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Demokratie - was sonst? Kunst gegen Staatsmacht Der russische Künstler Pawlenski

Der russische Politkünstler Pjotr Pawlenski wählt drastische Aktionen, um der Welt zu zeigen, wie es in seinem Land um Meinungsfreiheit und politische Teilhabe bestellt ist. Hier auf der Brücke in St. Petersburg bei der Aktion "Freiheit". | Bild: BR/Lichtfilm/SWR

Mittwoch, 15.05.2019
20:15 bis 21:15 Uhr

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2018

2012 erregt der russische Politkünstler Pjotr Pawlenski international Aufsehen, als er sich den Mund mit einem groben Faden zunäht, um in St. Petersburg den verurteilten Mitgliedern von "Pussy Riot" seine Solidarität zu bezeugen. Künstler - so will er zeigen - seien in Russland zum Schweigen verurteilt. Im November 2013 setzt er sich nackt auf den Roten Platz in Moskau und nagelt seinen Hodensack fest. Die Aktion steht für politische Gleichgültigkeit in der russischen Gesellschaft.

Bei den meisten Aktionen liegt Pawlenski nur da, steht oder sitzt. Aktiv sind die Vertreter der Macht, wenn sie ihn wegschleppen, sich in Stacheldraht verheddern, seine Nacktheit zu bedecken versuchen. Groteske Szenen. Erste Versuche, den Künstler anzuklagen, verlaufen im Sand. Eine Ärztin weigert sich, ihn für unzurechnungsfähig zu erklären. Ein Untersuchungsrichter ist so fasziniert, dass er statt eines Verhörs ein lockeres Gespräch über Kunst und Politik mit ihm führt. Pawlenski hat es heimlich aufgezeichnet.

2014 zündet er mit Helfern Reifen auf einer Petersburger Brücke an, sie schwenken die ukrainische Fahne, um die Maidan-Bewegung zu unterstützen. Anklage wegen Vandalismus. Als er im November 2015 die Tür des FSB (früher: KGB) anzündet, wird ein zweiter Prozess in Moskau gegen ihn angestrengt. "Das Tor zur Hölle brennt nicht" - der Angriff auf den russischen Geheimdienst hat sein Tor zur Außenwelt erstmal verschlossen.

Mit Mut und Ausdauer ist die Autorin Irene Langemann 2015 und 2016 nach Russland gereist, um Pjotr Pawlenski in Freiheit und während seiner Zeit in Haft zu begleiten. Wer ist dieser Mann, der für Freiheit kämpft um den Preis seiner eigenen? Dank Originalprotokollen von Gerichtsverhandlungen sind der Autorin entblößende und amüsant-groteske Szenen gelungen, die den Kampf eines einzelnen Künstlers gegen den Staatsapparat zeigen.

Redaktion: Gábor Toldy