ARD-alpha

W wie Wissen Medikamentenmangel und Apothekenkrise

Apothekerin vor Regal mit Medikamenten | Bild: BR

Mittwoch, 31.10.2018
16:30 bis 17:00 Uhr

  • Untertitel

ARD-alpha
2018

Moderation: Dennis Wilms

Wenn wir krank sind, bekommen wir das richtige Medikament – oder?

Was aber, wenn das nicht verfügbar ist? Immer häufiger kommt es in Krankenhausapotheken zu Lieferengpässen. Manche Arzneimittel sind Wochen oder Monate lang nicht lieferbar. Nicht selten müssen Behandlungen deshalb verschoben werden. Jürgen Reh ist für den Einkauf der Apotheke des Universitätsklinikums München in zuständig und erlebte schon im Februar über 200 Lieferengpässe. Im Dezember 2017 wurde es besonders kritisch: ein wichtiges Narkosemedikament war nahezu aufgebraucht. Was sind die Gründe für solche Engpässe?

Ein Skandal hat das Vertrauen in die Medikamentenversorgung nachhaltig erschüttert: der Bottroper Apothekerskandals, der Ende 2016 aufflog. Ein Apotheker hatte tausende Krebspatienten in Gefahr gebracht, indem er die Krebsmedikamente, die für jeden Patienten individuell zubereitet werden müssen, aus Profitgier unterdosierte. WwieWissen besucht eine Betroffene und geht der Frage nach, was inzwischen passiert ist: können Krebspatienten sich heute sicher fühlen?

Mitte des 13. Jahrhunderts erlässt Kaiser Friedrich der Zweite eine Gesetzessammlung: Ärzten wird es verboten, Arzneien herzustellen und zu verkaufen. Das wird Vorrecht der Heilmittelkundigen, denen aber die Diagnose und Behandlung entzogen wird. Die Trennung von Arzt und Apotheke ist vollzogen und verbreitet sich schnell. Die heutige Löwen-Apotheke in Trier wird 1241 erstmals urkundlich erwähnt und gilt als die älteste Apotheke Deutschlands. Wie sah die Arbeit des Apothekers früher aus – und wie hat sie sich in den letzten Jahren verändert?

Die WHO schätzt, dass in Entwicklungsländern etwa jedes zehnte Medikament minderwertig oder gefälscht ist. Besonders häufig sind lebenswichtige Arzneien wie Antibiotika und Malariamittel betroffen.

Mit dramatischen Folgen: Aktuelle Untersuchungen im Auftrag der WHO zeigen, dass jedes Jahr hundertausende Menschen deshalb sterben müssen. Aber noch immer gibt es für viele Länder keine konkreten und flächendeckenden Statistiken, welche Regionen besonders betroffen sind. Ein deutschafrikanisches Forschungsprojekt soll hier einen wichtigen Beitrag leisten: Forscher des pharmazeutischen Instituts der Uni Tübingen haben mit Kollegen aus Kamerun, der Demokratische Republik Kongo und Togo ein großflächiges Forschungsprojekt gestartet.

Sie sammeln in verschiedenen Regionen der Länder Medikamente in großem Umfang und testen sie, erst im Schnelltest vor Ort, später im Labor in Tübingen. Die Proben kaufen sie in Apotheken und Krankenhäusern, aber auch – verdeckt – auf Straßenmärkten. Sie wollen ein sich ein Bild der aktuellen Situation in den Ländern machen. Erst dann können Maßnahmen entwickelt werden, um das Problem in den Griff zu bekommen.

- Engpässe in der Medikamentenversorgung

- sind Krebsmedikamente nach dem Bottroper Skandal jetzt sicher?

- Geschichte der Apotheken

- gefälschte Medikamente in Entwicklungsländern

Redaktion: Carola Richter