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Newton 40 Jahre Ars Electronica – Roboter und die schöne neue Welt der Künstlichen Intelligenz

Grafik einer Mensch-Maschine Abstraktion | Bild: colourbox.com

Montag, 16.09.2019
14:30 bis 15:00 Uhr

ARD-alpha
2019

Moderation: Matthias Euba

1979 eröffnete ein Roboter in Linz die erste Ars Electronica. Seit 40 Jahren begleitet und analysiert das Festival für Technologie und Gesellschaft die Bedeutung der digitalen Revolution. „Was bedeutet das für unser Menschenbild, für unser Weltbild, wenn wir menschliche Eigenschaften und Kompetenzen auf Maschinen übertragen?“, fragt Gerfried Stocker, künstlerischer Leiter der Ars Electronica. Und weiter: „Wir wollen unsere Besucherinnen und Besucher ‚AI-fit‘ machen!“ Mit der neuen Ausstellung im Ars Electronica Center, die unter dem Titel „Compass – Navigating the Future“ in die Welt der Künstlichen Intelligenz führt.



„Die Menschen fürchten sich vor den falschen Dingen“, warnt Roboterpsychologin Martina Mara. „Die Darstellung von Robotern als emotionale, soziale Wesen ist völlig falsch. Es gibt keine Roboter mit Bewusstsein, eigenen Intentionen und Wünschen.“ Denn die Maschinen werden von Menschen mit Daten gefüttert, aus denen sie lernen. Und übernehmen so auch Vorurteile und Diskriminierungen, die in der Praxis schon jetzt relevant sein können.

„Welche Therapie bekomme ich? Werde ich eingeladen zum Job-Interview oder nicht? Gewährt mir die Bank den Kredit oder nicht? Und da müssen wir uns sehr gut überlegen, wie diese Systeme zu ihren Entscheidungen kommen und aus welchen Daten sie lernen zu entscheiden,“ betont Martina Mara.

„Newton“ besuchte einen Pionier des Maschinellen Lernens, Sepp Hochreiter, auf dessen Erfindung Sprachsteuerungssysteme wie Alexa beruhen. „Künstliche Intelligenz kann jeden Blödsinn lernen!“, sagt Hochreiter und verweist auf einen Test in den USA, wo eine KI Gerichtsurteile fällte und das Strafausmaß von Menschen mit schwarzer Hautfarbe viel höher ausfiel als das von jenen mit weißer Hautfarbe.

In vielen Bereichen ist die Künstliche Intelligenz bereits angekommen. Beispiel Medizin: „Newton“ besuchte Haut- und Augenärzte, die schon jetzt mit Künstlicher Intelligenz Hautkrebs oder Netzhauterkrankungen diagnostizieren – besser als dies Menschen können. Sind die Maschinen aber auch die besseren Mediziner/innen? Können sie den Menschen in seiner Gesamtheit betrachten?

Das Projekt „Roboy“ der Technischen Universität in München hat das ehrgeizige Ziel, bis 2050 einen humanoiden Roboter zu konstruieren, der genauso funktional ist wie der menschliche Körper. Der sich nicht nur bewegen kann wie ein Mensch, sondern auch sehen, hören und interagieren kann. Gerfried Stocker: „Die größte Herausforderung an die Künstliche Intelligenz ist nicht die technische, sondern die ethische, moralische, menschliche, wie wir die Werte des Humanismus auch weiter in so einer Welt behaupten und in diesen Systemen transferieren.“

Redaktion: Gábor Toldy