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Deutscher Historikertag 2014 Der Erste Weltkrieg und wir

Einhundert Jahre nach seinem Ausbruch findet der Erste Weltkrieg wie nie zuvor Beachtung. Über die Ursachen, die zu diesem Krieg geführt haben, herrscht nach wie vor keine Einigkeit.

Von: Anette Kolb

Stand: 14.11.2014

1914 brach der Erste Weltkrieg aus. Unter Bezugnahme auf den amerikanischen Historiker G. F. Kennan wurde er häufig als die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ charakterisiert.
Die Historiker Gerd Krumeich und Christopher Clark haben die komplexen politischen Beziehungen und Konflikte im Vorfeld des Krieges analysiert – aber sie kommen zu ganz unterschiedlichen Schlüssen über die Kriegsschuldfrage Deutschlands.


Christopher Clarks Buch "Die Schlafwandler" (2013) hat sich in Deutschland mit über 250.000 verkauften Exemplaren zum Bestseller entwickelt. Darin vertritt er die These, dass alle europäischen Regierungen eine Mitschuld am Kriegsausbruch tragen.
Gerd Krumeich weist in seinem Buch "Juli 1914" (2014) Deutschland und Österreich-Ungarn die Hauptschuld zu. War Christopher Clarks Neubewertung der Kriegsschuldfrage überfällig oder befriedigt sie, wie Gerd Krumeich formuliert, eine „deutsche Sehnsucht", als „großartige Nation im Innern Europas“ wieder eine „nette Geschichte“ zu haben?

Ist der Erste Weltkrieg überraschend über Europa hereingebrochen oder musste dieser schon Jahrzehnte früher befürchtet werden? Wo liegen die Wurzeln dieser europäischen Katastrophe, die als erster weltweiter Krieg in die Geschichte einging?

Die Referenten:

Es diskutieren Prof. Dr. Christopher Clark (li) und Prof. Dr. Gerd Krumeich (re); Moderation Prof. Dr. Johannes Paulmann

Christopher Clark lehrt als Regius Professor Neuere Europäische Geschichte am St. Catharine's College in Cambridge. Zu seinen Forschungsgebieten zählt die deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. 2010 erhielt er als erster nicht deutschsprachiger Historiker den Preis des Historischen Kollegs für sein Buch „Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600-1947“.


Gerd Krumeich war von 1990 - 1997 Professor für Geschichte des Romanischen Westeuropas an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Von 1997 bis 2010 hatte er den Lehrstuhl für Neuere Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf inne. Gerd Krumeich gilt als einer der Kenner der Vorgeschichte und Geschichte des Ersten Weltkrieges.

Sendereihe „Deutscher Historikertag Göttingen 2014“

Alle zwei Jahre treffen sich an wechselnden Orten Wissenschaftler, Studierende und Geschichtspädagogen zum Deutschen Historikertag, einem der größten geisteswissenschaftlichen Kongresse Europas. Veranstalter ist der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) in Kooperation mit dem Verband der Geschichtslehrer Deutschlands.
Als besonderen Online-Service bietet alpha-Campus hier die vollständige Langfassung der Diskussion, die im Fernsehen in einer gekürzten 30-min-Fassung zu sehen ist.


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