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In memoriam Max Mannheimer zum 100. Geburtstag Max Mannheimer - Ich kann nicht hassen

Max Mannheimer mit Elija Boßler, einer Karmeliten-Nonne, die in ihrem Kloster auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau lebt. Weitere Bilder finden Sie unter www.br-foto.de. | Bild: © BR/Peter Dermühl, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter BR-Sendung bei Nennung "Bild: BR/Peter Dermühl"

Donnerstag, 06.02.2020
22:15 bis 23:00 Uhr

ARD-alpha
Deutschland 2013

BR-Dokumentation

Max Mannheimer - Ich kann nicht hassen

67 Jahre nach dem Ende des Holocausts lichten sich die Reihen der Zeitzeugen zusehends. Und von den wenigen noch Lebenden können oder wollen die meisten nicht mehr Zeugnis ablegen. Wie kaum ein anderer beeindruckt und bewegt er seit bald 28 Jahren vor allem junge Zuhörer: Der Jude Max Mannheimer, der im 93. Lebensjahr steht. Der Autor Peter Dermühl hat Mannheimer, der die Hölle von Theresienstadt, Auschwitz, Warschau, Dachau und seinen Außenlagern überlebt hat, bei einer Reise zu Schulen und Jugendlichen für die Dokumentation durch sein vergangenes und gegenwärtiges Leben begleitet. So kam es zu intensiven wie bewegenden Begegnungen mit Achtklässlern einer Mittelschule in Oberbayern, mit der Schauspielerin Iris Berben, mit seinem Freund Hans-Jochen Vogel, mit ehemaligen Mithäftlingen, mit Jugendlichen aus verschiedenen Ländern, mit seiner Familie samt Urenkeln - und mit seiner Freundin Elija Boßler, einer Karmeliten-Nonne, die in ihrem Kloster auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau lebt.

Auf dieser Reise zeigt Dermühl den 92jährigen in eindrucksvollen Bildern und Szenen, wie er mit zwei Heimatforschern das Unvermögen von Behörden und Politik beklagt, ermordeter KZ-Häftlinge würdig zu gedenken, wie er am Ort seiner Befreiung, am Bahngleis im noblen Tutzing am Starnberger See trauert, wie er sich noch einmal auf seinen damaligen Weg in die Freiheit macht und in einer heutigen Bundeswehrkaserne seine erste Nacht ohne Todesangst schildert, wie er trotz Kritik den Europäischen Karlspreis der Sudetendeutschen entgegennimmt und dabei als Mahner und Wegweiser auftritt oder wie er Witze reißt, indem er beispielsweise erklärt, er werde als Zeitzeuge erst mit 100 in Pension gehen und habe sich eigentlich einen Gutschein fürs Paradies erworben.

Max Mannheimer läßt auch Nähe zu und gibt im Gespräch mit Hans-Jochen Vogel an, er wisse nicht, ob er als Nicht-Jude und ohne seine demokratisch-humanistisch orientierte Erziehung nicht auch der Propaganda des Nazi-Regimes erlegen wäre. (Vogel räumt im selben Gespräch ein, dass er zu Mannheimers Leidenszeiten Mitglied der Hitlerjugend gewesen sei.) Der 92-jährige bekennt sich auch zu seiner Eitelkeit - "Ich möchte auch aussehen wie George Clooney" -, um gleich darauf von seiner Freundin Elija zur Ordnung gerufen zu werden. Der Jude und die Nonne gestatten dem Autor auch, die enge Beziehung zueinander zu dokumentieren. So wird deutlich, dass beiden aufeinander angewiesen sind und ein Leben ohne den anderen eigentlich nicht mehr vorstellbar ist.

Autor: Peter Dermühl
Redaktion: Stephan Keicher