften veranstaltete zusammen mit dem Bayerischen Rundfunk und dem Kulturreferat der LH München, der LMU, der TU München und dem Deutschen Museum eine Vortragsreihe, in der berühmte Gelehrte - vom Mittelalter bis zur Neuzeit - und ihr gesellschaftliches sowie persönliches Umfeld in München vorgestellt wurden.


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