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Angewandte Ethik Selbstbestimmung des Patienten am Lebensende

Wie kann die Autonomie des Menschen im Endstadium seines Lebens aus juristischer und ethischer Sicht verstanden werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Strafrechtler Christian Jäger von der Universität Erlangen-Nürnberg.

Von: Elke Hardegger

Stand: 16.05.2015

Deutlich wird dabei, dass das Selbstbestimmungsrecht des Patienten einer doppelten Bedrohung ausgesetzt ist: Zum einen kann der Wunsch des Patienten nach bedingungsloser Verlängerung des Lebens aus einer mangelnden ärztlichen Aufklärung entstanden sein, so dass er sich nicht darüber im Klaren ist, welche Beeinträchtigung das für seine Lebensqualität bedeutet. Zum anderen kann bei Entscheidungen, die auf Behandlungsabbruch gerichtet sind, der Wunsch nach Ausreizung des medizinisch Machbaren zu einer Vernachlässigung des Patientenwillens führen. Im Mittelpunkt muss daher immer derjenige Wille des Patienten stehen, der sich bewusst auf der Grundlage vollständiger Information gebildet hat.

Gliederung des Vortrags:

A: Die vier Prinzipien der Medizinethik
B: Gefährdungen des Selbstbestimmungsrechts

  • Entscheidungen, die auf eine bedingungslose Verlängerung des  Lebens gerichtet sind.
  • Entscheidungen, die auf einen Behandlungsabbruch gerichtet sind
  • Der schwierige Prozess der Willensermittlung
  • Das Problem der Odysseus-Anweisungen
  • Strafbarkeit und Straflosigkeit der Mitwirkung am Suizid

C: Resümee

Vita

Prof. Dr. Christian Jäger

Prof. Dr. Christian Jäger studierte Rechtswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er auch promovierte und habilitierte. 2003 nahm er einen Ruf der Universität Trier auf einen Lehrstuhl für Strafrecht und Strafprozessrecht an. In den Jahren 2007/2008 war Jäger Dekan des dortigen Fachbereichs. Ab Oktober 2008 erhielt er den Lehrstuhl für Strafrecht und Strafprozessrecht an der Universität Bayreuth. Von 2010 – 2013 war Christian Jäger Direktor der Forschungsstelle für Wirtschaftsstrafrecht, Unternehmens- und Medizinethik (FoWUM) und seit Oktober 2013 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht, Strafprozessrecht, Wirtschafts- und Medizinstrafrecht und Leiter der Forschungsstelle für Wirtschafts- und Medizinstrafrecht (FoWiMed) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Sendereihe "Angewandte Ethik"

Wie kommen Ethikkomitees in dringenden medizinischen Fragen zu einer Entscheidung? Ist der Mangel an Moral in der Finanzbranche für die Wirtschaftskrise verantwortlich oder ist das System an sich das Problem? Sollte die Meinung der Bürger in ethische Fragen der Wissenschaft einbezogen werden oder ist das kontraproduktiv? Diesen und weiteren Fragen der angewandten Ethik widmet sich eine Ringvorlesung, die vom Zentralinstitut für angewandte Ethik und Wissenschaftskommunikation (ZIEW) der FAU ausgerichtet wird.
Als besonderen Online-Service bietet alpha-Campus hier die vollständige Langfassung des Vortrags, der im Fernsehen in einer gekürzten 30-min-Fassung zu sehen ist.


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