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alpha-retro: "Sedlmayrs Reisen: Griechenland und Portugal" alpha-retro: 1982 - Walter Sedlmayr in Portugal Einmal Portugal und zurück

Walter Sedlmayr in Portugal. | Bild: BR

Samstag, 10.08.2019
21:00 bis 21:45 Uhr

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1982

Walter Sedlmayr beginnt seine Reise im Norden Portugals, der sich – weit weg von Lissabon - noch ganz ursprünglich zeigt. Aber Sedlmayr warnte schon damals, dass das nicht mehr lange so bleiben wird. Er zeigt Fischer, die an der Atlantikküste mit doch arg kleinen Booten zum Fang hinausfahren und bei ihrer Rückkehr mehr oder weniger vom gesamten Dorf empfangen werden. Sie bringen Sardinen mit, die dann von den Frauen für den Winter eingesalzen und vier Wochen lang in der Sonne getrocknet werden. Und genau so, sagt Sedlmayr, würde dieser Fisch dann auch schmecken: wie vier Wochen gesalzen in der Sonne getrocknet. Auf dem Weg nach Lissabon besucht er dann mit seinem Team auch einen Stierkampf, der ihm viel erträglicher erscheint wie ein ebensolcher in Spanien, denn in Portugal dürfen die Stiere am Ende der Vorstellung am Leben bleiben – sagt man. Und den Mut der Freiwilligen, sich vom Stier auf die Hörner nehmen lassen, empfindet er jedenfalls als bemerkenswert. Zu Bildern vom Hieronymus-Kloster in Belem, einem Stadtteil von Lissabon, erzählt Sedlmayr kurz aus der Geschichte Portugals: wie es für knapp zwei Generationen an der Schwelle vom 15. zum 16. Jahrhundert eine Weltmacht darstellte, um bald darauf komplett verarmt zu sein und nur mehr eine Millionen Einwohner zu haben. Aber Wehmut und Trauer, sagt Sedlmayr, sind Stimmungslagen für die höheren Einkommensschichten. Die einfachen Leute in Portugal hätten dafür keine Zeit, sie müssen sich ums tägliche Leben kümmern. Und doch, der Fado, die Liedform Portugals schlechthin, stelle eigentlich nichts anderes dar als die Lust am traurig sein. Zu eben diesen Klängen fängt dann Kameramann Ludwig Wüchner wunderbare Bilder aus der Altstadt von Lissabon ein: enge aber enorm pittoreske Gassen, in denen hoch oben die Wäsche trocknet an Leinen, die von einer Gassenseite zur anderen gespannt sind, in denen Frauen wie gemalt in Fenstern und Türstöcken lehnen, in denen Licht und Schatten ein wunderbares Spiel treiben und in denen man immer wieder auf Wandmalereien trifft, die von der tiefen Religiosität der Portugiesen künden. Am Ende, als wäre das alles noch nicht romantisch genug, macht sich Sedlmayr auf in eines der weißen Dörfer im Süden Portugals und damit am Rande Europas. Fast erschrocken über die dabei eingefangenen Bilder aus blauem Meer und weiß gekalkten Häusern mit grünen Türrahmen bezeichnet er sich und sein Team als Nostalgie-Voyeure und bittet um Vergebung, dass er sich mit der Frage nicht beschäftigt hat, ob Portugal in die EG – so hieß die EU damals – eintreten solle oder nicht und dass er all die sonstigen Sehenswürdigkeiten Portugals einfach links liegen gelassen hat. Aber er wollte ja ohnehin nur den Alltag der kleinen Leute darstellen – sieben Jahre nach der Nelkenrevolution, mit der die jahrzehntelange Diktatur in Portugal beendet worden war.

Redaktion: Annette Siebenbürger