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alpha-thema: Die Mafia und ihr Markt Müll, Mafia und das große Schweigen "Die Story im Ersten"

Aus: "Müll, Mafia und das große Schweigen" | Bild: Radio Bremen + BR/Christian Gramstadt

Montag, 26.03.2018
20:15 bis 21:00 Uhr

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2018

1989 gilt als eine Art „Geburtsjahr“ kalabrischer Giftmüllskandale der dort ansässigen Mafia, der ‚Ndrangheta: Rein zufällig wurden im Ort Santa Domenica Talo in der Provinz Cosenza 60 Tonnen Krankenhausmüll entdeckt, der illegal in einem Firmenofen verbrannt werden sollte.

Ein Jahr später strandete das Schiff „Jolly Rosso“ nahe dem Küstenort Amantea. Große Teile der tödlichen Fracht werden im nahe gelegenen Tal Oliva vermutet. Analyse ergaben: Toxische Substanzen, Cäsium 137 und eine überdurchschnittliche Todesrate von Krebskranken.

Mehr als 100 Schiffe sollen im Mittelmeer mit Giften jeder Art an Bord versenkt worden sein. In Kalabrien selbst stehen mehr 600 Müllkippen auf der staatlichen Sanierungsliste.

Geschehen ist von Seiten der zuständigen Umweltbehörden dennoch bisher wenig - obwohl Umwelt-Aktivisten seit mehr als 20 Jahren Alarm schlagen und davor warnen, dass Kalabrien zur „Müllkippe Europas“ verkommt. Stattdessen wurden Ermittler kaltgestellt, Prozesse verschleppt, brisante Akten verschwanden in den Archiven.

Einer der Top-Fahnder, Natale de Grazia, starb 1995 völlig unerwartet und unter dubiosen Umständen. Brisante Abhörprotokolle von Mafiabossen blieben unbeachtet. So die über den Ndranghetisten Carlo Micò. 2011 sagte er: „Ich habe 10 Liter Nervengas. Das tötet in einer Reichweite von acht Kilometern. Ich habe es an einer Stelle vergraben. Jetzt will ich dort nicht mehr hin. Nervengas! Von einem sowjetischen Russen, einem gefährlichen Händler.“

Klar ist, dass toxische und radioaktive Stoffe aus den europäischen Industriezentren, zum Beispiel aus Deutschland und Frankreich stammen. Und klar ist auch, dass die Interessen einer verdeckten Koalition aus kalabrischen Mafiaclans, Geheimlogen, Geheimdienstlern und Politikern bis heute vielfältig und mächtig sind. Im Einklang auch mit den Geschäften multinationaler Konzerne aus der Mitte Europas, die in der Heimatregion der ‚Ndrangheta gute Profite wittern.

Doch es gibt Bewegung in der Giftmüllszenerie Kalabriens. Seit 2013 leitet Federico Cafiero de Raho die Staatsanwaltschaft der Provinz Reggio Calabria. Zuvor hatte er die Müll-Mafiosi rund um Neapel aufgemischt. Nun intensivieren kalabrische Staatsanwälte und die Parlamentarische Anti-Ökomafia-Kommission in Rom ihre Ermittlungen im illegalen Müllgeschäft - zunehmend erfolgreich.

Der Journalist Sandro Mattioli macht sich in Deutschland, Frankreich und Italien auf Spurensuche. Ermittler, Experten, Aktivisten, Informanten und Mafia-Aussteiger kommen dabei zu Wort.

Redaktion: Gábor Toldy