ARD-alpha

selbstbestimmt! Die Reportage Willi beinhart - Aufgeben geht gar nicht

Landwirt Hans-Willi Planz kämpft sich nach einem schweren Motorradunfall zurück ins Leben. | Bild: BR/MDR

Samstag, 07.11.2020
09:30 bis 10:00 Uhr

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"Manchmal denke ich, ich wäre lieber tot, dann hätte ich wenigstens meine Ruhe." Dieser Satz kam im letzten Jahr nicht selten aus dem Mund von Landwirt Hans-Willi Planz aus Seibersabach. Im Sommer 2015 war der "Bullenreiter aus dem Hunsrück" bei einem Motorradunfall so schwer verunglückt, dass er ein Bein verlor. Ein schwerer Schicksalsschlag. Monatelang kämpfte er nicht nur darum, wieder gesund zu werden und sich auf dem Hof mit seiner Prothese bewegen zu können, sondern auch um seine wirtschaftliche Existenz. Fast täglich flatterten Rechnungen ins Haus, die er nur noch begleichen konnte, indem er seine Bullen verkaufte, einen nach dem anderen, bis der Stall leer war.

Die Sorge vor dem Bankrott kostete ihn schlaflose Nächte – auch, weil die Versicherung des Unfallgegners bis heute noch keinen Cent bezahlt hat. Doch "Aufgeben, das geht gar nicht.", sagt sich der exzentrische Landwirt und kämpft sich auf seiner Prothese fast trotzig ins Leben zurück. Und tatsächlich: Ein Jahr nach dem Unfall sieht die Welt schon wieder anders aus.

Geld von der Versicherung kam zwar immer noch nicht, doch mittlerweile laufen schon die ersten Hofführungen wieder und dank einiger Spendengelder konnte er sogar wieder neue Jungbullen kaufen.

Und dann ist da noch Gabi, eine Möbelfachverkäuferin aus der Nähe von Koblenz und die neue große Liebe von Hans-Willi. Die beiden hatten sich in einer Disco kennengelernt und verbringen seitdem jede freie Minute miteinander. "Die ist wie ein Sechser im Lotto", sagt Hans-Willi. "Eine Frau zu finden, die nicht nur mich mag, sondern auch den Hof. Und all meine Probleme. Wir sind einfach füreinander bestimmt." Und vielleicht gibt Gabi dem Bullenreiter aus dem Hunsrück ja auch die nötige Energie, sich irgendwann wieder auf seine Bullen zu setzen.

Artikel 3 des Grundgesetzes verkündet: "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden." Doch wird diese abstrakte Norm tagtäglich umgesetzt - und wenn ja, wie? Die Sendung "selbstbestimmt!" geht dieser Frage nach, sei es in Arbeit und Beruf, in der Schule, an der Universität, beim Wohnen, beim Sport oder in der Kultur und Kunst. Selbstbestimmtes Leben, Selbstbestimmung über eigene Angelegenheiten im privaten und im gesellschaftlichen Bereich ist die berechtigte Grundforderung von Menschen mit Behinderung.

Autor: Christian Hattesen
Redaktion: Gábor Toldy