ARD-alpha

Selbstbestimmt - Das Magazin Leben mit Behinderung

30.10.2020, Bayern, Würzburg: Julian Wendel, vom Verein WüSL - Selbstbestimmt Leben Würzburg e.V, fährt in seinem Rollstuhl über eine Rampe aus Legosteinen, die in eine Konditorei führt. Der Verein plant, innerhalb eines Jahres zehn Lego-Rampen in Würzburg aufzustellen. (zu dpa-KORR: " Freie Fahrt: Lego-Rampen für Rollstuhlfahrer") Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Karl-Josef Hildenbrand

Samstag, 20.03.2021
09:30 bis 10:00 Uhr

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2021

Rückblick und Ausblick: 1 Jahr Leben und Arbeiten mit der Pandemie
Die Evangelische Stiftung Neinstedt ist einer der größten Sozialdienstleister in Sachsen-Anhalt. Ihre Angebote richten sich an Menschen mit geistigen, körperlichen und seelischen Behinderungen. Bereits 2019 hat Moderator Martin Fromme die Stiftung besucht, Bewohner und Mitarbeiter kennengelernt. Unter anderem auch Heilerziehungspfleger Patrick Hage, der damals einen Kickboxkurs geleitet hat. Jetzt, knapp zwei Jahre später, schaut Martin Fromme wieder vorbei. Wie erleben die Menschen ihren Alltag seit Beginn der Pandemie? Welche Herausforderungen und Probleme müssen bewältigt werden? Außerdem besucht er das Büro für leichte Sprache und die neu eröffnete Tagesklinik für Menschen mit geistigen und seelischen Beeinträchtigungen.

Kampf um Hilfsmittel
Der dreijährige Korbinian aus Pfaffenhofen in Bayern leidet an einer schweren infantilen Cerebralparese mit Epilepsie. Er kann nicht sprechen, nicht krabbeln, nicht sitzen. Seine Eltern Carmen und Thomas Lechleuthner, beides Ärzte, kümmern sich um ihren Sohn. Trotzdem ist er auf viele teure Hilfsmittel angewiesen. Doch die Krankenkasse will diese oft nicht bezahlen. Um einen besonderen Stuhl für den Kindergarten musste die Familie fünf Monate kämpfen, auch einige lebenswichtige Medikamente will die Kasse nicht bezahlen. Carmen Lechleuthner will das nicht länger hinnehmen. Sie startet eine Petition gegen die Blockade bei der Versorgung Schwerstbehinderter durch die Krankenkassen. Scheinbar kein Einzelfall, denn mittlerweile haben über 26.000 Menschen die Petition unterschreiben.

Die neue Norm
Normen gibt es für fast alles: Papierformate, Gurken oder Rollstuhlrampen. Auch die Gesellschaft gibt Normen vor - und da passen scheinbar nicht alle Menschen rein. Genau deshalb wollen Judyta Smykowski, Raul Krauthausen und Jonas Karpa Normen hinterfragen und aufbrechen. Mit ihrem Onlinemagazin "Die neue Norm" wollen sie das Thema Behinderung in einen neuen Kontext setzen: "raus aus der Charity- und Wohlfahrtsecke, rein in den Mainstream, in die Mitte der Gesellschaft." Und alle drei wissen, wovon sie schreiben, da sie selbst mit Behinderungen leben. Ein Projekt der Sozialhelden e.V. aus Berlin.

Mit anderen Augen - Jennifer Sonntag zu Themen der Zeit

Inklusionsbotschafterin Jennifer Sonntag widmet sich dieses Mal einem ganz persönlichen Thema: ihrer Erblindung. Jahrelang hat sich die Autorin schwer getan, ihre Augen hinter einer dunklen Brille zu verstecken. Inzwischen jedoch ist sie an dem Punkt, die Brille phasenweise für sich zu akzeptieren. Modelle gibt es genug, doch es geht um einen weiteren Schritt in der Behinderungsverarbeitung - und um die Angst vor Rollenklischees und Stigmatisierungen.

Artikel 3 des Grundgesetzes verkündet: "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden." Doch wird diese abstrakte Norm tagtäglich umgesetzt - und wenn ja, wie? Die Sendung "selbstbestimmt!" geht dieser Frage nach, sei es in Arbeit und Beruf, in der Schule, an der Universität, beim Wohnen, beim Sport oder in der Kultur und Kunst. Selbstbestimmtes Leben, Selbstbestimmung über eigene Angelegenheiten im privaten und im gesellschaftlichen Bereich ist die berechtigte Grundforderung von Menschen mit Behinderung.

Redaktion: Gábor Toldy