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Akademientag 2017 Luther und die deutsche Sprache

Wer einen „Lückenbüßer“ sucht, ein „Machtwort“ spricht oder anderen rät, ihr „Licht nicht unter den Scheffel zu stellen“, benutzt Begriffe und Redewendungen von Martin Luther.

Stand: 02.01.2018

„...kraftvoller, packender, reiner ausgeprägt sich auszusprechen als Luther ist nicht möglich“, bescheinigte die Schriftstellerin Ricarda Huch zu Beginn des 20. Jahrhunderts dem Reformator. Mit seiner Bibelübersetzung hat er entscheidend dazu beigetragen, dass sich die neuhochdeutsche Schriftsprache im deutschen Sprachraum durchgesetzt hat. „Man muss nicht die Buchstaben in der lateinischen Sprache fragen, wie man soll deutsch reden, sondern man muss die Mutter im Hause, die Kinder auf der Gasse, den gemeinen Mann auf dem Markt drum fragen und denselbigen aufs Maul sehen, wie sie reden, und danach dolmetschen“ so beschreibt Martin Luther selbst im Sendbrief vom Dolmetschen seine Aufgabe als Übersetzer.

Welchen Einfluss hatte Luther auf die deutsche Sprache und wie prägt er sie bis heute? Welche gesellschaftlichen und religiösen Erkenntnisse werden über Luthers Texte transportiert? Darüber diskutieren die Sprachwissenschaftlerin Anja Lobenstein-Reichmann und der Kirchenhistoriker Albrecht Beutel beim Panel auf dem Akademientag 2017 in Heidelberg. Es moderiert Andreas Gardt.

Gliederung des Vortrags von Prof. Anja Lobenstein-Reichmann

Mythen über Luther und die deutsche Sprache

  • Luther hat die deutsche Sprache geschaffen
  • Luther hat den Deutschen zur sprachlichen Einheit verholfen
  • Luthers Sprachgewalt

Gliederung des Vortrags von Prof. Albrecht Beutel

  • "Dem Volk aufs Maul geschaut"
  • Luther über Wesen und Gebrauch der Sprache
  • Luther und der kommunikative Charakter der Sprache

Gesprächsrunde Prof. Andreas Gardt, Prof. Albrecht Beutel, Prof. Anja Lobenstein-Reichmann (v.l.)

Die Sprachwissenschaftlerin Prof. Anja Lobenstein-Reichmann hat sich in verschiedenen Publikationen mit der Sprache Luthers beschäftigt. Sie ist Projektleiterin des Akademievorhabens Frühneuhochdeutsches Wörterbuch der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.

Albrecht Beutel ist Professor für Kirchengeschichte an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster und Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören Luther und die Reformation. Auch er hat zu Luthers Sprachverständnis publiziert.

Andreas Gardt, Professor für Germanistische Sprachwissenschaft und Sprachgeschichte an der Universität Kassel, ist Experte für die Geschichte der Sprachtheorie, für Text- und Diskursanalyse sowie für Sprache und politische und kulturelle Identität. Seit 2016 ist er Präsident der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

Die Sendereihe

Der “Akademientag“, die jährliche Gemeinschaftsveranstaltung der acht in der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften zusammengeschlossenen Einrichtungen, widmete sich 2017 dem Thema "Umbruch, Aufbruch, Vielfalt - Die Reformation und ihre Wirkungen". In Vortrags- und Gesprächsrunden diskutierten Expertinnen und Experten aus den Akademien Fragen zur Vielfalt und Einheit der Reformation in Deutschland, Europa und weltweit. Auf einer „Projektstraße“ präsentierten sich ausgewählte Forschungsprojekte zur Reformation.


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