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Angewandte Ethik Gut oder nützlich? Dilemmata der Wissenschaftsethik

Im Zuge der alles durchdringenden Ökonomisierung muss sich auch die Wissenschaft nicht nur inhaltlich als „gut“, sondern auch als „nützlich“ erweisen. Wie wirkt sich diese Entwicklung auf das Ethos der Wissenschaftler aus?

Von: Elke Hardegger

Stand: 13.06.2015

Bis in die 1960er und 1970er Jahre war das Wissenschaftler-Ethos bestimmt durch die Gebote der Wahrhaftigkeit, der Redlichkeit (oder Recht­schaffenheit) und der Vertrauenswürdigkeit. Im Zuge der zunehmenden Ökonomisierung der Wissenschaften muss sich Wissenschaft heute nicht nur inhaltlich als „gut“, sondern darüber hinaus auch als „nützlich“ erweisen. Das hat Konsequenzen für das Wissenschaftler-Ethos, da der Wissenschaftler jetzt nicht mehr nur gute wissenschaftliche Arbeit leisten, sondern auch in Konkurrenz zu anderen Akzeptanz für seine Arbeit schaffen muss (Wissenschaftsmarketing). Die Forderung nach Redlichkeit verträgt sich nicht immer mit der Forderung nach einem geschickten Wissenschaftsmarketing. Ein Ethos, das verlangt, verschiedenen Rollen gerecht zu werden, kann also in Dilemma-Situationen führen, die schwierig aufzulösen sind.

Gliederung

  • Wissenschaft als Argumentationsform
  • Wissenschaft als Institution
  • Von der Institution zum Individuum: Ethos als spezielle Verantwortung
  • Ethos des Wissenschaftlers: Wahrhaftigkeit, Redlichkeit und Vertrauenswürdigkeit
  • Ökonomisierung der Wissenschaften
  • Das „neue“ Wissenschaftler-Ethos

Vita

Dr. Rudolf Kötter

Dr. Rudolf Kötter ist seit 2005 Geschäftsführer des Zentralinstituts für Angewandte Ethik und Wissenschaftskommunikation der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der Wissenschaftstheorie der Naturwissenschaften und in der Angewandten Ethik (insbesondere Wirtschafts- und Bioethik).

Sendereihe "Angewandte Ethik"

Wie kommen Ethikkomitees in dringenden medizinischen Fragen zu einer Entscheidung? Ist der Mangel an Moral in der Finanzbranche für die Wirtschaftskrise verantwortlich oder ist das System an sich das Problem? Sollte die Meinung der Bürger in ethische Fragen der Wissenschaft einbezogen werden oder ist das kontraproduktiv? Diesen und weiteren Fragen der angewandten Ethik widmet sich eine Ringvorlesung, die vom Zentralinstitut für angewandte Ethik und Wissenschaftskommunikation (ZIEW) der FAU ausgerichtet wird.
Als besonderen Online-Service bietet alpha-Campus hier die vollständige Langfassung des Vortrags, der im Fernsehen in einer gekürzten 30-min-Fassung zu sehen ist.


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