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Quarks Ausgetrickst – Warum unser Gehirn so gerne online ist

Moderatorin Mai Thi Nguyen-Kim. | Bild: BR/WDR/Linda Meiers

Freitag, 24.05.2019
17:00 bis 17:45 Uhr

ARD-alpha
2019

Moderation: Mai Thi Nguyen-Kim

Wir verbringen immer mehr Zeit im Internet, jeder Deutsche im Schnitt über 3 Stunden am Tag, die Jüngeren (14-29 Jahre) sogar fast 6 Stunden (ARD/ZDF-Onlinestudie 2018). Ein Griff zum Handy und wir sind mit der ganzen Welt verbunden. Aber ganz schön oft greifen wir völlig ohne Grund und Ziel zum Handy, einfach automatisch, aus Gewohnheit, und verbringen viel mehr Zeit im Netz als wir wollten. Das hat einen einfachen Grund: Unser Gehirn kann nicht anders. Programme, die schon zu Jäger-und-Sammler-Zeiten auf unsere neuronale Festplatte geschrieben wurden, treffen jetzt auf die digitale Welt. Quarks erklärt, was dabei passiert.

Dopamin spielt eine Schlüsselrolle. Mai Thi Nguyen-Kim erzählt von einem dramatischen Fall eines Parkinson-Patienten, der die Kontrolle über seine Internetnutzung und irgendwann über sein ganzes Leben verliert. Eine Nebenwirkung von Parkinson-Medikamenten, die in den Dopamin-Haushalt im Gehirn eingreifen und über die viele Patienten nicht gut aufgeklärt sind. Die Folge: Sie können ihre Impulse nicht mehr kontrollieren und entwickeln Verhaltenssüchte - eben auch nach digitalen "Versuchungen" wie Online-Shopping oder Cyber-Sex.

Unsere Impulskontrolle entwickelt sich erst in der Pubertät. Danach können wir besser urteilen und riskantes Verhalten vermeiden. Aber während der Pubertät ist das Gehirn eine einzige Baustelle und deshalb besonders anfällig für unkontrollierte Onlinenutzung.

Was es heißt, wenn das zu einer Onlinesucht führt, zeigt Quarks im LWL-Klinikum Gütersloh, wo Onlinesüchtige behandelt werden. In Deutschland waren 2015 rund 270.000 Jugendliche gefährdet, so eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die WHO wird in diesen Tagen entscheiden, Onlinesucht offiziell zu einer klinischen Erkrankung zu erklären (20.-28.Mai in Genf: World Health Assembly).

Redaktion: Gábor Toldy