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alpha-expedition Ostwärts - Eine Reise rund um Sotschi (1/2) Ostalgie an der russischen Rivera

Zum ersten Mal Russland! Julia Finkernagel (im Bild) zieht mit ihrem Rucksack und Kameramann Michael los nach Sotschi.  | Bild: BR/MDR/Mikhail Plotnikov

Mittwoch, 25.11.2020
20:15 bis 21:00 Uhr

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Deutschland 2016

Zum ersten Mal Russland! Julia Finkernagel zieht mit ihrem Rucksack und Kameramann Michael los nach Sotschi. Das Ziel ist nostalgisch: Urlaub in Sotschi war früher für viele Ostdeutsche das Höchste der Gefühle. Deshalb möchte Julia es ganz dringend als Reiseziel unter die Lupe nehmen. Zwischen dem Schwarzen Meer und den Gipfeln des Hohen Kaukasus wird sie erleben, was Russland außer Pelzmützen, Militäruniformen und fragwürdigen Gesetzen tatsächlich zu bieten hat. Ein paar Probleme gibt es allerdings: Julia kann kein Russisch, kennt sich nicht aus und hat kein Auto.

Die Lösung heißt Mischa Plotnikov. Geboren in Sotschi, kennt er den Kaukasus aus dem Eff-Eff. Und fährt einen alten Lada Baujahr 1980. So wird es nicht nur für Julia, sondern auch für Mischa eine ereignisreiche Reise voller Höhen und Tiefen, über dreitausend Höhenmeter vom Meeresspiegel bis ins Hochgebirge.

Die ersten Ausflüge zum Dendrarium und zum Markt unternehmen Julia und Mischa mit der Marschrutka, einem Sammelbus. Heute mit Bordverpflegung: eine fröhliche Russin besteht darauf, dass Julia ihre frischen Fehoa-Früchte probiert. Hier und sofort - notfalls wird sie zwangsgefüttert. Diese Überdosis Gastfreundschaft steckt Julia mit einer Prise Humor weg und steigt auf die Elektrischka um, also auf die Schiene nach Golovinka. Auf einer Tanzveranstaltung von Kischmay-Tscherkessen bekommt Julia einen ersten Vorgeschmack auf die vielfältigen Volksgruppen in Russland. Nachmachen erlaubt. Groß-Sotschi streckt sich über 150 Kilometer die Küste entlang – da bekommt der Begriff Stadtrundfahrt eine ganz neue Bedeutung.

Nachdem der Lada startklar ist, machen Julia und Mischa eine. Am Weißen Felsen bei Chosta schlagen sich die beiden durch den subtropischen Urwald zu einem rauschenden Fluss tief unten im Canyon. Wieder oben entdeckt Julia ein Seil über der zweihundert Meter tiefen Schlucht. Zwei Männer haben es über eine Winde an einem Auto befestigt, und nur wer Vertrauen in diese abenteuerliche Konstruktion hat, kann damit über dem Canyon schweben. In Macesta entspringt der Grund, warum Sotschi als Kurort zu Weltruhm gelangt ist. Stinkende Schwefelquellen, jedoch gut auszuhalten als milchiges Wadenbad. Julia und Mischa bekommen fröhliche Gesellschaft mit russischen Evergreens und von einer Runde kasachischer Rentner.

Nun zur Verpflegung. Die gibt es in einer Art Kantine, die bei den russischen Sanatoriumsgästen außerordentlich angesagt ist. Hier sind zwei Programmpunkte pfiffig kombiniert: Büffet und Disko. Nur Cluburlaub kann das noch toppen. Der Lada tuckert voll bepackt Richtung Norden. In den Bergen bei Solochaul pflanzte vor langer Zeit ein Visionär illegal importierte Teekrümel an. Es ist bis heute die nördlichste Teeplantage der Welt. Mischa bringt Julia zu einem rätselhaften Platz im Wald. Dort steht ein Dolmen – ein jahrtausendealter, aus einem einzigen Felsen geformter Würfel. Hier wurden geheimnisvolle Rituale abgehalten und die Sonnenwende gefeiert. Und es heißt, wer sich in die Felshöhle wagt und wieder heraus krabbelt, fühlt sich wie neu geboren. Julia braucht viel Kraft für ihre Weiterreise, da kann das nicht schaden.

Autor: Julia Finkernagel
Redaktion: Gábor Toldy