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alpha-thema: 100 Jahre Ende Erster Weltkrieg Macht der Bilder - Lüge und Propaganda im Ersten Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg war nicht nur die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, er war auch der erste Film- und Medienkrieg der Geschichte. Bereits im Sommer 1914 erkannten alle am Krieg beteiligten Mächte die enorme Bedeutung von Film und Fotografie, wenn es darum ging, die Emotionen ihrer Betrachter in diese oder jene Richtung zu beeinflussen. Der Film von Günter Kaindlstorfer nach Recherchen von Karin Moser offenbart den Bauplan einer Maschinerie, die als "Propaganda" in die Geschichte einging. Anlässlich des 100. Jahrestages des Attentats von Sarajevo mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien am 28. Juli 1914. Im Bild: Stacheldrahtverhaue an der Front. | Bild: BR/ORF/Österreichisches Staatsarchiv

Montag, 12.11.2018
21:00 bis 21:45 Uhr

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Österreich 2014

Der Erste Weltkrieg - das "Urtrauma des Zwanzigsten Jahrhunderts" - war der erste Film- und Medienkrieg der Geschichte. Ob an Isonzo, Weichsel oder Somme: Im Völkergemetzel des "Großen Kriegs" kam dem neuen Medium des Films - auch in den Augen der Militärs - eine überragende propagandistische Bedeutung zu.

"Ein guter Film wird heute von zehn bis zwölf Millionen Menschen gesehen", konstatierte der k. und k.-Propagandachef Wilhelm Eisner-Buba im Lauf des Krieges: "Kein anderes Propagandamittel setzt den Staat so sehr in die Lage, auf die breiten Massen einzuwirken, wie der Film."

Und so setzten sämtliche am Krieg beteiligten Mächte von Anfang an auf die Manipulations- und Suggestionskraft der bewegten Bilder. Im neuen Medium der "Wochenschau sollte einerseits die "Heimatfront" mobilisiert werden, zum anderen versuchte die staatlich gelenkte Propaganda auch die Soldaten an den Fronten zu erreichen: Mit enormem Aufwand wurden "Feldkinos" zum Teil an die vordersten Kampflinien transferiert.

Dabei hatten alle Filmberichterstatter, egal auf welcher Seite sie im Einsatz waren, mit denselben Problemen zu kämpfen: Die Kameras waren sperrig und unbeweglich, das Filmmaterial wenig lichtempfindlich, die Produktion authentischer Kampfbilder erwies sich als schwierig. Und so wurden "Kampfaufnahmen" in der Regel im Zuge von Manövern gedreht oder mit uniformierten Statisten reinszeniert. Heute geht man davon aus, dass maximal 20 Prozent des Filmmaterials aus dem Ersten Weltkrieg tatsächliche Kriegshandlungen zeigt. Der Rest ist - gefälscht.

Ein Medium, das die Gräuel des Krieges authentischer zu dokumentieren vermochte als der Film, war die Fotografie. Die erschütternden Aufnahmen, die Fotografen an den Fronten machten, zeigen all das, was in den zeitgenössischen Filmen nicht zu sehen ist: die Bestialitäten des Stellungskriegs und das Elend in den Unterständen, die Entbehrungen des Gebirgskampfs und das allgegenwärtige Leid in den Lazaretten, brennende Dörfer, an Laternenpfählen hängende "Vaterlandsverräter" und zerfetzte und zerstückelte Leichname auf den Schlachtfeldern Flanderns, Galiziens und Nordfrankreichs.

Die Dokumentation zeigt neues, im deutschsprachigen Raum größtenteils noch nicht veröffentlichtes Filmmaterial aus dem "Filmarchiv Austria" sowie aus deutschen, dänischen, italienischen, norwegischen, russischen, serbischen und ungarischen Archiven. Außerdem präsentiert der Film beeindruckendes Fotomaterial aus dem Ersten Weltkrieg, das die Zeiten bisher unbeachtet in den Magazinen des "Österreichischen Staatsarchivs" überdauert hat.

Zudem kommen renommierte Historiker wie Christopher Clark, Manfried Rauchensteiner, Wolfgang Maderthaner, Anton Holzer, Hannes Leidinger, Karin Moser, Thomas Ballhausen, Wolfram Dornik und Julia Walleczek zu Wort.

Redaktion: Gábor Toldy