Respekt - Respekt

Macht der Kommunikation

RESPEKT Macht der Kommunikation

Stand: 28.11.2019

  • Kommunikation ist ein Austausch von Informationen und eine hohe Kunst.
  • Es gibt immer einen Sender, eine Botschaft und einen Empfänger.
  • auch Botschaften, die ohne Worte ausgetauscht werden, sind Kommunikation: Mimik, Gestik, Körperhaltung und Tonfall. Das ist nonverbale Kommunikation.
  • Wenn Kommunikation nur schriftlich ist, fallen viele wichtige nonverbale Informationen weg: Mimik, Gestik und Tonfall zum Beispiel.
  • Kommunikation ist so komplex, dass Vieles schiefgehen kann.

Der Mensch ist ein soziales Wesen und lebt in Gemeinschaften, die ohne Kommunikation und ohne das "miteinander Reden" nicht funktionieren würden. Warum aber passieren so viele Missverständnisse in der Kommunikation? Was können wir tun, damit Worte positive Wirkung haben und unsere Gesellschaft stärker machen anstatt sie zu schwächen? – Moderator Sebastian Leidecker geht in der RESPEKT-Reportage diesen Fragen nach.

Miteinander Reden als Erlebnis

Wir treffen in der Sendung eine Hospiz-Bewohnerin, die sehr bald sterben wird und schildert, wie wichtig gerade für sie die Kommunikation zu ihren Mitmenschen ist. Wir erleben, wie eindringlich eine 95-jährige Zeitzeugin von ihren Erfahrungen während der Nürnberger Prozesse berichtet: Das fühlt sich ganz anders an als der übliche Geschichtsunterricht in der Schule. Und wir begegnen Jugendlichen, die mit kuriosen Aktionen Themen wie Fake News, Hassbotschaften und Extremismus hinterfragen.

Die Kunst der guten Kommunikation

  • 81% der Kommunikation zwischen Menschen besteht aus nonverbaler Kommunikation, also aus Mimik, Gestik, weiterer Körpersprache und Tonfall der Stimme.
  • Nur 19% macht der Inhalt der Nachricht aus.
  • Kommunikation kann ganz schön schiefgehen, wenn man den Zusammenhang, den Kontext, nicht berücksichtigt, zum Beispiel den kulturellen Kontext.
  • In jedem Gespräch gilt es, Botschaften zu entschlüsseln, die über Worte und andere Mittel gesendet werden.

Zahlen und Fakten: Quellen

1. Prozentsätze nonverbale Kommunikation
Quelle: Institut für Demoskopie Allensbach, 2006

2. Kommunikationsquadrat, Schulz von Thun
Quelle: Schulz von Thun Institut für Kommunikation

Vier-Ohren-Modell

Kommunikationsforscher unterteilen die Botschaft, die ein Sender vermitteln will, in vier Ebenen:

  1. Die Sachinformation: das, worüber informiert wird.
  2. Die Selbstkundgabe: was der Sender über sich preisgibt.
  3. Den Beziehungshinweis: was der Sender von seinem Gegenüber hält.
  4. Den Appell: das, was er beim Empfänger erreichen möchte.

Man bräuchte vier Ohren, um alle vier Ebenen mitzuhören.

Machtmissbrauch mit Worten

Stichwort: Fake News. Vor allem Rechtspopulisten nutzen digitale Kommunikationswege und -formen, um Propaganda und Falschmeldungen zu streuen – teilweise sehr erfolgreich, wie die Wahlerfolge Trumps, des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban sowie der AfD in Deutschland zeigen. Aus einer Kommunikation des Miteinanders, das auch einer friedlichen Konfliktlösung dient, wird dann ein Gegeneinander.

Hetze und Hass im Netz

Immer wieder sind Menschen im Netz Hasstiraden ausgesetzt. Kommunikationsforscher Dr. Benjamin P. Lange arbeitet im Institut "Mensch Computer Medien" an der Uni Würzburg. Der Wissenschaftler hat untersucht, warum die Kommunikation im Internet mitunter so extrem aggressiv ist. Er sagt: Es liegt an der Anonymität. Die Menschen hätten nicht das Gefühl, verantwortlich zu sein, weil sie ja nicht belangt werden könnten. So fiele es ihnen leicht, jemanden anzugreifen, der anderer Meinung sei und deshalb nicht "zu ihrer Gruppe" gehöre. Denn wer nicht "dazu gehöre", mit dem sei "etwas falsch". Diese einfache Zweiteilung in "Freund" und "Feind" existiert in der Realität natürlich nicht. Dennoch finden Menschen, die radikale Dinge behaupten und andere diskriminieren, erschreckend oft Glauben bei anderen – selbst mit Lügen.

"Es ist die Frage, wie selbstbewusst und dominant man die vorbringt und wie oft man es wiederholt. Dann kann es schon als die Wahrheit angesehen werden. Es wird selbstbewusst vorgebracht, es kommt immer wieder, dann kann es so falsch nicht sein."

Dr. Benjamin P. Lange, Sprach- und Kommunikationswissenschaftler

Ein paar Tipps für wichtige Gespräche

  • Arme und Beine nicht verschränken, eine offene Haltung einnehmen.
  • Ruhig und nur so viel wie nötig sagen.
  • Pausen zulassen und aushalten.
  • Blickkontakt herstellen, ruhig gestikulieren. Das vermittelt den Eindruck von Kompetenz und Sicherheit.

Leute ins konstruktive Gespräch bringen

"Pics4peace": Das sind Jugendliche, die seit einem Jahr in Würzburg für Demokratie Stellung beziehen. Sie sprechen zum Beispiel Passanten an und fordern sie auf, spontan zu einem Thema zu diskutieren. Dafür gibt's dann einen Punsch –alkoholfrei. Mit dieser Aktion wollen sie die Menschen dazu bringen, sich mit politischen Themen auseinander zu setzen: etwa mit Fake News, Hassbotschaften und Extremismus. Pia Beckmann hat Pics4peace ins Leben gerufen. Sie war bis 2008 Oberbürgermeisterin in Würzburg.

"Man kann nur voranschreiten, wenn man mit anderen ins Gespräch kommt und sich die Meinungen von anderen anhört. Man lernt viel dazu, wenn man ins Gespräch kommt."

Lucas Peuser, pics4peace

Miteinander reden statt übereinander

Mehr Verständnis füreinander hilft dabei, besser miteinander auszukommen und gemeinsam Lösungen zu finden. Zu wissen, wie gute Kommunikation funktioniert, ist dabei ein Schlüssel: egal ob in der Schule, beim Praktikum, in der Familie oder im Berufsleben. Kommunikation funktioniert auf so vielen Ebenen, dass viel schiefgehen kann. Umso wichtiger ist es, dran zu bleiben und immer wieder aufeinander zuzugehen, um zu verstehen, was der/die Andere wirklich meint. Und das können wir täglich tun – und so auch Demokratie und Toleranz stärken.

Autorin: Monika von Aufschnaiter

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