ARD-alpha

alpha-retro: Ostseeküste alpha-retro: Die Ostseeküste zwischen Wismar und Wolgast (1977) Kulturlandschaften der DDR

Der Kunsthistoriker Gottfried Sello reiste im Jahr 1977 im Auftrag des HR durch einige Ostseeküstenstädte der DDR: u.a. durch Stralsund, Rostock, Heiligendamm. Auch in der DDR ging es nach den Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg um die Frage, wie man die architektonische Vergangenheit erhalten könne, ohne die zerstörten Gebäude lediglich zu rekonstruieren. Sello besuchte auch den Bildhauer Wolfgang Eckardt und das Stadtmuseum in Greifswald, der Geburtsstadt von Caspar David Friedrich. | Bild: BR/HR

Samstag, 12.01.2019
20:40 bis 21:25 Uhr

ARD-alpha
BRD 1977

Mit dem geschulten und ideologiefreien Blick des Kunsthistorikers reiste Gottfried Sello im Jahr 1977 im Auftrag des Hessischen Rundfunks durch Ostsee-Küstenstädte der DDR. Er besuchte Stralsund, Rostock, Warnemünde, Greifswald, Sellin auf Rügen, Heiligendamm, also die „weiße Stadt am Meer“, Sassnitz usw. Sein Augenmerk galt dabei u.a., wie die DDR die stadtplanerische Aufgabe, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg stellte, hier gelöst hat. Auch in der DDR lautete diese: „Wie kann man die architektonische Vergangenheit für die Zukunft erhalten, ohne die zerstörten Gebäude zu rekonstruieren?“ In der Langen Straße in Rostock hatte man sich beim Wiederaufbau der beinahe komplett zerstörten Innenstadt für den Backstein entschieden, dem typischen Material der Hansestädte. Sello meinte dazu, hier sei glücklicherweise keine Pseudo-Gotik praktiziert worden und die Lange Straße vermittle stattdessen daher bis heute etwas von hanseatischer Kühle und Zurückhaltung. Neben vielen Kirchen und Rathäusern usw. und deren Fassaden setzte sich Sello auch mit einem Phänomen auseinander, das im Westen unbekannt war, dem so genannten Betriebskünstler. Hierfür besucht er den bekannten Bildhauer Wolfgang Eckardt in seinem Atelier, der damals gerade dabei war, sein berühmtestes Werk zu schaffen: die „Gedenkstätte revolutionärer Matrosen“ am Rostocker Stadthafen. Eine kunsthistorische Betrachtung der Ostseeküstenstädte kommt selbstverständlich nicht um das Thema Caspar David Friedrich herum. Sello besucht daher in Greifswald, der Geburtsstadt von Friedrich, das damalige Stadtmuseum (heute Pommersches Landesmuseum), in dem mehrere Zeichnungen von Friedrich hingen und bis heute hängen. Und es hängt bis heute in diesem Museum ein Hauptwerk von Friedrich, nämlich das Bild „Ruine Eldena im Riesengebirge“.

Redaktion: Martin Posselt