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alpha-thema: 70 Jahre Israel Die Hebräische Stadt - 100 Jahre Tel Aviv

Die Skyline von Tel Aviv, ein Miteinander von historischen und modernen Gebäuden. | Bild: BR/Peter Juras

Montag, 14.05.2018
20:15 bis 21:00 Uhr

ARD-alpha
2009

Mit keiner anderen Stadt wird Tel Aviv so häufig verglichen wie mit New York. Tel Avis ist hektisch, aufregend, hässlich, schön, jung, kreativ, multikulturell, modisch, launisch, absurd, witzig und vor allem: Tel Aviv ist ein Wunder.

Denn vor genau 100 Jahren gab es dort, wo die Stadt heute steht, fast nur Sanddünen - sonst nichts. Tel Aviv war ein Traum: Die erste Hebräische Stadt seit den Zeiten der Bibel, die erste Stadt, in der ausschließlich Juden leben. Frei und unabhängig - im Gegensatz zu den Ghettos. Tel Aviv ist die Anti-These zu Jerusalem: Tel Aviv ist keine Stadt, in der der Jahrtausende alte jüdische Glaube tonnenschwer auf jedem Stein liegt, keine Stadt mit einer wilden, bewegten Geschichte, sondern ein unbeschriebenes Blatt, ein neues Konzept, die Idee des "neuen Juden".

Ein Jude, der sich von der Vergangenheit der Verfolgung, der Unterdrückung, aber auch von der Enge der Religion entfernt hat, um ein neues Kapitel in der jüdischen Geschichte zu schreiben: das hebräische Kapitel. Mit Hebräisch als Sprache einer neuen Kultur, die sich auf die Zukunft und nicht mehr auf die Vergangenheit konzentriert, die hoffnungsfroh ins 20. und nun ins 21. Jahrhundert blickt und nicht mehr rückwärtsgewandt 3000 Jahre Geschichte immer wieder aufs Neue "durcharbeitet".

Tel Aviv als Schnittpunkt zwischen Okzident und Orient, als Sammelbecken für Menschen aus mehr als 120 Ländern, als Stadt ohne Geschichte, die sich ständig neu erfindet, sei es in der Architektur, in der Literatur, in der Musik, im Theater, sei es in sozialen Bereichen und vor allem in der Politik. Denn Tel Aviv will "Normalität" schaffen, Normalität für Juden, die nicht mehr verfolgt werden, sich aber auch nicht mehr im Krieg befinden.

Und so kommt es, dass Tel Aviv auch zum Zentrum des Widerstands gegen Besatzung und Siedlungspolitik, gegen Rechts, gegen Nationalismus und Orthodoxie geworden ist.

Dieser Film erzählt die Geschichte der Stadt und ihrer Menschen, erzählt von den Jahren des Aufbruchs, der kulturellen Umbrüche und den politischen Verwerfungen. Filmautor Richard Chaim Schneider begleitet die jungen Kreativen, die diese Stadt zu einem einzigartigen Sammelpunkt neuer Ideen machen: Weit über 60 Prozent der Bewohner von Tel Aviv sind unter 40. Eine junge Stadt mit einer jungen Bevölkerung. Eine Stadt mit Zukunft, die jedoch ständig bedroht wird - aktuell von Auslöschungsdrohungen aus Teheran.

Redaktion: Brigitte Abold