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alpha-retro: Amerika-Bilder alpha-retro Jugend in Amerika (1972)

1972: In den USA sind junge Menschen auf der Suche nach neuen Gesellschaftsformen, hier in der Kommune "Bruderschaft der Sonne". | Bild: BR

Freitag, 30.10.2020
22:35 bis 23:15 Uhr

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BundesRepublikDeutschland (historisch) 1972

Die Jugend in den USA Ende der Sechziger- und zu Beginn der Siebzigerjahre. Die beiden Autoren Jochen Richter und Luti Rüth lassen am Beginn keinerlei Unklarheit über das genauere Thema ihres Films aufkommen, den sie 1971 im Auftrag des Bayerischen Rundfunks erstellten. „Das Ausbrechen aus einem festgefügten aber auch festgefahrenen way of life rief die wahrscheinlich größte Jugendbewegung aller Zeiten hervor: die Reise der Blumenkinder in ihr selbstgezimmertes Glück.“

Die jungen Menschen zogen ihrer Ansicht nach aus unbewohnbar gewordenen Städten aus, „aus der Barbarei der Tankstellen- und Supermarktkultur, um die gute Mutter Erde wiederzufinden, die ihnen gelobtes Land und Nirwana zugleich werden sollte.“ Denn an der Beteiligung der USA am Vietnamkrieg hatten sich endgültig die Geister geschieden. Es ging vielen jungen Menschen in den USA von nun an nicht mehr um immer noch größeren Konsum sondern um Bewusstwerdung, um Bewusstseinserweiterung.

Man erhoffte sich Gesundung aus dem mythischen Gehalt der Natur und vor der politischen und gesellschaftlichen Realität floh man in die Verinnerlichung. Und so fing das an, was man später „New Age“ nannte. Da gibt es z. die Hausboot-Kolonie in Sausalito in unmittelbarer von San Francisco: friedliche Aussteiger, die aber auch gerne Rauschgift aller Art zu sich nehmen. Da gibt es die Kommunen, in denen die Menschen in selbstgebauten Hütten oder Zelten leben.

Und alle sind irgendwie auf spiritueller Suche wie z. B. die Landkommune „Bruderschaft der Sonne“ in den Bergen von Santa Barbara: Sie glauben an Jesus Christus und Buddha, arbeiten hart, beten viel und befolgen ein strenges Keuschheitsgebot. Und sie haben einen circa 50-jährigen Guru, der streng auf die Einhaltung dieser Lebensregeln achtet. Auf die Finanzen achtet er selbstverständlich auch. Wirklich typisch amerikanisch sind die Selbsthilfekliniken, in denen sich Ärzte in ihrer Freizeit um Drogenabhängige, um psychisch kranke Menschen oder auch um Menschen mit Geschlechtskrankheiten kümmern. Niemand muss in einer solchen Klinik befürchten, den Behörden gemeldet zu werden.

Autor: Jochen Richter, Luti Rüth
Redaktion: Martin Posselt