ARD-alpha

Bayern erleben Geheimnisvolles Schloss Neuschwanstein

Sonntag, 15.09.2019
20:15 bis 21:00 Uhr

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  • Video bereits in der Mediathek verfügbar

ARD-alpha
2019

Aus dem Kindertraum eines jungen Prinzen wird das aufregendste Bauvorhaben der Welt.
Kurz nach seiner Thronbesteigung befindet Ludwig II., der stets sehr kurz von seinem sparsamen Vater gehalten wurde: „Ich möchte, dass alle unnötige Knauserei aufhört!“

Bisher unbekannte Fotos von der Großbaustelle, intime Tagebucheinträge des jungen Ludwig und unveröffentlichte Beschreibungen des Dorfchronisten belegen die Einzigartigkeit von Schloss Neuschwanstein, geben Einblicke in die Detailversessenheit des Bauherrn und erlauben einen Blick hinter die Kulissen des wahr gewordenen mittelalterlichen Traums. Heute ist das bekannteste Bauwerk Bayerns untrennbar mit dem Schicksal seines Erbauers König Ludwig II. verbunden.

"Der plötzliche Tod des Königs hat dem Schloss einen fulminanten Start in seiner Karriere als Touristenattraktion beschert." sagt Ludwig, Prinz von Bayern, ein Verwandter des Märchenkönigs. "Es ist eine gebaute Fantasie. Man ist nicht in einem Haus, man ist in einem Traum."

Schon bei der Erbauung wirkt das Schloss wie aus der Zeit gefallen. Es ist die perfekte Symbiose aus High-Tech und Mittelalter. Der Bauherr will durch das phantastische Bauvorhaben der Realität seiner Amtsgeschäfte entkommen. Das Gefühl, nicht verstanden und akzeptiert zu werden, lässt den Monarch in immer entrücktere Traumwelten abgleiten. Neuschwanstein wird zu seinem letzten Refugium. Hier speist der persönliche Freund des Komponisten Richard Wagner mit den Sagenfiguren aus dem Nibelungenlied und schläft unter den wachsamen Augen Tristan und Isoldes.

Es bleibt dem Erbauer verwehrt, seinen Palast im vollendeten Zustand zu bewohnen. Am 12. Juni 1886 wird Ludwig abgeholt. Es regnet, Ludwig wirft noch einen letzten Blick zurück auf sein Traumschloss. Dass der König von Bayern gerade hier verhaftet und entmachtet wird, trägt zur Mystifizierung des Ortes bei. Der rätselhafte Tod im Starnberger See wenige Tage später macht den Märchenkönig endgültig zur Legende. 6 Wochen nach seinem Tod wird das Schloss für Besucher geöffnet, auch um zu beweisen, wie "verrückt" der König war.

Für Jahrzehnte liegt das Schloss im Dornröschenschlaf. Zwei Weltkriege übersteht es unbeschadet, obwohl es von den Machthabern des Dritten Reichs als Lager für Raub- und Beutekunst missbraucht wird.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges erreichen US-Truppen Neuschwanstein. Bald findet sich das Schloss auf der Liste der Sehenswürdigkeiten aller in Deutschland stationierter GIs. Und so kommen Fotos vom bayerischen Traum-Schloss in die Wohnzimmer vieler Amerikaner. Das Schloss wird zum Symbol für ein anderes Deutschland. Wer Neuschwanstein sieht, wird nicht an den Nationalsozialismus, sondern an eine bessere Welt erinnert.


Gesprächspartner:
- Ludwig Prinz von Bayern
- Marcus Spangenberg, Kunsthistoriker und Journalist, Ludwig Biograf
- Dr. Gerhard Immler, Leiter Geheimes Hausarchiv
- Dr. Uwe Gerd Schatz, Referent Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung
- Magnus Peresson, Heimatforscher, Architekt, ehemaliger Schlossführer
- Ruth Michelbach, Stadtarchiv Füssen
- Martina Neuner, Schlossführerin
- Viktoria Jung, Dipl. Restauratorin

Redaktion: Andrea Bräu