ARD-alpha

Newton Coronavirus – eine Bedrohung aus der Wildnis

Neues Coronavirus | Bild: picture-alliance/dpa

Montag, 01.06.2020
14:30 bis 14:50 Uhr

  • Untertitel

ARD-alpha
2020

Moderation: Matthias Euba

Über die Herkunft des Corona-Virus SARS-CoV-2 und die Entstehung der ersten schweren Atemwegserkrankungen gab es in den vergangenen Monaten verwirrende Informationen. Selbst angesehene Wissenschaftler verirrten sich in wilden Theorien.
Die Reportage von Harald Pokieser und Manfred Christ stellt klar, was man über den Ursprung und die Entstehung des Virus bis jetzt gesichert herausfinden konnte – und was getan werden muss, um die nächste Pandemie zu verhindern. Impfungen werden nicht ausreichen.

In New York kommt der Veterinärmediziner Chris Walzer zu Wort, als Repräsentant der einflussreichen Wildlife Conservation Society, in Bangkok der Ethnologe Clemens Grünbühel, Südostasienexperte des Stockholm Environment Institute und in Peking Jinfeng Zhou, Generalsekretär der größten Umweltschutzorganisation Chinas und Mitglied des Club of Rome.

Wie das Virus von einer Fledermaus aus dem Wald in eine chinesische Stadt gelangte, dort erstmals auf einen Menschen übertragen wurde und schließlich eine Pandemie auslöste, ist eine abenteuerliche, aber auch bedenkliche Geschichte. Denn erst die Zerstörung der Lebensräume von Wildtieren und der globale Handel hat die Entstehung und Verbreitung des Virus möglich gemacht.
Das größte Problem sind die asiatischen Märkte. In China wurden sämtliche Märkte, die Wildtiere zu Speisezwecken angeboten haben, bereits geschlossen – landesweit und zeitlich unbegrenzt – angeblich für immer. Vietnam hat sich dem chinesischen Verbot mittlerweile angeschlossen.

Neben dem Handel mit Wildtieren als Nahrungsmittel gibt es jedoch noch andere kritische Geschäftsfelder: Den Handel mit Wildtieren, die wegen ihres Pelzes gezüchtet werden, den Handel mit Wildtieren, die als Haustiere gepflegt werden und jenen mit Teilen von Wildtieren als vermeintliche Medizin. Diese Geschäfte finden weiterhin statt.

Chris Walzer, Executive Director of Wildlife Health der Wildlife Conservation Society, warnt: Es existiere ein komplexes System von Verbindungslinien zwischen den Wildtieren, den Ökosystemen und der menschlichen Gesellschaft. Besonders gefährlich werde es, so Walzer, wenn Menschen immer weiter in die Lebensräume der Tiere eindringen oder sie zerstören würden. Die WHO schätzt, dass etwa 60 Prozent aller Viren, die imstande sind, Menschen zu infizieren, von Tieren stammen. 75 Prozent aller neuen Infektionskrankheiten der vergangenen zehn Jahren wurden durch Tiere übertragen.

Walzer: „Es geht darum, die Politik auf internationaler Ebene zu unterstützen. Wir müssen etwas tun, um der nächsten, von Tieren auf Menschen übertragenen Viruserkrankung einige Schritte voraus zu sein. Die derzeitige Pandemie muss das Ende der Nutzung gefährdeter Wildtiere bedeuten.“

Redaktion: Gábor Toldy