ARD-alpha

Gernstls kulinarische Ermittlungen Schweden

Freitag, 26.06.2020
16:30 bis 17:15 Uhr

  • Untertitel
  • Video bereits in der Mediathek verfügbar

ARD-alpha
2013

Die Sommer sind kurz, die Winter lang und dunkel, entsprechend beschränkt ist das Speisenangebot. Doch was heißt das für die schwedische Küche? In der zweiten Folge ermitteln Franz X. Gernstl, Kameramann H. P. Fischer und Tonmann Stefan Ravasz nördlich des 55. Breitengrads. Mit dabei ist Linda Karlsson.

Die schwedische Journalistin wird dem Team zeigen, was es außer dem Nationalgericht „Köttbullar“ sonst noch gibt. Aber ohne Köttbullar geht es nicht. „Denn alle Schweden essen es“, sagt Linda. „Immer und die ganze Zeit.“ Den Beweis tritt Oscar Fernandez-Selg an. Der Chefkoch des Restaurants „Tranan“ in Stockholm hat das Gericht von der Speisenkarte genommen. Bewirkt hat es: nichts.

Die Gäste bestellen es einfach weiter. Und den Köchen bleibt nichts anderes übrig, als jeden Tag Fleischbällchen zu rollen. Drei Tonnen pro Jahr. Dabei sind Köttbullar prinzipiell nichts anderes als Fleischpflanzerl: Hackfleisch von Schwein und Rind, eingeweichtes Toastbrot, Eier und Zwiebeln. Fertig. Die nächste Station führt raus aufs Land. Dort lebt der Rockstar Stefan Sundström. Lange schon macht er sich Gedanken über den Umgang mit Lebensmitteln. „Unser kulinarisches Selbstbewusstsein wächst.

Inzwischen sind wir verrückt nach natürlichen Lebensmitteln.“ Sein ganzer Stolz ist das eigene Gewächshaus mit Tomaten. Die riesigen Supermärkte Schwedens erzählen andere Geschichten. „In Schweden“, stellt Gernstl fest, „könnte man sich komplett aus Tuben ernähren“. Shrimps, Fisch, Schinken, Käse, Kaviar – alles abgepackt in Blech.

Es geht weiter nach Väddo nördlich von Stockholm. Hier lebt „Sheriff“ Leif Strandberg. Der USA-Fan macht Franz mit „Surströmming“ vertraut. Vergorener Hering oder einfach: „Stinke-fisch“. Während sich Strandberg den faulig riechenden Inhalt schmecken lässt, lässt sich Gernstl zu einer Kostprobe überreden. Sein vernichtendes Urteil lässt nicht lange auf sich warten.

Kaum anzunehmen, dass Ruben Madsen daran etwas ändern könnte. Aber der Mann gilt als „Stinkefischkönig“ Schwedens und hat sich vorgenommen, zu beweisen, dass Surströmming auch schmackhaft zubereitet werden kann. Und tatsächlich: Garniert mit dem, was Madsen auf der Motorhaube seines alten Rolls-Royce ausbreitet, wird der vergorene Fisch plötzlich zur Delikatesse. „Super“, urteilt Gernstl.

Im Nordwesten liegt das Land der schwedischen Ureinwohner, der Samen. Nur sie besitzen das Recht, Rentiere zu halten. Lennart Blindh ist einer von ihnen. Auf die 150 Samen in der Region kommen rund 20 000 Rentiere, die sich frei in der Wildnis bewegen können. Hergestellt wird aus den Hirschen zum Beispiel geräucherter und getrockneter Schinken. Das Fleisch ist dunkel und erinnert an Bündner Fleisch. „Und schmeckt auch so“, stellt Gernstl fest. An Schwedens Westküste trifft das Team die Karlssons. Die Fischerfamilie hat sich auf Austern spezialisiert. Rund 60.000 Stück ernten sie jedes Jahr.

In Göteborgs Fischmarkt, der sogenannten „Fischkirche“, enden Gernstls kulinarische Ermitt-lungen in Schweden. Sein Fazit: Abgesehen von „Köttbullar“, das eine Möbelkette bekannt gemacht hat, ist das Land aus deutscher Sicht kulinarisch kaum erschlossen. Doch wer sich auf die ungewöhnlichen Spezialitäten einlässt und vor allem weiß, wie man sie richtig zubereitet, wird nicht nur einmal positiv überrascht.

Autor: Franz Xaver Gernstl
Redaktion: Ulrich Gambke