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München leuchtet für die Wissenschaft - Berühmte Forscher und Gelehrte Karl Ritter von Frisch - Vortrag

Karl Ritter von Frisch gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Verhaltensforscher. Für seine Forschungen über das Verhalten und die Sinnesleistungen der Honigbiene erhielt er 1973, u.a. gemeinsam mit Konrad Lorenz, den Nobelpreis für Physiologie und Medizin.

Von: Anette Kolb

Stand: 20.03.2014

Karl Ritter von Frisch | Bild: picture-alliance/dpa

Karl von Frisch, am 20. November 1886 in Wien geboren, begeisterte sich schon als kleines Kind für Käfer, Bienen, Frösche und Schmetterlinge. Schon während seiner Schulzeit hatte er in seinem Elternhaus in Wien 170 verschiedene Tierarten in Pflege. Die Sommer, die er mit seinen Eltern im Brunnwinkel am Wolfgangsee verbrachte, nutzte er für den Aufbau einer systematischen Tiersammlung. Als Gymnasiast begann er, die lokale Fauna zu sammeln und zu dokumentieren. Diese Sammlung führte er zeitlebens fort. Sie befindet sich noch heute in der Sommerresidenz der Familie im malerischen Brunnwinkel. Mit 24 Jahren, als Assistent am Zoologischen Institut in München, gelang ihm bereits der wissenschaftliche Durchbruch. Frisch erregte damals mit genauso einfachen wie genialen Versuchen in Wissenschaftlerkreisen Aufsehen: Er widerlegte die gängige Lehrmeinung, Bienen seien farbenblind.

Studium in der Alten Akademie

Der junge Karl von Frisch kam 1908 voller Tatendrang nach München, um bei dem bekanntesten Zoologen der damaligen Zeit, Richard Hertwig, in der Alten Akademie in der Neuhauser Straße Zoologie zu studieren. Zuvor hatte Karl von Frisch auf Wunsch seines Vaters in Wien Medizin studiert, doch nun erfüllte sich für ihn ein Traum. Hier in München konnte er endlich seiner eigentlichen Leidenschaft, die Zoologie, nachgehen. Ob er damals schon geahnt hat, dass er damit den Grundstein für eine große Forscherlaufbahn legte? Es gab immer wieder Zeiten, in denen Karl von Frisch München verlassen musste. Auf Wunsch des Vaters promovierte er in Wien, während des ersten Weltkriegs arbeitete er in einem Wiener Lazarett, später folgte er dem Ruf an die Universitäten Rostock und Breslau. Doch immer wieder kehrte er in die Alte Akademie nach München zurück. Hier wurde er Assistent, hier habilitierte er sich, hier gab er als außerordentlicher Professor Vorlesungen in vergleichender Physiologie und hier wurde er schließlich Nachfolger seines verehrten Lehrers Richard Hertwig. Der Garten der Alten Akademie war der Ort, wo er seiner Leidenschaft und Berufung nachging: Mit Blick auf die Frauentürme erforschte er unermüdlich das Verhalten der Bienen. Sein Forscherdrang erfüllte und beherrschte sein Leben. Selbst in seinen Flitterwochen machte er Bienenversuche: "Weil ich es schon nicht mehr ausgehalten habe ohne die Versuche, bei denen mir meine neu angetraute Frau helfen musste - das hat sie mir nie verziehen", sagte schmunzelnd Karl von Frisch einmal im Rückblick.

Der Farbensinn der Bienen

Karl von Frisch hatte erstmals 1910 während seiner Habilitation Aufsehen in Fachkreisen erregt: Er widerlegte die damals herrschende Meinung, Bienen seien farbenblind. Warum sollten ausgerechnet Bienen, deren "Beruf" es ist, farbenprächtige Blüten anzufliegen, farbenblind sein? Er konnte das nicht glauben und erfand eine Dressurmethode, bei der die Bienen dem Forscher klar verrieten, dass sie Farben unterscheiden können: Er legte Tafeln mit unterschiedlichen Graustufen aus, platzierte dazwischen eine blaue Tafel und bot den Bienen auf der blauen Tafel ein Schälchen mit Zuckerwasser an. Bald schon hatten die Bienen gelernt, dass Blau Futter bedeutet und flogen gezielt das Blau an, selbst wenn sich dort kein Futter befand. Dieses Experiment führte Karl von Frisch 1914 auf der Jahresversammlung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft in Freiburg vor. Die auf Blau dressierten Bienen flogen ausschließlich blaue Tafeln an. Und als sie sich auch noch auf der blauen Krawatte eines kritischen Beobachters niederließen, war auch der letzte Skeptiker vom Farbensinn der Bienen überzeugt.

Wie die Bienen miteinander reden

Am bekanntesten gemacht haben Karl von Frisch wohl seine Untersuchungen zur Verständigung der Bienen untereinander und die Aufschlüsselung der Bedeutung des Schwänzeltanzes. 1919 beobachtete Karl von Frisch erstmals den Tanz der Bienen und interpretierte ihn als Mitteilung über eine gefundene Futterquelle. Später konnte er nachweisen, dass die Bienen mit Hilfe des Tanzes ihren Stockgenossinnen die genaue Lage eines Futterplatzes mitteilen. Sowohl die Himmelsrichtung als auch die Entfernung werden exakt übermittelt. Die Erforschung der Bienensprache und die Entdeckung des "Schwänzeltanzes" machten ihn schließlich weltberühmt. Er erhielt viele Ehrungen und Auszeichnungen. Albert Einstein lud ihn zu Vorträgen nach Amerika ein. Karl von Frisch bekam zahlreiche Ehrendoktorgrade verliehen, unter anderem auch von der Harvard University. 1973 schließlich wurde er mit dem Nobelpreis für Medizin und Physiologie ausgezeichnet, gemeinsam mit Nicolaas Tinbergen und Konrad Lorenz. Karl Ritter von Frisch starb 1982 in München.

Die Sendung aus dem Jahr 2005 gibt einen Vortrag von Prof. Dr. Karl Daumer wieder.

Informationen zur Reihe

Die Reihe „München leuchtet für die Wissenschaft - Berühmte Forscher und Gelehrte“ vereinigt Vorlesungsaufzeichnungen und Dokumentationen aus den Jahren 2005 bis 2008 über herausragende Denker und Wissenschaftler. Dabei werden Leben und Schaffen berühmter Persönlichkeiten beleuchtet, deren Leistungen in besonderer Weise Wirkung entfalteten und bis in die Gegenwart hinein spürbar sind.

Die Bayerische Akademie der Wissenschaften veranstaltete zusammen mit dem Bayerischen Rundfunk und dem Kulturreferat der LH München, der LMU, der TU München und dem Deutschen Museum eine Vortragsreihe, in der berühmte Gelehrte - vom Mittelalter bis zur Neuzeit - und ihr gesellschaftliches sowie persönliches Umfeld in München vorgestellt wurden.


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